2. Juli 2020, 09:52
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BaFin: Keine Altersdiskriminierung in der Kfz-Versicherung

Die BaFin hat überprüft, ob der Eindruck von älteren Versicherungsnehmern beziehungsweise Autofahrern stimmt, dass sie im Verhältnis zu anderen Altersgruppen zu Unrecht höhere Prämien zahlen müssen. Fazit der Untersuchung. Bei der altersabhängige Tarifierung in Kfz-Versicherung geht alles mit rechten Dingen zu. Es gibt keine Altersdiskriminierung bei den Kfz-Versicherern.

Shutterstock 69235294 in BaFin: Keine Altersdiskriminierung in der Kfz-Versicherung

Ältere Autofahrer werden in der Kfz-Versicherung nicht diskriminiert.

Die aktuelle, marktbreit angelegte Untersuchung der in Deutschland tätigen Kraftfahrtversicherer kommt zu dem Ergebnis, dass die altersabhängige Tarifierung in der Autoversicherung auf anerkannten Prinzipien risikoadäquater Kalkulation beruht und somit Paragraf 20 Absatz 2 Satz 2 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) entspricht.

Anhaltspunkte für Verstöße gegen diese Vorschrift und damit für eine unzulässige Diskriminierung älterer oder jüngerer Versicherungsnehmer haben sich nicht ergeben.

Im Hinblick auf die Prämiensituation für ältere Fahrer stellte die BaFin fest, dass bei einem signifikanten Anteil der untersuchten Kraftfahrtversicherer selbst ältere Versicherungsnehmer bis unter 79 Jahren eine niedrigere durchschnittliche Prämie zahlen als etwa die 27- bis 41-jährigen Versicherungsnehmer.

Obwohl die BaFin feststellte, dass bei eher gleichbleibendem Schadendurchschnitt die durchschnittliche Schadenhäufigkeit bei älteren Personen steigt und die Versicherer insofern einen entsprechenden Prämienzuschlag kalkulieren dürfen, haben demnach andere Tarifmerkmale – etwa eine höhere Schadenfreiheitsklasse und geringere jährliche Fahrleistung – die Prämienbelastung eines durchschnittlichen Versicherungsnehmers im Alter nicht unerheblich gedämpft.

Seit einigen Jahren ist es gängige Praxis der in Deutschland tätigen Kraftfahrtversicherer, vor allem Pkw-Tarife nach dem Alter der Versicherungsnehmer, teilweise auch der Fahrer, zu staffeln.

So sind etwa in der Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung und in der Fahrzeugvollversicherung für jüngere Fahrer und ältere Versicherungsnehmer Zuschläge vorgesehen. In der Fahrzeugteilversicherung (Teilkasko) sinken die Prämien mit zunehmenden Alter dagegen im Allgemeinen.

Bei einer altersabhängigen Tarifierung müssen die Versicherer zwingend die Vorgaben des Paragrafen 20 Absatz 2 Satz 2 AGG beachten, wonach eine unterschiedliche Behandlung aufgrund des Alters nur zulässig ist, wenn diese auf anerkannten Prinzipien risikoadäquater Kalkulation beruht.

Foto: Shutterstock

2 Kommentare

  1. Die Zuschläge für Ältere und Jüngere Kfz-Halter sind weiter diskriminierend, wie diverse Vergleiche in der letzten Zeit beweisen.

    Anhand dieser Beispiele ist erkennbar, dass das Geschäftsgebaren: auf die Kfz-Prämien der Senioren Zuschläge zu erheben – ungebremst zu Lasten der oftmals unwissenden Verbraucher weitergeht.

    Ältere Halter weisen deutliche geringere Fahrleistungen auf und fahren vielfach mehr als 30 Jahre unfallfrei. Gleichwohl muss der Alterszuschlag gezahlt werden, was alleine schon widersprüchlich ist. Die Schadensfreiheitsrabatte wiegen die Zuschläge kaum aufgewogen auf. Insofern dürften der Gesamtverband der Versicherer (GDV) zusammen mit der BaFin zum Nachteil der Verbraucher diese Analyse erstellt haben, welche nicht plausibel erscheint sowie nicht nachvollzogen werden kann. Nicht bekannt ist bis jetzt, ob unabhängige Experten zu dem Verfahren dazu gezogen worden sind.

    Kommentar von Rainer Schäffer — 4. Juli 2020 @ 14:31

  2. BaFin versagt beim Verbraucherschutz
    Die BaFin hat ihren kollektiven Auftrag des Verbraucherschutzes im Interesse der KFZ-Halter über 65 Jahren nicht gewährleistet. Bis heute zahlen die Senioren bis über 100 % als Zuschlag zu den Prämien selbst wenn diese 30 Jahre und länger unfallfrei fahren.
    Der Bericht der BaFin v. 1.7.20 wurde öffentlich nicht zugänglich gemacht, so dass keiner weiß, ob Unabhängige im Interesse der Verbraucher an dem Verfahren beteiligt worden sind. Der Bericht der BaFin für die Bundesregierung scheint zum Nachteil der Senioren “ausgeklüngelt” worden sein, wobei der GDV die Feder geführt haben dürfte.
    Die Tarife zur KFZ-Versicherung, wie die gesetzlichen Grundlagen (stat. Nachweise usw.) nach dem Allgemeinen Gleichstellungsgesetz, müssen übersichtlich und für einen nicht geschulten Verbraucher ohne Hinzuziehung eines sachverständigen Dritten nachvollziehbar sein.
    Die BaFin ist offensichtlich in diesem Punkt ihren gesetzlichen Aufgaben nicht gefolgt.

    Kommentar von Rainer Schäffer — 4. Juli 2020 @ 14:17

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