24. August 2020, 11:05
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BdV: “Lebensversicherung zur Altersvorsorge ist legaler Betrug”

Der Bund der Versicherten (BdV) ist bekannt für seine harte Gangart beim Thema Lebensversicherungen. Nun greift der Vorstandsvorsitzende des BdV, Axel Kleinlein, die jüngst vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) veröffentlichten Stornozahlen auf und übt heftige Kritik an den Altersvorsorgeprodukten der Lebensversicherer und dem Vertrieb. 

Kleinlein in BdV: Lebensversicherung zur Altersvorsorge ist legaler Betrug

Storno ist Standard – das gilt zumindest bei Lebensversicherungen. Insbesondere bei langlaufenden Verträgen ist die Kündigung der Normalfall. Zu diesem Schluss kommt der Bund der Versicherten e. V. (BdV) angesichts der jüngsten Veröffentlichung des Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV).

Der BdV sieht hierin einen eindeutigen Beweis dafür, dass die Produkte nicht zur Altersvorsorge taugen. „Leider erkennen die meisten Versicherten zu spät, dass die Lebensversicherung zur Altersvorsorge legaler Betrug ist“, sagt BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein. „Besser wäre es, den Vertrag erst gar nicht abzuschließen“, fordert Kleinlein

Grund für die neuen deftigen Angriff ist der leichte Anstieg der Stornoquote in der Lebensversicherung auf aktuell 2,68 Prozent, die der GDV in „Die deutsche Lebensversicherung in Zahlen 2020“ veröffentlicht hat.

Nach Lesart des BdV mag das nach keiner hohen Stornoanzahl klingen, doch seinen bei dieser Stornoquote von 100 heute abgeschlossenen Verträgen nach zehn Jahren noch etwa Dreiviertel ungekündigt, nach 25 Jahren ist es nur noch etwa die Hälfte und nach 40 Jahren besteht nur noch etwa ein Drittel der ursprünglichen Verträge.

„Die Lebensversicherer sind nicht in der Lage, vernünftige, langlaufende Verträge anzubieten“, sagt denn auch Kleinlein. „Die einzigen, die vom Abschluss einer Lebensversicherung profitieren, sind die Vermittler und die Versicherer selbst. Die meisten Versicherten zahlen drauf.“

Die individuellen Stornoquoten sind bei den einzelnen Lebensversicherern sehr unterschiedlich. Bei Run-Off-Unternehmen wie der Frankfurter Leben oder der Nürnberger Beamten Lebensversicherung liegt sie bei 5,05 beziehungsweise 6,1 Prozent.

Das bedeutet, dass in den ersten 25 Jahren 75 beziehungsweise 80 Prozent der Versicherten den Vertrag gekündigt haben, rechnet der BdV vor. „Für ein langlaufendes Produkt, das den Ruhestand absichern soll, sind diese Zahlen ein Armutszeugnis. Mit einer Lebensversicherung in Rente zu gehen, ist in der Praxis die absolute Ausnahme“, sagt Kleinlein.

Zudem sei die Lage der Lebensversicherer allgemein angespannt. Das geht laut BdV aus der Analyse der aktuellen Solvenzberichte (SFCR) hervor, die die Verbraucherschützer gemeinsam mit der Zielke Research Consult GmbH veröffentlicht hatten. (dr)

Foto: BdV

3 Kommentare

  1. Lieber Herr Henneberger, konkret wäre schön. Was stimmt denn Ihrer Meinung nach “vorne und hinten” nicht ? Und mal angenommen, der Sparer würde aufgeweckt, was dann ?

    Kommentar von Nils Fischer — 26. August 2020 @ 12:16

  2. Bei über 80 Millionen Policen stimmt die finanzielle Bildung vorne und hinten nicht. Ich finde es sehr gut Sparer aufzuwecken. Hinterher kommt wieder das große Wehklagen, das alles nicht reicht und keiner hat es gewußt. Weiter so. Hubert Henneberger

    Kommentar von Hubert Henneberger — 26. August 2020 @ 09:09

  3. Lieber Herr Kleinlein, Ihre undifferenzierten Publikationen sind haarsträubender Unsinn und Alternativen, sinnvolle wohlgemerkt, haben Sie keine. Diese Art des Selbstdarstellertums ist mehr als überflüssig.

    Kommentar von Nils Fischer — 24. August 2020 @ 19:56

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