23. Juli 2020, 13:38
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Corona-Schäden brocken Swiss Re Milliardenverlust ein

Die Coronavirus-Pandemie kommt den Schweizer Rückversicherer Swiss Re deutlich teurer zu stehen als seinen deutschen Rivalen Munich Re. Im ersten Halbjahr summierten sich die Schäden und Rückstellungen auf 2,5 Milliarden US-Dollar (2,2 Mrd Euro), wie das Unternehmen mitteilte. Im Gegensatz zu den Münchnern rutschte die Swiss Re auch in die roten Zahlen. Unter dem Strich stand im ersten Halbjahr nach vorläufigen Eckdaten ein Verlust von rund 1,1 Milliarden Dollar (950 Mio Euro).

126156907 in Corona-Schäden brocken Swiss Re Milliardenverlust ein

An der Börse kamen die Nachrichten schlecht an. Die Swiss-Re-Aktie verlor am Donnerstagvormittag mehr als zwei Prozent auf 75,36 Schweizer Franken und war damit Schlusslicht im schweizerischen Leitindex SMI.

Die Munich Re hatte am Montag für das zweite Quartal corona-bedingte Schäden von rund 700 Millionen Euro gemeldet. Zusammen mit den 800 Millionen Euro aus dem ersten Quartal summieren sich die Belastungen damit bisher auf etwa 1,5 Milliarden Euro.

Dennoch erwartet die Munich Re für das zweite Jahresviertel einen Gewinn von rund 600 Millionen Euro, nachdem sie im ersten Quartal unter dem Strich trotz eines Gewinneinbruchs mehr als 200 Millionen Euro verdient hatte. Mit den vorläufigen Zahlen zum zweiten Jahresviertels schnitt sie zudem besser ab als von Analysten im Schnitt erwartet.

Die Belastungen infolge der Corona-Krise können bei beiden Unternehmen noch steigen – oder auch geringer ausfallen. Denn die Unsicherheit bleibt groß. Aus Sicht der Swiss-Re-Führung hängt der tatsächliche Ausgang nicht nur davon ab, wann ein Impfstoff oder Medikamente gegen das Virus verfügbar sind, sondern auch davon, ob es gelingt, die Pandemie mit anderen Maßnahmen einzudämmen. Hinzu kommen die Auswirkungen der staatlichen Konjunkturpakete sowie die Dauer und Schwere einer Rezession.

Swiss-Re-Finanzchef John Dacey geht allerdings davon aus, dass sein Unternehmen mit den 2,5 Milliarden Dollar den Großteil der Belastungen infolge der Pandemie jetzt verbucht hat. Der Löwenanteil der Summe entfällt mit 1,5 Milliarden Dollar auf Betriebsunterbrechungen bei Unternehmen sowie den Ausfall von Veranstaltungen, gegen den sich die Veranstalter versichert hatten.

Zudem rechnen die Schweizer mit Schäden von einer halben Milliarde Dollar in der Lebens- und Krankenrückversicherung. Das Management erklärte dies vor allem mit vermehrten Todesfällen in den USA und Großbritannien. Beide Länder sind von der Pandemie besonders schwer betroffen.

Ohne die Schäden und Rückstellungen für die Corona-Folgen hätte sich das Geschäft der Swiss Re hingegen positiv entwickelt. In diesem Fall hätte das Unternehmen in den ersten sechs Monaten einen Gewinn von 0,9 Milliarden Dollar erzielt.

Wie teuer die Folgen der Coronavirus-Pandemie Erst- und Rückversicherer weltweit zu stehen kommt, ist weiterhin schwer abzuschätzen. Swiss-Re-Chef Christian Mumenthaler hatte die versicherten branchenweiten Schäden im Juni auf 50 bis 100 Milliarden Dollar geschätzt.

Der Chef des Londoner Versicherungsmarkts Lloyd’s, John Neal, war Mitte Mai sogar von 107 Milliarden Dollar ausgegangen. Damit würde die Pandemie die Branche ähnlich schwer treffen wie die verheerenden Hurrikan-Serien von 2005 und 2017. Im Jahr 2005 hatten die Hurrikane “Katrina”, “Rita” und “Wilma” versicherte Schäden von 116 Milliarden Dollar angerichtet. 2017 schlugen die Zerstörungen durch “Harvey”, “Irma” und “Maria” mit 92 Milliarden Dollar zu Buche.

Neal sagte der Branche im Zuge der Coronavirus-Pandemie zudem Wertverluste bei den Kapitalanlagen von 96 Milliarden Dollar voraus. Allerdings war die Entwicklung staatlicher Hilfsprogramme zu diesem Zeitpunkt noch in einem früheren Stadium.

Eigentlich war das Halbjahresergebnis von Swiss Re erst am 31. Juli fällig. Dann sollen auch die endgültigen Zahlen vorliegen. Das Unternehmen berichtete über den Verlust jedoch vorab und gab in diesem Zuge den erfolgreichen Abschluss des Verkaufs der Tochter ReAssure Group an die Phoenix Group bekannt. ReAssure ist auf die Verwaltung geschlossener Lebensversicherungsbestände spezialisiert. Die Gesellschaft kauft Lebenspolicen vor allem von britischen Versicherern auf und führt sie bis zu deren Ablauf weiter. (dpa-AFX)

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Erster im Markt: Gothaer bündelt bAV- und bKV-Verwaltung in einem Portal

Um den Verwaltungsaufwand für die betriebliche Vorsorge und Absicherung für Arbeitgeber deutlich zu vereinfachen, bündelt die Gothaer als erster Versicherer die bAV und bKV-Verwaltung für Arbeitgeber in einem gemeinsamen Portal.

mehr ...

Immobilien

Miete oft höher als 30 Prozent des Einkommens

Zwei Drittel der Wohnungssuchenden bereit, mehr für Miete zu zahlen als empfohlen Eine Faustregel lautet: Die Kaltmiete einer Wohnung sollte nicht höher als 30 Prozent des Nettoeinkommens des Mieters sein.

mehr ...

Investmentfonds

Entscheidung über Wirecard-Verkauf im November?

Der Insolvenzverwalter des Skandalkonzerns Wirecard erwartet für November die Entscheidung über den Verkauf des Kerngeschäfts bei dem insolventen Bezahldienstleister. Das schreibt der Anwalt Michael Jaffé in einem Brief an die Mitarbeiter, über den die “Süddeutsche Zeitung” berichtete.

mehr ...

Berater

Konsolidierung mit Kapital und Köpfen

Suchten Makler in der Vergangenheit Anschluss an einen Pool oder wollten zu einem anderen wechseln, lenkten sie den Blick meist auf die Provisionstabellen. Wettbewerb lief vor allem über die Vergütung und Produktpalette. Diese Zeiten sind vorbei. Natürlich spielen beide Kriterien noch eine Rolle, aber die entscheidende Frage lautet: Wie bewältigt der Pool des Vertrauens die Herausforderungen, die wegen der enorm schnellen und einschneidenden technischen Entwicklung entstehen?

mehr ...

Sachwertanlagen

BaFin nimmt Deutsche Edelfisch DEG II ins Visier

Die Finanzaufsicht BaFin hat den hinreichend begründeten Verdacht, dass die Deutsche Edelfisch DEG GmbH & Co. II KG in Deutschland Wertpapiere in Form von Schuldverschreibungen ohne das erforderliche Wertpapier-Informationsblatt öffentlich anbietet. Im Markt der Vermögensanlagen ist das Unternehmen nicht unbekannt.

mehr ...

Recht

Haftpflichtkasse muss Gasthaus für Corona-Schließung entschädigen

In der Klagewelle um die Kosten für Gaststätten, die wegen der Corona-Pandemie schließen mussten, hat ein weiterer Wirt gegen seine Versicherung gewonnen.

mehr ...