7. September 2020, 14:54
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Cybersicherheit: Im Sturm der Digitalisierung

“Every business is a software business” – Der Satz des Vaters der Informatik, Watts S. Humphrey gilt stärker denn je, wie die steigenden Schäden durch Cybercrime zeigen. Doch die überwiegende Mehrheit der deutschen Unternehmen zählt zu den Anfängern bei der Absicherung von Cyberangriffen. Für fachkundige Vermittler, die sich nicht nur als Verkäufer verstehen, sondern als Berater und Aufklärer, eröffnet sich ein hochattraktiver Markt. Ein Gastbeitrag von Tobias Tessartz, Technical Underwriter Cyber bei Hiscox Deutschland

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Tobias Tessartz, Hiscox

Mittlerweile kommt kein Unternehmen ohne Computer, digitale Kommunikation oder Software aus. Vermehrt werden Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz (KI) benutzt, um dem steigenden Datenstrom Herr zu werden.

Die letzten Wochen und Monate während der Coronapandemie haben gezeigt, dass dank des digitalen Fortschritts Arbeiten in Zeiten von Social Distancing weiter möglich ist. Viele Arbeitnehmer blieben und bleiben zuhause und nutzen Laptop, Tablet und Smartphone, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu halten – noch vor einigen Jahren in dieser Form nicht denkbar.

Es ist klar, dass diese Digitalisierung unumkehrbar ist. Neben Chancen müssen Unternehmen sich deshalb auch realistisch mit den Risiken auseinandersetzen. Das gilt vor allem für diejenigen, die sich nicht ausreichend auf solche Szenarien vorbereitet haben.

Letzes Jahr gaben 61 Prozent der befragten deutschen Unternehmen im Hiscox Cyber Readiness Report an, im vergangenen Jahr mindestens eine Cyber-Attacke erlitten zu haben. In diesem Jahr waren es nur noch 41 Prozent.

Schadensumme auf 72.000 Euro gestiegen

Gestiegen ist hingegen die Schadensumme, auf durchschnittlich 72.000 Euro. Vorbereitet sind hingegen nur die wenigsten. Unzureichend gesicherte Heimnetzwerke in Zeiten von Home-Office machen es Hackern leichter, auf Unternehmensdaten zuzugreifen. Das wiederum führt zu wachsender Unsicherheit. Was jedoch nicht geschehen darf, ist, dass Unternehmen aufgrund der Risiken auf digitale Innovation verzichten.

Die Versicherungsbranche ist gefordert, digitale Risiken abzusichern und die richtigen Voraussetzungen zu schaffen, um weiter Fortschritt in einer vernetzten Welt zu ermöglichen. Dabei stehen die Stakeholder der Branche – Versicherer, Versicherungsnehmer und Makler – vor unterschiedlichen Herausforderungen.

Für Versicherungsnehmer treten vermehrt digitale Risiken auf, die auf den ersten Blick teilweise nicht mehr als Cyber-Schäden erkennbar sind. Dazu herrscht Unsicherheit, ob bestehende IT-Versicherungen auch Cyber-Risiken abdecken. Versicherer stehen vor der Herausforderung transparente Lösungen anzubieten, die diese digitalen Risiken abdecken. Denn: Die überwiegende Mehrheit der deutschen Unternehmen zählt zu den Anfängern bei der Absicherung von Cyberangriffen. Lediglich 18 Prozent gelten laut Hiscox Cyber Readiness Report als Fortgeschrittene und 17 Prozent als Cyber-Experten.

Maßnahmen zur Risikominimierung sind für immer digitaler agierende Unternehmen essenziell. Dazu gehört die regelmäßige Versorgung des eigenen IT-Systems mit aktuellen Sicherheitsupdates, sogenannten „Patches“, um bekannte Sicherheitslücken zu schließen, ein abgesicherter Zugang zu Unternehmensdaten aus dem Home-Office sowie ein aktueller Virenschutz und eine Firewall.

Mitarbeitersensibilisierung ist ein wichtiger Schlüssel

Außerdem sollten auch die Mitarbeiter über Cyber-Risiken Bescheid wissen, um Einfallstore für Hacker zu minimieren, sichere Passwörter verwenden und regelmäßige Trainings zur Erkennung von Phishing-Angriffen bekommen. Mitarbeitersensibilisierung ist ein wichtiger Schlüssel zu verbesserter Cyber-Sicherheit. Denn häufig geht einem erfolgreichen Cyberangriff ein menschlicher Fehler oder die Täuschung eines Menschen voraus. Darüber hinaus sollten Unternehmen regelmäßig ihre Daten sichern und diese getrennt vom IT-System aufbewahren, um sie so vor digitalen Eindringlingen zu schützen.

Da jedoch auch diese Maßnahmen keinen vollkommenen Schutz leisten können, lohnt es sich, zusätzlich die Absicherung durch eine Cyber-Versicherung in Betracht zu ziehen. Laut Hiscox Cyber Readyness Report zahlen die befragten Unternehmen aus acht Ländern im Schnitt 51.200 Euro zur Behebung der Schäden.

Insofern kann eine Versicherung zum einen die wirtschaftlichen Folgen eines Cyber-Vorfalls für Unternehmen und zum anderen durch den Einsatz – und die Kostenübernahme – spezialisierter Dienstleister den Schaden deutlich reduzieren. Gerade kleine- und mittelständische Unternehmen sind in Cyber-Krisen häufig überfordert und können ohne externe Hilfe schnell in existenzielle Nöte geraten.

Daneben gewinnen Cyber-Versicherungen für Privatpersonen zunehmend an Bedeutung, was die Komplexität für Versicherungsnehmer teilweise noch erhöht. Denn auch im sich stärker digitalisierenden Alltag gibt es viele potenzielle Einfallstore für Hacker: Das Spektrum reicht von infizierter Hardware durch Phishing-Mails über Identitätsdiebstahl bis zu Erpressung. Die Herausforderungen beim sicheren Arbeiten im Home-Office haben gezeigt, dass es in der vernetzten Welt keine klaren Grenzen mehr gibt.

Vermittler sollten sich nicht nur als Berater und Verkäufer verstehen, sondern auch als Aufklärer

Versicherungsmakler, gerade für Speziallösungen oft erster Ansprechpartner bei Versicherungsfragen, sind durch die Digitalisierung stärker gefragt denn je. Viele Versicherte sind sich unsicher: Deckt die bestehende Versicherung alle digitalen Risiken ab oder steht man im Ernstfall allein da? Makler können mit dem richtigen Wissen und Informationen rund um aktuelle Entwicklungen punkten und ihre Position als vertrauenswürdiger Partner stärken.

Vermittler sollten sich daher nicht nur als Berater und Verkäufer verstehen, sondern auch als Aufklärer. Cyberangriffe sind bis heute für viele eine abstrakte Gefahr. Um diese greifbarer zu machen, hilft es, das konkrete Vorgehen und versicherte Kostenpositionen im Schadenfall aufzuzeigen.

Dabei können die Makler punkten, indem sie die Risiken und die jeweils passende Versicherungslösung klar und verständlich erklären. Besonderes Augenmerk verdienen enthaltene Präventionsmaßnahmen und Assistance-Leistungen.

Der wichtigste Punkt in Zeiten des schnellen digitalen Risikowandels ist für Makler die stetige Weiterbildung. Um der Rolle als Vermittler und Aufklärer gerecht zu werden, stehen sie vor der Herausforderung, stets über Entwicklungen am Markt, aktuelle Angebote sowie neue Risiken informiert zu sein. Nur wenn die Anwendungsfälle beim Versicherungsnehmer, die potenziellen Gefahren und Lösungen bekannt sind, kann gemeinsam mit dem Kunden die individuell passende Absicherung gefunden werden.

In einer vernetzten Welt spielen Versicherer eine zentrale Rolle – vor allem dort, wo sich durch den digitalen Wandel ganz neue Chancen und Risiken für die deutsche Wirtschaft auftun, wie etwa im Maschinenbau oder der IT-Dienstleistung. Nur so kann sich jeder vom Freelancer bis zum Großunternehmen auf das Kerngeschäft fokussieren, ohne sich stetig Gedanken um digitale Gefahren zu machen.

Standardprodukte zu flexiblen Lösungen weiterentwickeln

Grundsätzlich müssen Versicherer ihre Produkte den Herausforderungen der vernetzten Welt anpassen und Standardprodukte zu flexiblen Lösungen weiterentwickeln. Sie nutzen das Feedback von Maklern, Kunden und Erfahrungen aus Schadenfällen dafür, ihre Bedingungswerke ständig zu optimieren.

Entwicklungs- und Überarbeitungszyklen sind entsprechend kurz. Damit Versicherungsnehmer das Potenzial der digitalen Welt voll ausschöpfen können, braucht es vor allem leicht verständliche Bedingungen mit wenigen Ausschlüssen. Maßgeschneiderte Lösungen decken Risiken dabei passgenau ab. Manche Produkte bieten eine Erweiterung des bestehenden Versicherungsschutzes, um IT- oder Cyber-Sicherheitslücken zu schließen. Für andere Unternehmen bietet der Abschluss einer Spezialversicherung für digitale Risiken mehr Vorteile.

Dabei gehen gute Lösungen über reguläre Angebote eines klassischen Versicherers hinaus und Cyber-Know-how wird an Makler und Kunden weitergegeben. Umfangreiche Assistance-Leistungen und ein jederzeit verfügbares Expertennetzwerk sind zwei der wichtigsten Bestandteile einer Cyber-Versicherung.

Durch umfangreiche Service-Pakete und Weiterbildungsangebote können so auch Freelancer und Mittelständler ohne eigene Rechts- oder IT-Abteilung in Sachen IT-Sicherheit, Datenschutz und Risikomanagement inhaltlich auf dem neuesten Stand bleiben.

KI im Direktvertrieb

Die digitale Welt bietet auch Versicherern Möglichkeiten zur ständigen Optimierung ihrer Produkte. So sind sie nicht nur Anbieter, sondern auch Nutzer neuer Technologien. Das beste Beispiel dafür ist das Potenzial von Künstlicher Intelligenz.

Diese nutzen Versicherer heute schon für eine der Kernaufgaben der Branche, die Datenanalyse, um schnellere und exaktere Ergebnisse zu erhalten. Auch im Direktvertrieb kann KI in der automatischen Policierung eine wichtige Rolle spielen und die Arbeit deutlich erleichtern.

Die Digitalisierung bietet für alle Beteiligten der Versicherungsbranche neue Möglichkeiten und Herausforderungen. Die daraus entstehenden potenziellen Risiken müssen abgesichert werden, um Chancen nutzen zu können. Sowohl für Versicherungsnehmer und Versicherer als auch die dazwischengeschalteten Makler sind daher hochaktuelle und transparente Lösungen genauso wichtig wie ein ungehinderter Informationsfluss in beide Richtungen. (Autor Tobias Tessartz ist Technical Underwriter Cyber bei Hiscox Deutschland)

Foto: Hiscox & Shutterstock

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