24. April 2020, 11:20
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Die meisten Versicherer werden die Verwerfungen aushalten”

Welchen Impact die Coronakrise auf die Versicherungsgesellschaften und den Verkauf bzw. Ankauf bestehender Lebensversicherungen hat. Gastbeitrag von Dean Goff, Partner in Life

Bewertungsreserven Dean-Goff in Die meisten Versicherer werden die Verwerfungen aushalten

Dean Goff

Das Produkt Lebensversicherung war bereits von den Krisen des letzten Jahrzehnts hart getroffen. In der Folge sind viele variable Vermögensanteile, die bereits in den prognostizierten Ablaufleistungen ausgewiesen wurden, abgeschmolzen, Kapital für Zinszusatzreserven musste gebildet werden, Versicherungsgesellschaften haben das Neugeschäft – zumindest mit den konventionellen Garantieprodukten weitgehend, oder vollständig – eingestellt oder gar ihre LV-Bestände an Investoren verkauft (“Run off”). Trotz aller Widrigkeiten haben sich in den letzten Jahren viele Verträge ordentlich entwickelt und für die Verbraucher neben dem Risikoschutz auch einen monetären Mehrwert geboten.

Auch die aktuellen wirtschaftlichen Verwerfungen durch die Coronakrise werden nicht spurlos an den deutschen kapitalbildenden Lebens- und Rentenversicherungen vorbeigehen. Ausschlaggebend hierfür werden weniger die Turbulenzen an den Aktienmärkten als die Entwicklung an den Renten- und Immobilienmärkten sein. Worauf sollten Verbraucher jetzt achten?

Wir gehen davon aus, dass Lebensversicherungsverträge, die noch nennenswerte variable Vermögensanteile (BWR, Sockel- und SÜA) am Gesamtguthaben aufweisen, gefährdet sind, diese im nächsten Jahr ganz oder zu einem großen Teil zu verlieren. Versicherte, deren Verträge sich kurz vor Laufzeitende befinden, tun gut daran, diese Policen zu überprüfen. Es kann sinnvoll sein, sie jetzt noch aufzulösen und die variablen Anteile mitzunehmen. Denn diese Verträge haben keine Zeit mehr, die Reduzierung der variablen Anteile über die Zeit aufzuholen. Wichtig: Solche Verträge sind auch auf dem Zweitmarkt nicht zu verkaufen, sondern die Kündigung – im Anschluss an eine Überprüfung durch Experten – das Mittel der Wahl.

Dauerhafter oder vorübergehender Geldbedarf?

Verbraucher, die in Folge der Coronakrise dringenden Kapitalbedarf decken müssen, haben zwei Möglichkeiten:
Versicherte, die das Geld aus der Altersvorsorge dauerhaft benötigen, sind mit der Prüfung der Verkaufsmöglichkeiten am Zweitmarkt besser beraten, als den Vertrag vorschnell beim Versicherer zu kündigen. Handelt es sich nur um vorübergehenden Geldbedarf, kann ein Policendarlehen Sinn machen. Andere Varianten sind hier aufgrund der drohenden Steuerschädlichkeit eher keine gute Option. Entscheidend ist also die Erkenntnis, ob es sich um einen dauerhaften oder voraussichtlich nur vorübergehenden Geldbedarf handelt.

Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Versicherungsgesellschaften aus? Die Versicherer sind heute – anders als zur Subprime-Finanzkrise 2007 – krisenerprobt. Wir erwarten, dass sich die wirtschaftliche Situation in den einzelnen Verträgen niederschlagen werden und das Niedrigzinsumfeld weitere Jahre für Herausforderungen sorgen wird.

Wir gehen aber im Großen und Ganzen davon aus, dass die meisten deutschen Versicherungsgesellschaften diese neuerlichen Verwerfungen aushalten werden. Kunden sollten sich nicht alleine aus der Sorge um die Finanzstärke der Versicherungsgesellschaft von der Police trennen. Eine Analyse des Vertrages, der Versicherungsgesellschaft und der Bedarfssituation des Kunden bleibt weiterhin die Grundlage für eine solch wichtige Entscheidung.

Autor Dean Goff ist Vorstand von Partner in Life S.A.

Foto: Partner in Life

Ihre Meinung



 

Versicherungen

GDV-Studie: Parkende Autos enormes Risiko für Radler und Fußgänger

Hunderte Fußgänger und Radfahrer verunglücken täglich in Deutschland – und fast jeder fünfte Fall hängt einer Studie zufolge mit parkenden Autos zusammen.

mehr ...

Immobilien

Studie: Wohnungen beliebteste Nutzungsart bei Immobilien-Investments

Der Real Asset und Investment Manager Wealthcap hat zum achten Mal in Folge im Rahmen seiner jährlichen “Immobilientrendstudie” Vermögensverwalter, Finanzvertriebsexperten, Sparkassen, Genossenschafts- und Privatbanken zu Anforderungen an Immobilien-Publikumsfonds befragt. Demnach hat sich gegenüber dem Vorjahr einiges verschoben.

mehr ...

Investmentfonds

Hält die Fed eine weitere Überraschung bereit?

Die US-Notenbank (Fed) hat während der aktuellen Covid-19-Krise beispiellose Maßnahmen ergriffen, aber viele Marktteilnehmer fragen sich derzeit, ob sie noch einen Schritt weiter gehen und sich auf ein Zinskurvenmanagement – neben kurzfristigen sollen auch die längerfristigen Zinsen gesteuert werden – einlassen könnte. Ein Kommentar von Lidia Treiber, Director, Research, WisdomTree

mehr ...

Berater

Frauen in Führung kommunaler Firmen unterrepräsentiert

Frauen kommen in den Topetagen kommunaler Unternehmen einer Studie zufolge vor allem in den Bereichen voran, die in der Corona-Pandemie von Bedeutung sind.

mehr ...

Sachwertanlagen

Engel & Völkers Capital erweitert Vorstand

Tomasz Kalemba (37) wurde zum 1. Mai 2020 in den Vorstand der Engel & Völkers Capital AG berufen. Neben Robin Frenzel und Jörg Scheidler ist er damit das dritte Mitglied des Vorstands.

mehr ...

Recht

Erbrecht: Wann ist eine Testamentsunterschrift gültig?

Für die Unterzeichnung eines notariell errichteten Testaments genügt es, wenn der Erblasser versucht, seinen Familiennamen zu schreiben und die Unterschrift krankheitsbedingt nur aus einem Buchstaben und einer anschließenden geschlängelten Linie besteht, entschied das OLG Köln in seinem Beschluss vom 18. Mai 2020.

mehr ...