21. April 2020, 08:57
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Ein Drittel der Deutschen fürchtet Einfluss von Corona-Krise auf Altersvorsorge

Die Coronapandemie schickt die Börsen auf Achterbahnfahrt, Millionen Arbeitnehmer in Kurzarbeit und die Wirtschaft in eine schwere Rezession. Vor dem Hintergrund wollte der Online-Versicherungsmanager Clark wissen, wie und in welcher Form sich die schwierige Situation auf die Altersvorsorge der Deutschen auswirkt.

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Dr. Marco Adelt, Mitgründer und Geschäftsführer von Clark

Der Online-Versicherungsmanager Clark hat zusammen mit dem Meinungsforschungsinstitut YouGov in einer aktuellen Befragung untersucht, wie sich die aktuelle Lage auf die Altersvorsorge der Deutschen auswirkt. Knapp ein Drittel der Deutschen (31 Prozent) halten es für wahrscheinlich, dass ihre Altersvorsorge durch die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen beeinflusst werden könnte. Weitere 22 Prozent sind unentschieden, ob sich die momentane Situation auf ihre Planung für das Alter auswirkt. 

Allerdings: Ebenso ein Drittel der Befragten (34 Prozent) halten es für unwahrscheinlich, dass die Corona-Krise Auswirkungen auf ihre Altersvorsorge hat. Positiv gestimmt sind vor allem Männer: 38 Prozent erwarten keine Auswirkungen, gegenüber lediglich 30 Prozent bei den Frauen. Und auch bei den Altersgruppen gibt es deutliche Unterschiede. So scheinen sich vor allem die Befragten am wenigsten Sorgen um ihr Auskommen im Alter zu machen, die noch genügend Zeit für ihre Vorsorge haben (18- bis 24-Jährige) oder bereits kurz vor der Rente stehen (55 Jahre und älter). 

“Turbulenzen an den Börsen, eine drohende Wirtschaftskrise mit sinkenden Löhnen und weiterhin niedrige Zinsen für Sparer gestalten die Altersvorsorge aktuell schwierig”, erklärt Dr. Marco Adelt, Mitgründer und Geschäftsführer von Clark. Doch mit welchen Auswirkungen können die Deutschen rechnen und wie sollte die Planung der Altersvorsorge nun aussehen? können und wie sie ihre Vorsorge nun planen sollten, erklären die Experten von Clark.

1. Altersvorsorge in Zeiten von Corona: Gesetzliche Rente als Basis
Viele Verbraucher sind verunsichert, welche Maßnahmen in Zeiten der Corona-Pandemie sinnvoll sind und was mit bereits gezahlten Beiträgen passiert. Auswirkungen bei der aktuellen oder zukünftigen Rentenplanung sind dabei differenziert nach Vorsorgeart zu betrachten: Das deutsche Rentensystem basiert auf einem “3-Schichten-Modell”.

Dieses besteht aus der Basisversorgung (der gesetzlichen Rentenversicherung), einer Zusatzversorgung mit staatlich geförderten Leistungen (bAV, Riester, Rürup, etc.) und der privaten Altersvorsorge (Rentenversicherungen, fondsgebundene Produkte). 

Bei der gesetzlichen Rente gilt seit 2009 die sogenannte Rentengarantieklausel. Diese besagt, dass die Rente nicht gekürzt werden darf, auch wenn das allgemeine Lohnniveau sinkt. Damit sind zwar Ruheständler erst einmal auf der sicheren Seite, die aktuell eine gesetzliche Rente beziehen, wie sich das Rentenniveau in der Zukunft entwickelt, ist allerdings unklar.

Nullrunden in den nächsten Jahren können als Mittel ergriffen werden, um die leeren Rentenkassen infolge einer Wirtschaftskrise zu entlasten. Und grundsätzlich gilt: In aller Regel wird die Basisversorgung der gesetzlichen Rentenversorgung zur finanziellen Absicherung im Alter in Zukunft nicht ausreichen – eine zusätzliche Altersvorsorge auf Basis der zweiten und dritten Schicht ist daher immer empfohlen.

2. Riester und betriebliche Altersvorsorge – sichere Vorsorge in unsicheren Zeiten
Viele Arbeitgeber versprechen ihren Mitarbeitern als Bestandteil ihrer Vergütung eine arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersversorgung (bAV). Doch was passiert, wenn der Arbeitgeber in der aktuellen Krise die Arbeitszeit kürzt und der Lohn sinkt?

Da der Beitrag des Arbeitgebers zur betrieblichen Altersversorgung meist an den Bruttojahreslohn gekoppelt ist, ist es auch möglich, dass er weniger Beiträge zur Altersversorgung zahlt. Sollte der Arbeitgeber gar kündigen müssen oder selbst insolvent werden, bleiben die Rentenansprüche erhalten, sofern der Versicherte mindestens 23 Jahre alt ist und dem Betrieb seit mindestens fünf Jahren angehört. Sie sind dann „unverfallbar“. Damit bleibt die bAV weiterhin ein sicherer Hafen für die Altersbezüge.

Auch für die Riester-Rente gilt eine Beitrags- oder Zinsgarantie, so dass Verbraucher trotz Corona-Krise zumindest das rausbekommen sollten, was sie eingezahlt haben. Wer also gerade auf der Suche nach einer sicheren Altersvorsorge ist, sollte sich mit der Riester-Rente zumindest mal auseinandersetzen. Sie eignet sich vor allem für Geringverdiener und Familien. Besserverdiener haben in der Regel jedoch wenig von den steuerlichen Vorteilen oder den staatlichen Zulagen.

3. Börsen-Crash aussitzen und mögliche Chancen nutzen
Für viele Verbraucher, die ihre Rente auch mit Aktien und fondsgebundenen Vorsorgeprodukten geplant haben, war der Schock zunächst groß: Der Börsen-Crash führte zu massiven Einbrüchen in vielen Depots und Sparplänen.

Doch nach den Wertverlusten in den letzten Wochen erholen sich die Börsen langsam wieder. Geduld ist weiterhin angebracht: Wer seine Rente in Gefahr sieht, sollte jetzt nicht voreilig Produkte und Sparpläne kündigen, sondern auf die Erholung der Märkte warten. Zwar sind diese aktuell noch volatil, die Gelegenheit zu investieren aber gerade jetzt unter Umständen günstig.

Dabei sollten immer die Grundregeln der Geldanlage beachtet werden: Ein langer Anlagezeitraum sowie eine breite Streuung, um eventuelle Schwankungen und Schwächephasen auszugleichen. Auch in Krisenzeiten oder bei nur geringem Einkommen eignen sich beispielsweise ETF- oder Fonds-Sparpläne. Hierbei wird regelmäßig, etwa monatlich, ein festgelegter Beitrag eingezahlt. Oft sind Sparpläne auch schon ab 25 oder 50 Euro erhältlich.

4. Faustregel: Zehn Prozent des Nettoeinkommens für die private Altersvorsorge
“Die Corona-Pandemie zeigt, wie wichtig es ist, sich mit dem Thema Vorsorge und Versicherungen auch außerhalb von Krisenzeiten auseinander zu setzen”, erklärt Adelt. “Wer trotz finanzieller Verluste gut für die Zukunft gewappnet sein will, sollte frühzeitig in eine gute Kombination aus Vorsorgeprodukten investieren.”

Grundsätzlich gilt: Die Beiträge und das zukünftige Renteneinkommen hängen davon ab, über wie viele Jahre hinweg Beiträge aufgebaut werden. Etwa zehn Prozent des Nettoeinkommens sollten dazu monatlich in die Vorsorge gesteckt werden, empfiehlt Clark. In welcher Form dies geschehe, sieht bei jedem Arbeitnehmer anders aus. 

Wichtig sei daher zunächst, den eigenen Bedarf zu kennen – dabei kann beispielsweise ein Rentenrechner helfen: So bietet Clark etwa eine Versicherungs-App, mit der sich die zu erwartende Netto-Rente berechnen lässt. Dort werden Parameter wie etwa Inflationsraten, die demografische Entwicklung sowie gesetzliche und private Altersvorsorgeprodukte mit einbezogen.

Verbraucher erhielten so einen einen realistischen Blick auf ihre voraussichtliche Rente, abzüglich der Steuern, und ihre aktuelle Rentenlücke. Auf dieser Basis könnten dann geeignete Maßnahmen zur Altersvorsorge getroffen werden, so das Fazit von Clark.  (dr)

Foto: Clark

1 Kommentar

  1. 530 Versicherungsgesellschaften gibt es in Deutschland und allen ist eines gemeinsam: Sie haben die höchste Rate an hochbezahlten Bullshit-Jobs in der Finanzindustrie (Sechsstellige Jahresgehälter, Dienstwagen auf Kosten des Steuerzahlers und im Management genügend Zeit, den ganzen Tag mit den Kindern Freizeitaktivitäten während der Arbeitszeit (neudeutsch “Home-Office) nachzugehen). Man lese dazu nur mal David Graebers neues Buch. Entsprechend ist dieser Artikel aufgebaut, um dem großen Pool an mathematisch völlig unbegabten Deutschen ihre Schwachsinnsprodukte aufzuschwätzen.

    Kommentar von John Bonham — 12. Mai 2020 @ 23:17

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