18. August 2020, 10:45
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Ernteeinbußen wegen Dürre – Versicherer fordern mehr staatliche Hilfe für Landwirte

Durch Frost, Starkregen und langanhaltende Trockenheit drohen deutschen Landwirten das dritte Jahr in Folge erhebliche Ernteeinbußen. Als Hilfe für die Bauern fordert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und der Bauernverband eine Bezuschussung der Landwirtschaftlichen Mehrgefahrenversicherung. In EU-Ländern wie Frankreich, Spanien, Niederlande oder Polen liegt die staatliche Unterstützung für die Prämien bei bis zu 70 Prozent. 

Du Rre in Ernteeinbußen wegen Dürre - Versicherer fordern mehr staatliche Hilfe für Landwirte

Thüringen, Naitschau: Eine Staubwolke zieht ein Traktor beim Striegeln auf einem abgeernteten Getreidefeld hinter sich her.

Angesichts zunehmender Dürreperioden fordern die deutschen Versicherer eine Bezuschussung der Landwirtschaftlichen Mehrgefahrenversicherung – als Hilfe für die Bauern. „Bei einer entsprechenden staatlichen Unterstützung wären die Versicherer in der Lage, auch eine erhöhte Nachfrage an Mehrgefahrenversicherungen zu bedienen“, sagt Jörg Asmussen, Mitglied der Geschäftsführung im GDV. Diese Policen schließen alle Wetterrisiken ein, also auch Trockenheit.

Bislang sind erst etwa 0,02 Prozent der landwirtschaftlichen Anbaufläche in Deutschland gegen Dürre versichert. Trockenheit zählt zu den sogenannten Kumulrisiken: Sie kann mehrere Regionen gleichzeitig treffen und somit zu hohen Schäden führen, was sich auf den Preis der Policen auswirkt. „Um Dürreschäden abdecken zu können, sind die Prämien und Selbstbehalte für den Versicherungsschutz entsprechend hoch und für Landwirte preislich kaum erschwinglich“, sagt Asmussen.

Andere EU-Staaten übernehmen bis zu 70 Prozent der Prämie

Der GDV hält daher eine Förderung wie in anderen EU-Staaten für nötig, um Dürreabsicherungen stärker zu etablieren. Frankreich, Italien, Spanien, Polen oder die Niederlande bezuschussen die Prämien mit bis zu 70 Prozent. Laut GDV-Musterrechnungen müsste hierzulande ein Betrieb mit 50 Hektar Fläche etwa 2.000 Euro pro Jahr weniger für eine Mehrgefahrenversicherung bezahlen, wenn der Staat die Hälfte des Beitrags übernehmen würde.

Der Anreiz zum Abschluss einer Police wäre verglichen mit der jüngsten Steuersenkung erheblich größer. Die Bundesregierung hatte im Februar die Versicherungssteuer für die Gefahr „Trockenheit“ von 19 Prozent des Versicherungsbeitrags auf 0,03 Prozent der Versicherungssumme gesenkt. Für den Musterbetrieb mit 50 Hektar ist die Police damit um 300 Euro günstiger geworden. Nach Ansicht des GDV reicht das nicht aus, um die Mehrgefahrenversicherung für Landwirte attraktiv zu machen.

Mit diesem Schutz wären die Landwirte bei wetterbedingten Ertragseinbußen auch nicht mehr auf Ad-hoc-Hilfen der Politik angewiesen. Für die Planungssicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe im Europäischen Binnenmarkt wäre eine staatliche Förderung daher ein enormer Fortschritt.

Bauern droht drittes schlechtes Erntejahr in Folge

Durch Frost, Starkregen und Trockenheit drohen den deutschen Landwirten das dritte Jahr in Folge erhebliche Ernteeinbußen. „Bei Weizen dürften die Erträge leicht unter dem Vorjahr liegen, bei Wintergerste etwa 10 Prozent unter dem Mittel der letzten Jahre, die ja auch schon nicht gut waren“, sagt Rainer Langner, Leiter des Expertennetzwerks Landwirtschaft im GDV.

Auch der Bauernverband pocht auf Einführung einer sogenannten Mehrgefahrenversicherung, damit sich Landwirte gegen die Folgen des Klimawandels absichern können. Dafür brauche es eine Anschubfinanzierung von Bund und Ländern, und zwar jährlich 400 Millionen bis 500 Millionen Euro mindestens für die ersten drei Jahre, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied  bei der Vorstellung der Erntebilanz 2020.

Die Versicherung solle freiwillig sein und es den Landwirten ermöglichen, das Risiko etwa extremer Wetterlagen selbst zu reduzieren. Den Aufbau einer solchen Versicherung könne die Landwirtschaft alleine nicht stemmen.  “Was wir als Landwirte feststellen müssen: Der Klimawandel manifestiert sich”, sagte er. “Wir dreschen deutlich früher, wir haben nicht mehr die Stabilität der Ernteerträge, die wir vor 10, 15 Jahren noch hatten.” Auch die regionalen Unterschiede würden stärker. Mit der neuen Versicherung wolle man das Thema strategisch angehen. (dr) & (dpa-AFX)

Bild: dpa, Jens Büttner

 

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