20. Juli 2020, 10:30
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„Für das eigene Unternehmen wird die Gefahr ausgeblendet“

Getreu dem Motto “Et hätt noch immer jot jejange” blendet das Gros des Klein- und Mittelstandes die realistische Gefahr von Cyberattacken aus. Weil man glaubt, die eigene Firma sei zu klein und uninteressant. Statistiken des Digitalverbandes Bitkom und des GDV sprechen da eine andere Sprache. Cash. sprach mit Sven Waldschmidt, Gewerbevorstand bei der Alte Leipziger Versicherung über die große Sorglosigkeit bei Thema Cybersicherheit.

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Sven Waldschmidt ist Vorstand für das Geschäftsfeld Gewerbe bei der Alte Leipziger Versicherung

Laut Bitkom-Studienbericht 2020 waren mindestens 75 Prozent aller Unternehmen von Datendiebstahl, Industriespionage oder Sabotage betroffen. 2017 lag die Zahl der digitalen Angriffe noch bei 53 Prozent. Gleichwohl besitzen, ergab eine Studie der Gothaer, aktuell nur 13 Prozent der KMU eine Cyberpolice. Woran liegt es, dass die Unternehmen, Firmen, Kanzleien nicht sensibilisiert sind?

Waldschmidt: Die genannten Zahlen decken sich mit unserer Einschätzung. Dies wird auch durch Studien des GDV und des Forsa-Instituts bestätigt. Demnach schätzt die deutliche Mehrheit mittelständischer Unternehmen das Cyberrisiko für deutsche KMU als hoch und damit durchaus realistisch ein. Für das eigene Unternehmen wird die Gefahr jedoch ausgeblendet, da angenommen wird, die eigenen Daten seien für Kriminelle nicht interessant und das Unternehmen sei zu klein.

Hinzu kommt, dass der eigene Schutz gegen Cyberkriminalität meist als ausreichend angesehen und die IT-Sicherheit somit überschätzt wird. Tatsache ist aber, dass Cyberangriffe alle großen wie auch kleinen Unternehmen treffen können, was insbesondere für nicht zielgerichtete Angriffe gilt.

Hierbei kommt es Cyberkriminellen primär nicht auf das Geschäftsmodell oder die Attraktivität der vorhandenen Daten an, sondern darauf, dass ein Unternehmen überhaupt ein Einfallstor anbietet. Dieses wird dann für den Angriff genutzt. Auch stellen Firewall, Passwörter und Virenscanner zwar eine Basis, jedoch noch keinen hinreichenden Schutz vor Cyberangriffen dar.

Die niedrige Versicherungsquote im Bereich Cyber mag auch darin begründet sein, dass es am Markt bislang an bedarfsgerechten Versicherungslösungen mangelt, etwa wegen zu hoher und pauschaler Versicherungssummen und in der Folge zu hoher Prämien.

Unsere modulare Cyberversicherung kann hier Abhilfe schaffen, denn sie richtet sich speziell an kleine und mittelständische Unternehmen und ermöglicht, neben günstigen Einstiegsprämien, auch niedrige Deckungssummen bereits ab 10.000 Euro, die individuell je gewähltem Modul festgelegt werden können.

Wo sehen Sie die größten Schwachpunkte der Unternehmen beim Thema Cybersicherheit?

Waldschmidt: Schaut man sich die Einfallstore für erfolgreiche Cyberangriffe an, dann wird klar: Die größte Schwachstelle ist der Mensch. Über zwei Drittel aller erfolgreichen Angriffe gelangen per E-Mail in die Unternehmen.

Cyberkriminelle bringen mit immer professionelleren Methoden die Mitarbeiter von Unternehmen dazu, die elektronische Post samt Anhängen zu öffnen – und dieser eine falsche Klick auf einen verseuchten Mail-Anhang oder Link ebnet den Weg für die Schadsoftware, die dann die IT oder auch den ganzen Betrieb lahmlegen kann.

Daher sollten Mitarbeiter mit regelmäßigen Schulungen für die Gefahren sensibilisiert werden. Zudem sind verbindliche Vorsichtsmaßnahmen für den Umgang mit E-Mails sinnvoll, um Angriffe per Mail rechtzeitig erkennen zu können.

Eine weitere Schwachstelle ist die nicht selten unzureichende Datensicherung, die im Schadenfall die Wiederherstellung beschädigter oder verschlüsselter Daten erschwert. Eine Datensicherung sollte daher nach Möglichkeit täglich, mindestens aber wöchentlich erfolgen und deren Funktionsfähigkeit durch regelmäßige Tests sichergestellt werden.

Zudem ist auch die bisweilen ausbaufähige Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung zu nennen. Gegen das Unternehmen geltend gemachte Ansprüche wegen Verstoßes gegen Datenschutzrichtlinien können den Schaden schnell in die Höhe treiben. Daher sollten Unternehmen besonders schützenswerte Daten nur verschlüsselt versenden.

 

Seite 2: Was Firmen von einer Cyberversicherung erwarten

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