7. Mai 2020, 14:40
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Immer mehr Pensionskassen in Bedrängnis

Zu hohe Leistungszusagen zu Lasten des Kollektivs in der Vergangenheit, eine steigende Lebenserwartung und die anhaltende Niedrigzinsphase bringen die Pensionskassen in Deutschland immer stärker in finanzielle Bedrängnis. Jetzt warnen deutsche Pensionsaktuare eindringlich: Ohne finanzielle Unterstützung drohen Abwicklungen und Insolvenzen. 

Lucius Friedemann in Immer mehr Pensionskassen in Bedrängnis

Friedemann Lucius

Deutschlands Pensionsaktuare sehen die Pensionskassen vor großen Herausforderungen. „Viele Pensionskassen brauchen mehr Risikotrag­fähigkeit, um die anhaltende Niedrigzinssituation und die beständige Verlän­gerung der Lebenserwartung bewältigen zu können“, betont Dr. Friedemann Lucius, Vorstandsvorsitzender des Instituts der Versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung e.V. (IVS), Zweigverein der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV).

Der Grund dafür liege im Geschäftsmodell der Pensionskassen: Dies sei immer darauf ausgerichtet gewesen, aus den Beiträgen des Kollektivs möglichst effizient hohe Leistungen mit der erforderlichen Sicherheit für das Kollektiv zu finanzieren.

Gewinne seien eher zugunsten von Leistungserhöhungen verwendet worden als zum Aufbau freier Eigenmittel. Als Lösung skizziert Dr. Lucius zwei Optionen: „Entweder die Pensionskassen senken ihre Annahmen darüber, was sie künftig am Kapitalmarkt erwirtschaften können. Dann müssen sie zwangsläufig die Reserven für die vorhandenen Garantiezusagen in erheblichem Umfang anheben.

Oder sie gehen in den Kapitalanlagen höhere Risiken ein, um dauerhaft Erträge erwirtschaften zu können, wie sie in der ursprünglichen Tarifkalkulation einmal unterstellt worden waren.“ Um die damit verbundenen Schwankungsrisiken aufzufangen, benötigen die Pensionskassen freie, unbelastete Eigenmittel. „Wenn diese nicht vorhanden sind, müssen sie von außen bereitgestellt werden. Beide Varianten kosten Geld“, so Dr. Lucius.

Diese zusätzlichen Mittel müssten letztendlich von den Trägerunternehmen aufgebracht werden, da sie als Arbeitgeber für die Zusagen der Pensionskassen einstehen. „Aus aktuarieller Sicht kann ich den Trägerunternehmen nur dringend empfehlen, dem Beispiel vieler Firmen zu folgen, die sich bereits zu dieser Verantwortung bekannt und für ihre Pensionskassen zusätzliche Mittel bereitgestellt haben“, betont Lucius.

Die Trägerunternehmen seien nicht gut beraten, es auf eine Sanierung durch Leistungskürzungen ankommen zu lassen. „Dieser letzte Ausweg geht in der Regel mit einem vollständigen Verbrauch der Eigenmittel und damit einem weitgehenden Verlust der Risikotragfähigkeit der Kasse einher. Im schlimmsten Fall folgen ein Neugeschäftsverbot und die Abwicklung der Einrichtung. Das ist am Ende die teuerste Lösung für die Arbeitgeber“, erklärt Lucius.

„Und wo es beispielsweise aufgrund von Insolvenzen keinen einstandspflichtigen Arbeitgeber mehr gibt, muss künftig der Pensions-Sicherungs-Verein einspringen“, führt der IVS-Vorstandsvorsitzende aus. (dr)

Foto: DAV

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