8. September 2020, 13:29
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Industrieversicherung 2020: Raueres Klima und radikale Einschnitte

Das Klima in der Industrieversicherung wird zunehmend rauer. Insbesondere die Coronapandemie wird zu einem Unsicherheitsfaktor. Die versicherten Coronaschäden könnten weltweit rund 107 Milliarden US-Dollar ausmachen. Firmenkunden müssen mit höheren Preisen, reduzierten Kapazitäten und immer mehr Ausschlüssen rechnen. Das geht aus dem aktuellen Marktreport 2020 für den deutschen Versicherungsmarkt hervor, den Aon eröffentlicht hat.

Hartmuth-Kremer-Jensen-Aon in Industrieversicherung 2020: Raueres Klima und radikale Einschnitte

Hartmuth Kremer-Jensen, Geschäftsführer und Chief Broking Officer des Erstversicherungsmaklers bei Aon Deutschland

Der Druck auf die Versicherer wächst bereits seit Jahren. Vor allem in den Sparten Sach-, Haftpflicht- und Transportversicherung sind die Ergebnisse defizitär. Seit 2018 steigen deshalb die Preise – zuerst in der Feuerversicherung, dann folgte die D&O-Versicherung. Mittlerweile sind fast alle Sparten betroffen.

Zwar lässt sich die Schadenentwicklung der Assekuranz angesichts der mit dem Pandemieverlauf verbundenen Unsicherheiten schwer prognostizieren. Klar ist aber schon heute: Die Schadenaufwendungen werden deutlich steigen und damit den Kampf um höhere Prämien weiter verstärken. In verschiedenen Sparten, wie zum Beispiel der Sach-, Haftpflicht- und
Transportversicherung, müssen sich Unternehmen bereits mit Prämienerhöhungen, geringeren Kapazitäten und Deckungseinschränkungen auseinandersetzen.

Gleichzeitig stellen die Versicherer in vielen Bereichen deutlich weniger Kapazitäten zur Verfügung oder versuchen Cyber- und Pandemie-Ausschlüsse durchzusetzen. „Immer mehr Versicherer lösen Cyber-Risiken vollständig aus den konventionellen Sach- und Haftpflichtversicherungssparten heraus, um sogenannte Silent Cyber Risiken zu reduzieren“, sagt Hartmuth Kremer-Jensen, Geschäftsführer und Chief Broking Officer des Erstversicherungsmaklers bei Aon Deutschland.

Silent Cyber Risiken sind Risiken, deren Deckung nicht explizit ein-, aber auch nicht ausgeschlossen sind, weil sie zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses schlicht nicht verbreitet oder bekannt waren. „Diese Ausschlüsse führen zu gefährlichen Versicherungslücken“, so Kremer-Jensen weiter. „Löst beispielsweise eine Schadsoftware einen Brand aus, ist der Schaden weder in der Sachversicherung noch einer Spezialdeckung wie der Cyber-Versicherung abgesichert.“

Auch Konditionen für die Deckung von Betriebsschließungen infolge einer Pandemie werden sich verschlechtern. Branchen, die durch eine Pandemie besonders gefährdet sind, werden überhaupt keinen Versicherungsschutz mehr erhalten.

„Mit der Anzahl der Risiken, die aus Sicht der Assekuranz nicht mehr versichert werden können, denken immer mehr Unternehmen über alternative Möglichkeiten des Risikotransfers nach“, stellt Kremer-Jensen fest. „Einige unserer Kunden beschäftigen sich ernsthaft mit der Gründung von firmeneigenen Versicherern, sogenannten Captives, und prüfen die Voraussetzungen hierzu.” (dr)

Foto: Aon

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