11. September 2020, 10:47
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Insurtechs – eine Gefahr für etablierte Versicherungen?

Flexible Content-Service-Plattformen ermöglichen den traditionellen Versicherern, mit der Geschwindigkeit der Innovationskraft der Insurtechs mitzuhalten – ohne langwierige und fehleranfällige Migration in die Cloud. Versicherer, die hier schnell reagieren, können sich Wettbewerbsvorteile sichern. Ein Beitrag von Nicole Biel, Field Marketing Manager
Central Europe, ASG Technologies

NicoleBiel in Insurtechs - eine Gefahr für etablierte Versicherungen?

Nicole Biel

Getsafe, Simplesurance oder Lemonade: Ein bisschen frech, ein bisschen klangvoller und damit ein bisschen einprägsamer sind die Namen junger Unternehmen, die gerade dabei sind, die altehrwürdigen Versicherungsunternehmer auf die Probe zu stellen.

Denn genauso wie ihre Brüder im Geiste, die Fintechs, die die Finanzindustrie auf den Kopf stellen, revolutionieren diese sogenannten Insurtechs die Versicherungsbranche. Ihr Kapital: Neue Technologien und Geschäftsmodelle, die Prozesse unkomplizierter, kundenfreundlicher und günstiger machen.

Ihr Motor: die Digitalisierung. Geschäftsstellen vor Ort besitzen sie ebenso wenig wie Altlasten in Form von über Jahre gewachsenen Systemumgebungen. Die neue Generation der Versicherer ist agil und in der Lage, neue Produkte und Dienstleistungen schnell in den Markt zu bringen. Damit sprechen sie vor allem Kunden der jüngeren Generation an, die von ihrem Versicherer Echtzeit-Kommunikation und schnelle, digitale Abwicklungen per App erwarten.

Traditionelle im Hintertreffen

Die traditionellen Versicherungsanbieter geraten angesichts dieser Entwicklung ins Hintertreffen. Während Insurtechs die Versicherungsbranche umkrempeln und Kunden mit innovativen Technologien und Geschäftsmodellen für sich gewinnen, hinken etablierte Versicherungsunternehmen in Sachen Digitalisierung oft hinterher. Grund ist nicht der fehlende Wille, entsprechende Projekte anzugehen, sondern das entsprechende Legacy-System, das dringend modernisiert werden müsste. Das ist allerdings leichter gesagt als getan, denn eine vollständige Anpassung der IT kann langwierig und risikobehaftet sein. Außerdem fürchten viele Firmen Kosten, Aufwand und vor allem technische Probleme bei der Umstellung. Mit der richtigen Taktik muss das aber nicht sein.

IT-Ausgaben auf Rekordhöhe

Wie aus einer Auswertung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervorgeht, haben die IT-Ausgaben der Versicherer mit insgesamt 4,7 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert erreicht. Das zeigt, dass die Versicherer sich bereits auf dem Weg in die Digitalisierung befinden.

Probleme bereiten allerdings die erwähnten Legacy Systeme, die sie in der Umsetzung ihrer Digitalisierungsbestrebungen regelrecht ausbremsen. Dabei handelt es sich um IT-Systeme, die die Versicherer vor Jahrzehnten etabliert haben und seitdem, auch während verschiedener Unternehmenszusammenschlüsse, heterogen mitgewachsen sind. Nicht selten finden sich bei manchen Unternehmen noch IBM Systeme aus den 80er Jahren und Informationen, die häufig auf verschiedene Repositories, also Aufbewahrungsorte, verteilt sind.

Verschlanken und reduzieren

Wer also Daten eines langjährigen Bestandskunden in Sekundenschnelle abrufen möchte, steht vor einem riesigen Problem. Der einzig gangbare Weg ist daher, die IT-Infrastruktur zu verschlanken und ihre Komplexität zu reduzieren. Genau dieser Vorgang steht bei den meisten Unternehmen weit oben auf der Prioritätenliste.

Nur so werden sie schneller und agiler und können langfristig die Abwanderung ihrer Kunden zu jungen Mitbewerbern verhindern, die die Kundenbedürfnisse zunächst scheinbar besser erfüllen. Dabei setzen die Versicherer verstärkt auf Server- und Cloud-Lösungen, damit sich die IT-Kapazitäten flexibel an den Bedarf anpassen lassen, so die Auswertung der GDV. So sind laut der Erhebung die Betriebskosten für Server innerhalb von fünf Jahren um 20 Prozent gestiegen.

Infrastrukturausgaben um bis zu 30 Prozent senken

Auf den ersten Blick scheint die Migration der Daten von den Altsystemen in die Cloud die beste Lösung zu sein. Denn der Schritt verspricht neben erheblichen Kosteneinsparungen auch eine verbesserte Sicherheit und Stabilität. Bis zu 30 Prozent der Infrastrukturausgaben könnten Versicherer so einsparen. Bei einer solchen Migration überträgt das Unternehmen die Information auf eine neue Plattform.

Allerdings erstreckt sich der Vorgang oft über Jahre, nimmt viel Geld und Ressourcen in Anspruch und ist zudem fehleranfällig. Dezentral liegen in den verzweigten IT-Systemen große Mengen an strukturierten und unstrukturierten Daten. Zwischen einigen IT-Systemen sind Abhängigkeiten nicht mehr nachvollziehbar. Werden die Daten schlicht kopiert, kann es zu Prozessstörungen kommen. Dieses Risiko ist vielen IT-Verantwortlichen von Versicherungsunternehmen zu groß.

Auswege aus dem Dilemma

Einen Ausweg aus dem Dilemma können flexible Content Services Plattformen bieten, die sowohl mit den Altsystemen als auch mit den neuen Cloud-Plattformen kompatibel sind. Sie ermöglichen es den Unternehmen, die Vorteile des Cloud-Computing für sich zu nutzen, ohne zuerst die komplette IT-Infrastruktur umstellen zu müssen.

Lösungen dieser Art sind speziell darauf ausgelegt, eine Brücke zwischen Mainframe, Repositories und Cloud zu schlagen. Häufig besitzen sie eine REST API, also eine Programmierschnittstelle, die sich an den Paradigmen und Verhalten des World Wide Web orientiert und einen Ansatz für die Kommunikation zwischen Client und Server in Netzwerken beschreibt. Sie verschafft ihnen Zugriff auf verteilte Datenspeicher und Anwendungen und führt die verschiedenen Content-Inseln in einer zentralen Ansicht zusammenführt.

Die Cloudfähigkeit der Enterprise-Content-Management-Lösung (ECM) ist entscheidend, damit die Firmen auch Dienste von entsprechenden Anbietern wie Amazon Web Services in Anspruch nehmen können. Dort können mehr als eine Milliarde Daten einfach analysiert, archiviert und in Echtzeit verfügbar gemacht werden.

Sämtliche Informationen sind anschließend über jedes Endgerät abrufbar – unabhängig, ob es ein Laptop, Smartphone oder Tablet ist. Lösungen wie die Mobius Software komprimieren die Daten zusätzlich, um Speicherplatz zu sparen und Kosten des Cloud-Services zu reduzieren.

Zeit verschaffen und dann entscheiden

Sollen die Legacy-Systeme stillgelegt werden, sollten die Versicherer neben der klassischen Migration unbedingt zwei weitere Möglichkeiten in Betracht ziehen: Die Datenintegration (1) bzw. schleppende Migration (2). Im Rahmen einer Integration (1) wird das Altsystem mittels eines Adapters an die neue, moderne Archivlösung angebunden.

Das alte Archiv wird anschließend stillgelegt, was Lizenz- und Wartungskosten einspart. Sollen die Daten langfristig auf die neue Plattform übertragen werden, kommt zudem eine schleppende Migration (2) in Frage. Dabei verbleiben die Daten vorerst in den bestehenden Altarchiven, werden aber sukzessive in das neue Archiv transportiert.

Bis die schleppende Migration abgeschlossen ist, haben die Mitarbeiter zentralen Zugriff auf sämtliche Daten mittels der ECM-Lösung und dem Adapter. Das verschafft den Unternehmen Zeit, um zu entscheiden, welche Daten sie behalten wollen und welche gelöscht werden müssen.

Unternehmen in der heutigen Zeit müssen schneller, smarter und innovativer sein als je zuvor, um sich in der Informationswirtschaft zu behaupten, besonders wenn es darum geht, die existierenden Informationen zu nutzen, die dazu noch jeden Tag exponentiell wachsen. Nach Aussage des internationalen IT-Marktforschungsunternehmens IDC (International Data Corporation) wird in den kommenden Jahren weltweit eine Verfünffachung des Datenvolumens erwartet.

Das wird von Führungskräften erwartet

IT-Führungskräfte müssen die Infrastruktur modernisieren, umgestalten und fähiger werden, Informationen zu verwalten. Gleichzeitig gibt es natürlich weiterhin Zusammenschlüsse und Zukäufe, im Zuge derer Unternehmen unter anderem vor der Entscheidung stehen, bestehende Archive entweder weiterhin zu betreiben oder teuer und aufwändig zu migrieren.

Auf jeden Fall steht fest: je besser Unternehmen in der Lage sind, ihren Content zu klassifizieren, zu kennen und zu verwalten, desto effektiver können sie ihren Unternehmenszweck erfüllen, den regulatorischen Anforderungen gerecht werden und ihren Mitarbeitern helfen, ihre Arbeit effizienter und damit werthaltiger zu erledigen. Die Praxis zeigt allerdings, dass Informationen nur eingeschränkt verfügbar und über verschiedenste Anwendungen und Repositories verteilt liegen.

Wie gelingt es also, Content aus diversen Anwendungen zentral verfügbar zu machen und zu nutzen, um Prozesse zu optimieren und Wert aus den Informationen zu generieren? Mittlerweile gibt es Businessansätze, die sich als modernes Content Ökosystem verstehen.

Hiermit lässt sich Content aus verschiedenen Unternehmensbereichen ohne Migrationen zentral verfügbar machen, um damit Prozesse zu optimieren und Wert aus den Informationen zu generieren, gleichzeitig aber flexibel und agil auf sich verändernde Rahmenbedingungen zu reagieren.

Es führt kein Weg daran vorbei: IT-Führungskräfte müssen ihre Infrastruktur modernisieren, umgestalten und gleichzeitig die Fähigkeit ihres Unternehmens verbessern, Informationen zu verwalten und zu sichern. Investitionen erleichtern ihnen dies durch die Konsolidierung und Zusammenführung von Content-Speichern und Governance-Richtlinien, die Migration von Inhalten in die Cloud und die Verbesserung der Interoperabilität mit Geschäftssystemen und -anwendungen. (Autorin Nicole Biel ist Field Marketing Manager Central Europe, ASG Technologies)

Foto: Nicole Biel

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