16. September 2020, 16:39
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“Lebensversicherer ohne genügend Solvenz und Lebensversicherte als Spielball von Interessen”

Nach der aktuellen Versicherungsstudie von Dr. Carsten Zielke wird die Zinszusatzreserve (ZZR) der Lebensversicherer in den kommenden fünf Jahren von gut 81 Milliarden auf knapp 156 Milliarden Euro steigen. Der Bund der Versicherten (BdV) befürchtet, dass die Finanzierung den Lebensversicherern die Solvenz raubt und die Kunden zum Spielball von Interessen macht.

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Axel Kleinlein, Sprecher des BdV-Vorstands

„Die Zinszusatzreserve explodiert. Es ist unklar, wie sie finanziert werden soll. Die Konsequenz sind Lebensversicherer ohne genügend Solvenz und Lebensversicherte als Spielball von Interessen“, mahnt Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV.

Alleine in 2020 müssen 15,3 Milliarden für die ZZR aufgebracht werden, in 2021 dann 14,1 Milliarden. Bis 2024 hat sich der Reservepuffer schließlich um 75 Milliarden Euro erhöht. Das ist in einem unveränderten Niedrigzinsumfeld kaum zu schultern.

Unternehmen, denen dies nicht gelingt, werden dann zu einem Fall für den Sicherungsfonds. Zum Vergleich: Der Sicherungsfonds Protektor Lebensversicherungs-AG als Auffanggesellschaft hat derzeit 1,04 Milliarden Sicherungsvermögen, welches per Gesetz auf 2,08 Milliarden erhöht werden kann.

Inklusive „freiwilliger Selbstverpflichtung“ lässt sich dieses, wenn alle Unternehmen mitmachen, auf rund zehn Milliarden Euro erhöhen. Alleine aber die zusätzlichen Gelder der ZZR für dieses Jahr übersteigen alles, was im Sicherungsfonds jemals ankommen wird. Schon sehen BdV und Zielke Research Consulut ein Viertel der Lebensversicherungsunternehmen angezählt.

„Wir haben uns im letzten Jahr dafür starkgemacht, dass eine Entschärfung bei der ZZR eintritt. Doch die Lebensversicherer haben die dadurch gegebene Chance nicht genutzt, um glaubhafte Lösungen zu entwickeln“, kritisiert Kleinlein.

Schlimmer noch: „Die Cheflobbyisten der Lebensversicherer tun weiterhin so, als hätten sie alles im Griff. Tatsächlich haben sie aber keine Ahnung, wie sie die zusätzlichen Reserve-Zuführungen der nächsten Jahre bezahlen sollen.“ Kleinlein erwartet, dass im Zuge der Entwicklung Lebensversicherungsbestände an eine Run-Off-Plattform veräußert werden müssen oder bei Protektor abgewickelt würden.

Wechselrechte für den Fall eines Run off

Für den Fall, dass Bestände auf den Protektor übertragen oder auf eine Run-Off-Plattform überführt werden, fordert der BdV bessere Wechselrechte für die Versicherten, damit diese eine Chance haben, den nötigen Versicherungsschutz bei einem anderen Versicherer aufrecht zu erhalten. Gemeinsam mit den Bundesverband Finanzdienstleistung AfW hat der BdV Lösungen erarbeitet,  um die Rechte der Versicherten zu stärken.

Die Zinszusatzreserve, zu deren Bildung die Unternehmen angesichts der Niedrigzinsphasen seit 2011 verpflichtet sind, soll Kalkulationsfehler der 80er- und 90er-Jahre ausgleichen. „Alleine die Existenz der Zinszusatzreserve ist eine Bankrotterklärung der Versicherungsbranche“, kritisiert Versicherungsaktuar Kleinlein. Die Finanzierung der ZZR diene nur dazu, den Versicherten Überschüsse vorzuenthalten. (dr)

Foto: BdV/Achenbach

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