18. September 2020, 12:37
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Neue Klassik: Die Sehnsucht nach dem sicheren Hafen

Die durch die Coronapandemie verursachten Achterbahnfahrten an den Börsen mit Schwankungen von bis zu 40 Prozent dürften die Neigung der Bundesbürger, auf Garantien in der Altersvorsorge zu verzichten, nicht bestärken. Die Neue Klassik gilt als der sichere Hafen für risikoscheue Kunden. Doch lohnt er sich auch?  Ein Beitrag von Jörg Droste, Cash. 

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Dr. Jürgen Bierbaum, Alte Leipziger: “Die Kunden scheinen Krisen auch als Chance zu begreifen und zu nutzen.”

Es gibt Interviews, die hallen nach. Das Gespräch mit Dr. Guido Bader vom 27. März 2020, einen Tag, nachdem wir als Cash.-Redaktion aufgrund der Coronapandemie geschlossen ins Homeoffice gewechselt waren, war so eines. Am Ende dieses Tages sollte der Dax bei 9.633 Punkten Bauchlanden. Nachdem er nur einen Monat zuvor noch bei 12.654 Punkten lag.

Vor dem Hintergrund des beispiellosen Absturzes ging es bei unserem Interview um die Pandemie, die Verwerfungen an den Kapitalmärkten und die etwaigen Folgen, die Niedrigzinsphase und den dadurch verursachten Anlagenotstand der deutschen Lebensversicherer. Und es ging um die Produktwelt der Lebensversicherer. Auf meine Frage, warum die Deutschen derart stark auf Sicherheiten wie Garantien setzen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) unter anderem: „Viele Menschen können nur schlecht damit umgehen, das bei einem Crash Vermögen verloren geht.

Hier brauchen wir Absicherungsmechanismen und die gerade auch vor dem Renteneintritt. Fakt ist aber auch: Wenn das Zinsniveau niedrig ist, können die Basisgarantien nicht hoch sein.“ Mit Basisgarantien meint Bader die Garantieverzinsung in der Lebensversicherung. Und die befindet sich seit nunmehr 20 Jahren in einem Dauersinkflug. Von vier Prozent im Juli 2000 ging es auf 3,25, auf 2,75, auf 2,25, auf 1,75, auf 1,25 auf 0,9 Prozent. Zum 1. Januar 2021 erfolgt eine neuerliche Senkung auf dann 0,5 Prozent.

Die Entwicklung hat die Produktlandschaft in der Altersvorsorge nachhaltig verändert. So hat die Kölner Ratingagentur Assekurata im Rahmen der diesjährigen Marktstudie zu Überschussbeteiligungen und Garantien ermittelt, dass gerade einmal 24 der 47 befragten Lebensversicherer überhaupt noch eine klassische private Rentenversicherung mit lebenslangem Garantiezins von 0,9 Prozent im Neugeschäft anbieten. Beim Blick auf die Neue Klassik zeigt sich die Branche deutlich optimistischer.

Laut Assekurata bieten 28 Unternehmen – mit einem Marktanteil von 61 Prozent – neue klassische Tarife im Neugeschäft an. 2015 lag der Marktanteil noch bei einem Drittel: Die Neue oder Moderne Klassik scheint im Markt angekommen zu sein.

Die traditionelle Klassik rückt im Neugeschäft nach hinten. Das bestätigt auch Michael Franke, Geschäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg. „Die Versicherer haben den Vorteil erkannt und ersetzten die Produkte der Klassik teilweise bereits durch Produkte der Neuen Klassik. Wir beobachten, dass die Klassik-Tarife sukzessive aus dem Markt verschwinden oder kaum noch Aktualisierungen der Bedingungen erfahren.“

Es wird vor allem an laufenden Garantien gespart

Auf Seiten der Versicherer liegt laut Franke ein Argument für den Erfolg der Neuen Klassik in dem Ansatz, sich vom Garantiezins loszulösen. Denn ein weiteres Sinken des garantierten Zinses – der ja zum 1. Januar 2021 beschlossen ist – dürfte bei Neuverträgen in der Klassik zu noch niedrigeren Garantien führen. Hinzu kommt, dass einige Versicherer größere Probleme hatten, in der Vergangenheit gegebene Versprechen zu halten.

„Durch die Neue Klassik wird dem Versicherer ermöglicht, das Kapital auf andere Weise anzulegen und damit für Kunden gewinnbringender zu arbeiten“, sagt Franke. Allerdings wünsche sich ein Großteil der Kunden für ihre Altersvorsorge immer noch eine sichere Anlage.

„Schon die Nähe zur Klassik und die damit verbundene Einfachheit des Produktes sind aus Kundensicht anziehend“, so der Experte weiter. Das bestätigt auch JDC-Vorstandsvorsitzender Dr. Sebastian Grabmaier. Gerade, weil der deutsche Anleger weiterhin sehr sicherheitsbewusst sei. „Und da die Neue Klassik in der Praxis der Nachfolger der alten Klassik ist, wurden die Policen sehr schnell vom Vertrieb angenommen.“

Schon die Nähe zur Klassik und die damit verbundene Einfachheit des Produktes sind aus Kundensicht anziehend

„In der Neuen Klassik nutzt man die bewährten Vorteile der versicherungseigenen Kapitalanlage und lagert diese nicht, wie bei der fondsgebundenen Versicherung, an Kapitalanlagegesellschaften und Banken aus. Die Renditeerwartungen sind daher aufgrund des sicherheits- und klassisch orientierten Produktdesigns sicherlich in diesen Zeiten überschaubar“, sekundiert Nicole Rode, Fachbereichsleiterin Leben bei Ascore Analyse in Hamburg.

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Nicole Rode, Ascore Analyse

Um eine leicht höhere Überschussbeteiligung zu generieren, würden die Garantien zwar in moderatem Maß reduziert. „Dies bedeutet aber keinesfalls, dass die Garantien wegfallen. Eine Garantie in Form des 90 bis 100 prozentigen Beitragserhalts zum Rentenbeginn oder eine daraus resultierende Mindestrente ist in allen Fällen garantiert. Es wird vor allem an den laufenden Garantien gespart, da diese die größten Renditefresser sind. Daher sind gegebenenfalls der Rechnungszins reduziert, die Garantien bei den Rückkaufswerten verringert oder fallen sogar ganz weg“, so Rode weiter.

Nach Aussage von Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata, hat die Ratingagentur bei ihrer Marktstudie rund zehn Garantieelemente identifiziert, die ein Produkt haben kann, aber nicht haben muss.

„So gibt es unter anderem Unterschiede bei den angebotenen Garantien zum Rentenbeginn. Je nach Kapitalmanagement und Kosten der Versicherer gibt es hier verschiedene Möglichkeiten, die Garantie zu gestalten. Während einige Anbieter auf die volle Beitragssummengarantie setzen, bieten andere eine laufzeitabhängige Garantie an, bei der das Garantieniveau steigt, je länger die Vertragslaufzeit gewählt wird“, ergänzt Franke.

Je nach Kapitalmanagement und Kosten der Versicherer gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Garantie zu gestalten

Ein genauer Blick auf den Neue Klassik-Markt zeigt, dass sich die Produkte – abgesehen vom Namen – kaum vergleichen lassen. „Vielfach werden die Begriffe „Neue Klassik“, „Moderne Klassik“, „Kapitaleffiziente Klassik“ synonym verwendet. Allerdings gibt es keine Legaldefinition, wodurch für die Kunden ein Vergleich häufig schwierig ist“, erklärt Assekurata-Experte Heermann.

„Es steht jedem Anbieter frei, ein Produkt zu konstruieren und es als „Neue Klassik“ einzustufen – mit der Anmutung, es handele sich um eine klassische Lebensversicherung, die dann in eine neue oder moderne Welt übertragen wurde. Was dann im Produkt enthalten ist, kann durchaus unterschiedlich sein“, betont Heermann.

So gibt es Tarife, in die bestimmte Kapitalmarktvehikel integriert sind, so dass die Überschussbeteiligung nicht nur im konventionellen Deckungsstock des Versicherers angelegt wird, wie bei der traditionellen Klassik, sondern beispielsweise in einem Index oder einem definierte Wertpapier-Basket. Bei genauer Betrachtung handelt es sich dabei häufig um Hybridkonstruktionen, so Heermann.

Und weil letztlich keine genaue Definition existiert, sind auch die exakten Verkaufszahlen für die Neue Klassik im engeren Sinne nicht zu ermitteln. „Demzufolge gibt es nirgendwo für die Unternehmen eine Pflicht, einen genauen Anteil für die Neue Klassik zu publizieren. Weder in den Geschäftsberichten, noch in den Solvenzberichten. Auch bei Aufsicht oder Verband finden sich hierzu im Detail keine Angaben“, moniert Heermann.

„Neue Klassik- und Index-Policen investieren die Beiträge ins Sicherungsvermögen des Versicherers und garantieren die Beitragssumme beziehungsweise einen festgelegten Anteil der Beitragssumme zum Rentenbeginn. Die Abweichungen der Produkte finden sich bei der Verwendung der Überschüsse. Während bei der Neuen Klassik die Überschüsse im Sicherungsvermögen gutgeschrieben werden, erfolgt bei den Indexpolicen eine Investition am Finanzmarkt“, erklärt Ascore-Fachbereichsleiterin Rode.

Bei den Hybridpolicen fließt nur ein Teil des monatlichen Beitrags oder der Anlage in die Fondsanlagen. Je höher der Garantieanteil (meist in Prozent der Beitragssumme) ist, desto mehr muss in das klassische Sicherungskapital fließen. Die zu zahlende Rente setzt sich dann aus einer garantierten Rente und einer Überschussrente zusammen, die mit der Anlage in Fonds erwirtschaftet werden konnte.

Rode: „Die Neue Klassik punktet gegenüber der Indexpolice mit der Stetigkeit von jährlichen Überschüsse, auch wenn diese nicht nicht üppig ausfallen – aktuell liegen diese zwischen zwei und 2,60 Prozent. Die Indexpolice hat dafür bei ähnlich hoher Sicherheit einen höheren Spielraum für eine bessere Renditeerwartung, diese kann aber eben auch mal in einem Jahr eine Nullrunde bedeuten. Hybridpolicen bieten den Vorteil, dass sie bei der Wahl der Garantiehöhe flexibler sind und so der Garantiebaustein oder den Renditebaustein stärker gewichten kann.“

Die Hanse Merkur ist ein Anbieter der Neuen Klassik: R 2017 n heißt der Tarif des Hamburger Lebensversicherers. Besser bekannt als Vario Care. „Durch die Umstellung von laufender Garantie auf eine Garantie zum Rentenbeginn ist die Anlage im Sicherungsvermögen etwas freier“, sagt Dr. Gabriele Rolfes, Pressesprecherin bei dem Hamburger Lebensversicherer.

Damit können mehr Überschüsse generiert werden, die dann über die Überschussbeteiligung gutgeschrieben werden. „Bei der Klassik steht das Sicherheitsempfinden des Kunden ganz klar im Vordergrund. Und bisher zieht ein Großteil der Sparer die sichere Rentenvariante vor“, bestätigt Rolfes. Den Kunden sei durchaus bewusst, dass sie die Chancen am Kapitalmarkt ungenutzt ließen. Letztlich gelte hier aber das Motto: „Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach.“ Sonst hätte der Kunde eine Variante mit Fondsbeteiligung gewählt.“ Sollte der Kunde eine Änderung in seiner Anlagestrategie vornehmen wollen, sei ein Wechsel in eine fondsgebundene Versicherung jederzeit möglich.

Auch die Continentale Lebensversicherung aus München hat mit Rente Classic Pro und Rente Classic Balance seit drei Jahren zwei kapitaleffiziente Tarife mit endfälliger Garantie im Portfolio. Sie werden als Rentenversicherung für die dritte Schicht und als Basisrente angeboten.

„Unsere Altersvorsorge-Tarife verfügen über eine Mindestgarantie und über eine „Besser-Prüfung“. Altersvorsorgebeiträge investieren wir so, dass der Kunde zum geplanten Rentenbeginn die volle Garantie hat. Die Beiträge stehen dann als Mindestkapitalwert zur Verfügung, um daraus die lebenslange Mindestrente zu bilden. Zusätzlich werden dem Kunden monatlich Überschüsse gutgeschrieben. Deren Höhe hängt von der Marktsituation und der Geschäftsentwicklung ab. Alles, was dann beim geplanten Rentenbeginn zur Verfügung steht, ergibt das Verrentungskapital“, erklärt Dr. Helmut Hofmeier, Vorstand Leben im Continentale Versicherungsverbund.

Der ursprüngliche Begriff der Neuen Klassik für klassische Anlagen und endfällige Garantien gilt heute nicht mehr

Einen anderen Weg wählt die Ergo Vorsorge mit ihrem Tarif Rente Balance. „Hierbei handelt es sich um eine klassische Rentenversicherung, die vollständig im Sicherungsvermögen der Ergo Vorsorge anlegt“, erklärt Thorsten Dasbach, Abteilungsleiter Sparprodukte bei Ergo. Das besondere an dem Produkt sei, dass der Tarif äußerst flexibel ausgestaltet sei und die Option biete, die Police in eine Indexpolice oder zu einer fondsgebundenen Rentenversicherung umzubauen.

Insbesondere die Möglichkeit, klassisches Sicherungsvermögen in Fondsanlagen umzuschichten, bietet nach Ansicht von Schmidt außergewöhnliche Anlageperspektiven. „Der Kunde kann dazu aus unserem Fondsangebot von über 60 Investmentfonds einschließlich ETF‘s und gemanagten Portfolien wählen“, so Dasbach. Hinzu komme die Flexibilität, jederzeit mit demFondsguthaben wieder zu 100 Prozent zurück ins Sicherungsvermögen zu wechseln. Damit biete das Produkt dem Kunden die Chance, immer wieder die Anlage nach Sicherheits- und Renditegesichtspunkten individuell zu steuern, um damit auf die Entwicklungen am Kapitalmarkt zu reagieren.

Noch vielfältiger wird es bei der Alte Leipziger. Hinter dem Begriff „Moderne Rente“ verbergen sich bei der Lebensversicherung gleich mehrere Versicherungsmodelle. „Ursprünglich war der Begriff „Neue Klassik“ synonym für Produkte, die ausschließlich auf die klassische Anlage und endfällige Garantien setzen. Das gilt heute nicht mehr“, sagt Dr. Jürgen Bierbaum, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Alte Leipziger Lebensversicherung.

Insofern bietet der Versicherer eine Mixtur aus fondsgebundenen Versicherungen mit Garantien – Produkte mit dynamischen drei Topf-Hybrid-Konzept – sowie flexiblen Hybridpolicen und klassischen Tarifen. „Beide AL Rente Flex Produktkategorien sind jeweils mit wählbaren Garantieniveaus ausgestattet“, sagt Bierbaum. Darüber hinaus hat das Unternehmen zwei konventionelle klassische Tarife im Angebot – einmal mit Rentengarantie und einmal mit Guthabenschutz.

Laut Bierbaum seien die AL Rente Klassik Pur Tarife mit der klassischen Kapitalanlage überhaupt nicht von den Schwankungen an den Kapitalmärkten betroffen gewesen. „Hier können sich die Kunden bestätigt fühlen, die sehr risikoavers sind und sich nicht mit Fondsanlage beschäftigen wollen. Allerdings lassen diese Kunden auch die Chancen der Kapitalmärkte ungenutzt und verharren in den Geldwerten des Niedrigzinsumfeldes,“, so Bierbaum.

Verluste mussten dagegen die Kunden hinnehmen, die auf AL Rente Flex Tarife setzen. „Allerdings nur innerhalb der Fondsanlage. Mittel- und langfristig erholen sich die Börsen erfahrungsgemäß. So hat ein Kunde mit einer reinen Buy-and-Hold-Strategie die Corona-Krise auch gut ausgestanden“, zeigt sich Bierbaum überzeugt.

Spannend ist hingegen eine andere Entwicklung, die der Versicherer beobachtet: „In früheren Krisen machten Kunden zunächst einen großen Bogen um das Thema „Aktien- und Fondssparen“. Das Besondere an dieser Krise sei, dass davon bisher zumindest bei der Alte Leipziger nichts zu spüren sei.

Bierbaum: „Im Gegenteil: Der Verkauf unserer Fondspolicen läuft besser als im Vorjahreszeitraum. Kunden scheinen die gefallenen Kurse zu nutzen, um günstig nachzukaufen. Wir vermuten, dass die Sparer dabei sind, Krisen auch als Chancen zu begreifen und zu nutzen.“ Gleichwohl gilt immer noch Sicherheit zuerst. Bierbaum: „Bei der Mehrzahl der Kunden ist ein Mix aus Sicherheit und Rendite gewünscht. Insofern sind Sicherungsmechanismen weiterhin ein wichtiges Thema. Und diese sind auch bei unseren Produkten der Kategorie Neue oder Moderne Klassik integriert.“

Letztlich sind viele Kunden beim Thema Altersvorsorge auf Planbarkeit und Verlustvermeidung fokussiert. Die Kombination aus substanziellen Garantien und hoher Flexibilität ist das Kaufargument bei der Neuen Klassik. Spannend dürfte es werden, wenn der Höchstrechnungszins auf 0,5 Prozent abgesenkt wird.

Die neuerliche Absenkung des Höchstrechnungszinses macht die Sache spannend

Letztlich dürfte damit der kalkulatorische Druck auf die Garantien weiter zunehmen. Assekurata-Mann Heermann zeigt sich überzeugt, dass sich damit eine 100-Prozent-Bruttobeitragsgarantie kaum noch darstellen lässt. Insofern dürfte die Zinsabsenkung zu ganz anderen Fragestellungen in der Beratung führen.

„Man müsste dann mit dem Kunden besprechen, welches Garantieniveau sinnvoll ist, um einerseits eine planbare Altersvorsorge zu schaffen, andererseits aber eine gewisse Renditechance zu erhalten. Und dann bin ich bei der eigentlich gar nicht Klassik-typischen Fragestellung, wie viel Risiko der Kunde bereit ist, zu tragen und wie viel Rendite er benötigt, um die Lücke in der Altersvorsorge zu schließen.“

Das sei kundenindividuell. „Womöglich führt das sogar dazu, dass der ein oder andere Kunde seine Entscheidung, die Neue Klassik zu wählen, noch einmal überdenkt“. Und sich letztlich für eine Hybrid- oder Fondspolice entscheidet. Denn auch dort lassen sich Garantien wieder einschließen. „Wählt jemand beispielsweise eine 60-prozentige Garantie bleibt genug freies Kapital zur Verfügung, dass sich offensiv anlegen lässt“, so Heermann.

Besonders die Unternehmenskennzahlen und die aktuelle Überschussdeklaration des Versicherers sind bei der Auswahl wichtig

Doch worauf müssen Vermittler wie Kunden achten, wenn sie sich für die absolute Sicherheit entscheiden. „Besonders die Unternehmenskennzahlen und aktuelle Überschussdeklaration des Versicherers sind bei der Auswahl des Anbieters wichtig. Ebenso, dass der Versicherer ein professionelles Kapitalanlagemanagement vorweisen kann, damit auch zukünftig genügend Überschüsse generiert werden können“, betont Ascore Fachbereichsleiterin Rode.

Auch der Tarifbestand sollte bei der Auswahl eine Rolle spielen. „Bei hoher Anzahl älterer Tarifgenerationen mit Garantiezinsen von bis zu vier Prozent kann man ableiten, dass viel Kapital für die hohen Garantien gebunden wird. Es ist also letztlich weniger Kapital für die chancenreiche Anlagen frei“, ergänzt Franke.

Zudem spiele die Flexibilität des Produktes eine wichtige Rolle. Franke: „Hierauf sollte man achten und vergleichen: Zum Beispiel, welche Möglichkeiten im Falle von Zahlungsschwierigkeiten gegeben sind und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um diese in Anspruch zu nehmen.

Auch die Möglichkeiten und Voraussetzungen zum Vorziehen oder Hinausschieben des Rentenbeginns können für die Lebensplanung wichtig sein.“ Die Marktentwicklung macht es für den Berater nicht leicht. Andererseits werden die Kunden einen Lotsen brauchen, denn sie selber sind nicht in der Lage, den sicheren Hafen zu finden. Insofern ist das die Chance für gute Berater, langfristig ihre Qualität zu zeigen. (dr)

Foto: Cash./Ascore

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