6. Oktober 2020, 14:54
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Reduzierte Garantien und ohne Pensionskasse: Allianz Leben baut um

Die Alte Klassik hat bei der Allianz ausgedient. Mit einer Fokussierung auf reduzierte Garantien und mehr Flexibilität in der Kapitalanlage will die Allianz die Altersvorsorge in der Nullzinsphase langfristig zukunftsfähig aufstellen. Zudem stellt der Versicherer das Neugeschäft mit seiner Pensionskasse Anfang 2022 ein. Auf die Vermittler dürfte viel Überzeugungsarbeit warten.

 

Andreas Wimmer750 in Reduzierte Garantien und ohne Pensionskasse: Allianz Leben baut um

Andreas Wimmer, Allianz Leben

Die Allianz Leben stellt sich neu auf und bringt in den kommenden Monaten zahlreiche Neuerungen in ihren Angeboten auf den Weg. Ziel sei es,  eine in der anhaltenden Nullzins-Phase weiterhin attraktive und sichere Altersvorsorge zu bieten, so die Allianz. Um diese langfristig zukunftsfähig zu gestalten, zieht sich der Versicherer weitgehend aus dem Geschäft mit der Alten Klassik zurück. Lediglich in der Riester-Rente und der Beitragszusage mit Mindestleistung in der bAV wird weiterhin ein Garantieniveau von 100 Prozent angeboten.

In der privaten Altersvorsorge setzt der Marktführer dagegen auf eine Balance aus Renditechancen und Sicherheit und fokussiert im Produktangebot der Altersvorsorge ab 2021 auf Lösungen mit zeitgemäßen Garantien, die je nach Kundenwunsch am Ende der Ansparphase auf einem Niveau von mindestens 90, 80 oder 60 Prozent der gezahlten Beiträge liegen.

Man möchte damit den Kunden höhere Freiheitsgrade in der weltweiten, breit diversifizierten Kapitalanlage öffnen. Denn mit angepassten Garantien und flexiblerer Kapitalanlage würden sich die  Chancen für langfristig attraktive Renditen in Zeiten von Null- und Negativzins verbessern, so die Argumentation des Versicherers.

„Wir wollen, dass die Altersvorsorge bleibt wie sie ist –mit attraktiven Renditechancen, echten Mehrwerten für unsere Kunden über Zeiträume von 30 oder 40 Jahren, dabei zuverlässig und sicher“, betont Andreas Wimmer, Vorstandsvorsitzender von Allianz Leben. Dafür stehe Allianz Leben und passe gerade deshalb die Angebote für neue Verträge ab 2021 an.

Wimmer: „Wir haben bereits in der Vergangenheit unsere Angebote konsequent und frühzeitig so verändert, dass sie zu den Kundenbedürfnissen und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen passen.“ Durch die Kombination des Sicherungsvermögens mit chancenorientierten Anlagen wie Aktien, alternativen Anlagen, Unternehmens- oder Schwellenländeranleihen lasse sich auch in Zeiten von Null- und Negativzins attraktive und sichere Lösungen gestalten, so der Versicherer weiter.

Dies zeige sich etwa am aktuell verstärkt nachgefragten Vorsorgekonzept KomfortDynamik, bei dem die Vorsorgesparer den Anteil chancenorientierter Anlagen zum Vertragsbeginn stufenweise erhöhen können.  Ab 1. Januar 2021 setzt die Allianz in den chancenorientierten Vorsorgekonzepten (KomfortDynamik, InvestFlex,IndexSelect) konsequent für alle Vertragsarten auf die Balance zwischen Rendite und einem Garantieniveau von 90, 80 oder 60Prozent.

Für das Vorsorgekonzept Perspektive bietet die Allianz standardmäßig ein Garantieniveau von mindestens 90 Prozent. Für alle Vorsorgekonzepte gilt: Wo dies gesetzlich verankert ist, wird weiterhin ein Garantieniveau von 100 Prozent angeboten, wie bei Riester-Verträgen oder der Beitragszusage mit Mindestleistung in der betrieblichen Altersversorgung (bAV).

Pensionskasse stellt Neugeschäft ein

Die bAV bleibte eine wichtige Säule des Unternehmens, betont der Versicherer: Hier biete man nach wie vor Produkte für sämtliche Zusage-Arten und gestaltet die Angebote weiter so, dass arbeits-, steuer-und sozialversicherungsrechtliche Rahmenbedingungen optimal genutzt werden könnten. Im Breitengeschäft der bAV setzt Allianz Leben auf die Angebote in der Direktversicherung und im Pensionsfonds. Aufgrund der geringen Nachfrage von knapp 5.000 Verträgen im vergangenen Jahr wird die Allianz Pensionskasse ab 2022 keine neuen Verträge mehr annehmen.

Mittlerweile hat der Versicherer mehr als zehn Millionen Kunden. Trotz Coronapandemie ist die Zahl der Neukunden um weitere 35.000 gestiegen. Dazu würden nicht zuletzt ie Angebote zur Absicherung von Lebensrisiken beitragen. So hatte der Lebensversicherer im Juni eine Risikolebensversicherung für Diabetiker auf den Markt gebracht und zum Jahresbeginn den Berufsunfähigkeitsschutz für Schüler. Zu Jahresende soll ein Angebot für Beamte zur Absicherung von Dienstunfähigkeit folgen.

Weitere Impulse erwartet die Allianz Leben in der Digitalisierung: Der im Sommer vorgestellte „Rentenkompass“, in dem Kunden online ihre Netto-Renten berechnen und damit über ein einziges Tool ihre finanzielle Situation im Alter planen können, hat mittlerweile über 130.000 Nutzer und soll weiter ausgebaut werden. Gleiches gilt für digitale Lösungen rund um die bAV: So soll das Portal „FirmenOnline“ noch im Herbst um neue Funktionalitäten erweitert werden.

Riester-Reform und weniger Garantien in der bAV

Bei den Diskussionen um Veränderungen der Riesterrente und um Verbesserungen in der bAV fordert der Versicherer rasch konkrete Maßnahmen. Dazu gehöre bei Riester-Verträgen, wie im Fünf-Punkte-Plan der Anbieterverbände vorgeschlagen,unter anderem ein insgesamt vereinfachtes Zulageverfahren und eine Anpassung des Garantieniveaus, um die Renditechancen zu erhöhen.

Letzteres erscheine auch in der bAV bei der Beitragszusage mit Mindestleistung sinnvoll, so die Forderung. Zudem wäre eine bessere Durchgängigkeit der Förderung zwischen bAVund privater Vorsorgegerade angesichts wechselnder Erwerbsbiographien ein Baustein, um die Verbreitung der geförderten Altersvorsorge dort zu erhöhen, wo Menschen besonders davon profitieren. Man sei bereit, zusammen mit Politik und Verbänden an der zügigen Ausgestaltung solcher Reformschritte mitzuwirken. (dr)

Foto: Allianz

 

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