4. Mai 2020, 14:34
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Riester-Rentenfaktoren: “Eine Lebenserwartung zwischen 95 und 142 Jahren”

Der Bund der Versicherten e. V. (BdV) kritisiert seit Jahren, dass die Rentenfaktoren und Verrentung bei Riester- und Rürup-Renten sehr verbraucherunfreundlich sind. Eine Anfrage der FDP an die Bundesregierung zeigt, dass die Politik keine Übersicht über die Verrentungskonditionen bei staatlich geförderten Renten hat.

Achenbach-bdv-kleinlein-2018-highres-0124 in Riester-Rentenfaktoren: Eine Lebenserwartung zwischen 95 und 142 Jahren

Axel Kleinlein, Sprecher des BdV-Vorstands

„Auch wer erfolgreich und viel spart, bekommt trotzdem nur eine niedrige Riester-Rente, weil die Versicherungsunternehmen mit massiv überzogenen Lebenserwartungen kalkulieren“, erklärt Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV.

So würden die Unternehmen zum Beispiel für heute 37-Jährige mit einer Lebenserwartung von etwa 100 Jahren bis hin zu 150 Jahren kalkulieren. „Wir fordern die Bundesregierung auf, bei einer Neureglung der Riester-Rente auf die Zwangsverrentung zu verzichten“, so Kleinlein. Bisher würden werden bedingungsgemäß alle Riester-Sparer dazu gezwungen, eine Verrentung über eine Lebensversicherung vorzunehmen.

In einer Kleinen Anfrage hat die FDP-Fraktion unter anderem erfragt, welche Kenntnisse die Bundesregierung über die Rentenfaktoren hat, mit denen die Lebensversicherer die Renten kalkulieren und welche Lebenserwartung dabei zugrunde gelegt wird.

Unterstellt ein Versicherer für einen 67-Jährigen etwa eine Lebenserwartung von 97, so muss das angesparte Geld für 30 Jahre Rente ausreichen. Kalkuliert er aber bis 117, so muss das gleiche Geld auf 50 Jahre verteilt werden. Die Rente kann dann nur noch etwas mehr als die Hälfte im Vergleich zum ersten Szenario betragen.

Die Rentenfaktoren geben an, wie viel Monatsrente die Sparer pro 10.000 Euro Kapital bekommen. „Wir sehen eine immense Spreizung zwischen 15 und 29 Euro garantierter Monatsrente pro 10.000 Euro angespartem Kapital“, erklärt Versicherungsmathematiker Kleinlein. „Damit haben die Rentenfaktoren deutlich mehr Einfluss auf den Erfolg oder Misserfolg einer Riester-Rente als die Kapitalanlage.“

Nach Berechnungen des BdV betragen für heute 37-Jährige die garantierten Rentenfaktoren für eine Rente ab 67 zwischen 15,21 Euro und 30,20 Euro bei einem Garantiezins von 0,9 Prozent. „Die von den Lebensversicherern unterstellten Rentenfaktoren entsprechen einer Lebenserwartung von 95 bis 142 Jahren“, so Kleinlein.

Das Statistische Bundesamt geht jedoch in seinen Prognosen nur von 87 bis 91 Jahren aus. Am auffälligsten weicht der Marktführer von den Werten der staatlichen Behörde ab. „Die Allianz kalkuliert sehr intransparent, indem sie in einem einzigen Vertrag mit unterschiedlichen Faktoren kalkuliert und dabei zum Teil eine Lebenserwartung von über 140 unterstellt“, so Kleinlein. Dadurch fallen die garantierten Renten extrem gering aus. Eine rentable Altersvorsorge sei so unmöglich, schlussfolgert Kleinlein.

Nach Ansicht des BdV sollte die Regierung endlich handeln. Entweder gelte es, die Verrentung der staatlich geförderten Produkte klar zu regulieren. Alternativ wäre aber auch der Verzicht auf den Verrentungszwang eine Lösung. 

Der BdV hat kürzlich mit dem Modell der Basisdepot-Vorsorge eine eigene Weiterentwicklung der geförderten Altersvorsorge vorgestellt. Diese basiert darauf, dass alle Sparprodukte grundsätzlich förderfähig sind und nur bestimmten Rahmenbedingungen genügen müssen. Ein Verrentungszwang ist ausdrücklich nicht vorgesehen, eine Verrentungsoption jedoch auch möglich. (dr)

Foto: BdV/Achenbach

 

3 Kommentare

  1. Herr Kalkbrenner und Herr Reinhard verdienen ihr Geld sicher in der Versicherungswirtschaft. Es gibt nicht einen Satz bzw. eine Berechnung, die die Aussagen von Herrn Kleinlein enträften.

    “KEIN Studium der Mathematik” sagt alles. Warum auch nachrechnen wie der BDV, man kann dem Versicherungstypen, der Jahrzehnte die Kosten und seine Provisionen verschwiegen hat ruhig vertrauen. Der hat immer nur das Wohl des Versicherten im Sinn.

    Kommentar von Bund der Versicherten — 26. Mai 2020 @ 17:17

  2. Nach CoronaPanik nun KleinleinPanik!
    In diesem Bericht ist so ziemlich alles FALSCH!
    Dass AK gerne ganz gezielt Mist erzählt, ist bekannt. Aber dass die ganze Fachpresse darauf hereinfällt! 😳
    JA – die Allianz hat den kleinsten Rentenfaktor!
    Dennoch NEIN lieber Herr Kleinlein!
    Denn Ihre Behauptungen sind FALSCH!
    Ich weiß, Sie wissen das und ich weiß das auch.
    Aber “meine liebe Fresse”, die gesamte Presse geht Ihnen einmal mehr auf den Leim! Ich gratuliere!
    Sorry, aber Ihre Aussagen sind grober Unfug!
    Denn die Höhe des zu Vertragsbeginns kalkulierten gar. Rentenfaktors (RF) steht überhaupt in keinerlei Zusammenhang mit der Lebenserwartung!
    Das würde ja sonst bedeuten, dass Tarife, die ganz ohne RF kalkuliert sind – und davon gibt es eine ganze Menge, sogar die Allianz hat 3 solcher Tarife ohne RF – von einer UNENDLICHEN Lebenserwartung ausgingen!!!
    Diesen sinnfreien Zusammenhang VERSTANDEN?
    Danke, dies freut mich.
    Denn um dies zu verstehen muss man nun wahrlich KEIN Studium in Mathematik haben, sondern einfach einen ganz gesunden Menschenverstand.
    Natürlich bringen solche Schlagzeilen auch gute Auflagen.
    Erst recht wenn jemand offen Krieg führt gegen einen ehemaligen Arbeitgeber und gegen eine ganze Branche. Und das, obwohl dieser Jemand sich bisher nachweislich nicht nur einmal schlimm verrechnet hatte.
    Liebes Cash-Magazin dieses doch sehr hochsensible und explosive Thema sauber und korrekt aufzuarbeiten, sollte doch sicher auch in Ihrem eigenen Interesse sein.
    Dies würde Ihrem Magazin sicher gut zu Gesicht stehen.
    Wenn Sie Fragen hierzu haben, sehr gerne.
    Reinhard Kreisel

    Kommentar von Kreisel Reinhard — 12. Mai 2020 @ 23:47

  3. Für mich mal wieder so ein Beispiel dafür wie entweder durch Unwissenheit des Autors oder gezielte Fehlinformation durch Weglassen wichtiger Tatsachen der Verbraucher über die Maßen verunsichert werden soll.
    Hier wird doch suggeriert, dass einem tatsächlich sein Kapital bis zum 142. Lebensjahr gestreckt ausgezahlt wird, nur weil der Vertrag einen niedrigen GARANTIERTEN Rentenfaktor beinhaltet. Das ist doch allerhöchstwahrscheinlich nicht der Fall!
    Am Markt gibt es zumindest bei Privaten Rentenversicherungen auch Verträge OHNE garantierten Rentenfaktor. Heißt das, das Kapital wird im Rentenfall bis zur Unendlichkeit gestreckt? Nein!
    Bei Rentenbeginn werden immer die aktuell gültigen Lebenserwartungen herangezogen und daran orientiert sich dann der tatsächlich angewendete Rentenfaktor. Darüber hinaus gibt es eben bei vielen Tarifen eine jetzt schon garantierte Untergrenze für diesen Faktor. Das diese Untergrenze manchmal so niedrig angesetzt ist, dass man auch ganz auf diese Angabe verzichten könnte, ist etwas anderes, aber eben nichts dramatisches, wie hier behauptet.
    Solche Artikel führen nur dazu, dass der Verbraucher weiter so verunsichert wird, dass er am Ende gar nichts mehr für die Altersvorsorge macht und führen zu einer Verschärfung der allgemeinen Rentenproblematik.

    Kommentar von Oliver Kalkbrenner — 6. Mai 2020 @ 17:32

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