15. April 2020, 10:50
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So geht Dienstleistung nach Corona

Wie geht es weiter, wenn die Politik heute nicht alles Berufsleben freigeben kann? Diese bange Frage plagt derzeit Dienstleister, weiß Business Experte Hans-Christoph Kaiser (52) aus seiner täglichen Arbeit. Das Gefühl der Auflehnung wird sich bei manchen in den nächsten Tagen einstellen, wenn sie erfahren, dass ihr Geschäftsbetrieb auch weiterhin eingeschränkt bleibt.  Aber Kaiser ermutigt, die unproduktive Krisen-Phase der „Frustration“ aktiv einzukürzen. Wie das gelingt

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Hans-Christoph Kaiser

Wir müssen die Situation akzeptieren. Schlicht die Situation nehmen, wie sie ist. Wir können durch Auflehnung, Wut oder Klagen nicht wirklich etwas an der eigentlichen Ursache ändern. Es macht also wenig Sinn unsere begrenzte Energie auf das Unabdingbare zu verschwenden. Vielmehr ist es zielführend, neue Lösungswege zu suchen und in die Zukunftsgestaltung zu investieren.

Der Krisenmanager macht auf das Förderpaket des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) aufmerksam, dass sich mit einer 100% Förderquote speziell an Dienstleister, Freiberufler und kleinere bis mittlere Unternehmen (KMU) richtet. Es geht darum in der Krise neue Lösungswege zu finden, unternehmerisches Know How einzukaufen und umzusetzen. Die Förderung liegt bei 100% – ein richtiges und großzügiges Signal, so Kaiser. Er ruft insbesondere Dienstleister, Trainer, Coaches und Freiberufler jetzt dazu auf, digitale Wege zu erlernen, um mit Kunden zu kollaborieren. Später ergänzt sich das innovative Format dann mit den üblich klassischen Elementen zu einer hybriden Kundenbeziehung. Da wir gemeinsam bereits die Komfortzonen verlassen mussten, können wir auch die Anpassung an die digitale Zukunft angehen. Ob mit oder ohne Förderung, der Zeitpunkt hierfür ist günstig – denn die Zeit steht für einen Moment still und erlaubt ein Aufholen.

Frustrationsphase kurzhalten

Es ist natürlich eine Zumutung im Krisenmanagement zu stehen und simultan einen Blick auf die Zukunft zu entwickeln. Aber darum geht es, so Kaiser. Er schätzt die schnellen Hilfsmaßnahmen, die nicht selbstverständlich sind, wie ein Blick über die Landesgrenzen hinaus verrät. „Wir müssen die Frustrationsphase kurzhalten, um frei zu bleiben. Frei zu erkennen, dass Corona den Standort Deutschland nach einem Rückschlag vermag nach vorne zu katapultieren.“ Denn nach Corona ist vor der Digitalen Krise, davon ist der Business Experte für Digitale Transformation überzeugt. Und tatsächlich, Videokonferenzen landauf und -ab, Remote-Work, Online Angebote, Online Hilfen, Online Lernen, App-Daten und Onlineshopping werden zu den neuen Lebensadern in der Isolation.

Falsche Einschätzungen

Normalerweise überzeugt Hans-Christoph Kaiser Führungskräfte von der sich anschleichenden Kraft der Digitalen Revolution. Revolutionen sind vom Wesen fundamentale Umwälzungen, zerstörerische Neuordnungen, deren Zeit reif ist. Die Digitale Revolution hat ihren Ursprung in den fortwährenden Innovationen, der Vernetzung von allem mit allen und der hohen Adaptionrate durch uns Konsumenten. Bis zur Corona-Krise war die frühe und späte Mehrheit der Unternehmen noch zu oft mit ihrem Erfolg beschäftigt und der Zufriedenheit über die Vergangenheit, so Kaiser aus seiner täglichen Arbeit. Die Wucht des kommenden Veränderungsdrucks schätzen viele deshalb falsch ein, ähnlich wie beim Beginn der Pandemie. Denn auch die digitale Innovation folgt dem exponentiellen Muster, das einige in ungeahnte Höhen treibt und andere kreativ zerstört, wie es der Ökonom Schumpeter einst formulierte. Exponentielle Entwicklungen sind für Menschen schwer begreiflich – bis zu jenem Zeitpunkt, an dem es sie betrifft – da geht es uns wie dem Frosch im Topf. Die Pandemie

Erfahrung birgt daher das kollektive Verstehen von exponentiellen Veränderungen. Eine wertvolle Erfahrung, die wir uns bei der Einschätzung und Gestaltung der Zukunft zu Nutze machen können. Der stationäre Einzelhandel ahnt sein Unheil bereits, so der Krisenmanager. Wie aber einst der Pesterreger die Menschen in Deutschland für die Mechanisierung und Industrialisierung des 18. Jahrhunderts öffnete und Innovationskraft freisetzte, so kann der Corona Erreger uns bei der Digitalisierung im 21. Jahrhundert behilflich sein.

Kaiser ist Initiator der neuen „Digital-Initiative Corona 2020“. Er hilft neue digitale Wege zum Kunden zu erkennen und zu erlernen. Er hat in den letzten 20 Jahren zwei Disruptionen selbst erlebt und erfolgreich überlebt und arbeitete in 20 Ländern für deutsche, amerikanische und europäische Marktführer. Er ist Mitglied im führenden Branchenverband und ist davon überzeugt: „Jetzt geht es darum, die Initiative zurückzugewinnen, handlungsfähig zu bleiben und den Blick nach vorne zu suchen“. Eine kollektiv epochale Aufgabe am Übergang vom Industrie- zum Digitalzeitalter mit Corona-Pandemie als Katalysator.

Foto: Hans-Christoph Kaiser

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