11. Mai 2020, 09:20
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“Unser Leben wurde seit Corona entschleunigt”

Cash.-Interview mit Dr. Matthias Wald, Leiter Vertrieb bei Swiss Life Deutschland und Vorstand des Votum-Verbands, über finanzielle Vorsorge in Zeiten von Corona, die Umstellung auf Videoberatung und die Auswirkungen der Krise auf die Vermittlerzahlen.

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Matthias Wald

Deutschland steht wegen der Coronakrise vor einer tiefen Rezession, viele Menschen fürchten um ihre Arbeitsplätze. Das wird auch Folgen für den Versicherungsvertrieb haben. Kommt jetzt die große Stornowelle?

Wald: Aktuell nehmen wir keine solche Entwicklung wahr und für Prognosen ist es noch zu früh. Selbst wenn die Arbeitslosen- und Kurzarbeiterquoten dramatisch steigen sollten, bedeutet das im Umkehrschluss nicht, dass die Deutschen ihre finanzielle Vorsorge einfach ad acta legen. Das Leben geht weiter – vielleicht im Homeoffice, vielleicht in temporärer Kurzarbeit. An den grundsätzlichen Bedürfnissen der Menschen wird sich trotz Coronakrise wenig ändern. Der Bedarf an guter Beratung und Vorsorge für eine finanzielle Selbstbestimmung ist gerade in herausfordernden Zeiten groß. Viele Versicherer, wie auch Swiss Life, bieten auch entsprechende Unterstützungsleistungen an. Es besteht beispielsweise die Möglichkeit, einen Vertrag beitragsfrei stellen zu lassen, sodass der Versicherungsschutz auch bei kurzfristigen Zahlungsengpässen bestehen bleibt. Zahlungsstundungen oder Tarifumstellungen bieten darüber hinaus eine erhöhte Flexibilität. Eine Stornierung erweist sich in den seltensten Fällen als sinnvoll: Die eigene Arbeitskraft muss weiter abgesichert sein und auch die Altersvorsorge – gerade auf Fondsbasis – würde man zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt aufgeben.

Eine optimistische Einschätzung lautet: Das Sicherheitsbedürfnis der Deutschen ist aufgrund der Coronakrise gestiegen, davon wird auch der Versicherungsvertrieb profitieren. Wie stehen Sie zu dazu?

Wald: Dem stimme ich zu. Schon vor der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, dass der Bedarf nach einem persönlichen Ansprechpartner zu Vorsorgefragen hoch ist und weiter steigt. Unser Leben wurde seit Corona entschleunigt. Die Menschen nehmen sich vermehrt Zeit, um sich mit ihren Bedürfnissen und somit auch ihrer Vorsorgesituation auseinanderzusetzen. Das führt zu einer Rückbesinnung auf Werte wie Sicherheit, die in der heutigen schnelllebigen Zeit ansonsten durchaus zu kurz kommen. Dies wird sicherlich bei Altersvorsorgeprodukte stärker von Bedeutung sein als bei Sachversicherungen. Da „Social Distancing“ das Gebot der Stunde ist, werden diejenigen Vermittler punkten, die ihre Kunden jetzt zum Beispiel über eine Videoberatung bei ihrer Vorsorge- und Finanzplanung unterstützen.

Wie läuft Ihr Geschäft derzeit?

Wald: Unsere Kunden haben viele Fragen rund um die Coronakrise. Die Nachfrage ist groß, da die Menschen Vorsorge für eine selbstbestimmte Zukunft treffen möchten. In den Swiss-Life-Finanzvertrieben haben wir im Sommer 2019 die Videoberatung eingeführt. Dass es die richtige Entscheidung war, auf diese Technologie als Ergänzung zur persönlichen Vor-Ort-Beratung zu setzen, zeigt sich besonders jetzt. Im März hat sich die Anzahl der Videoberatungssessions im Vergleich zum Vormonat versechsfacht. Die März- und April-Zahlen sowohl unserer Versicherungssparte als auch unserer Finanzvertriebe zeigen, dass wir die aktuelle Situation sehr gut meistern.

Gehört dieser Form der Beratung die Zukunft? Auch unabhängig von Corona?

Wald: Für uns und unsere Kunden ist die Kombination von digitalen Tools und persönlicher Beratung die ideale Form. Gut möglich, dass die aktuelle Situation auch bei vielen anderen Menschen dazu führt, dass sie sich an den Einsatz der digitalen Technologien noch mehr gewöhnen und diese auch in Zukunft zu ihrem Vorteil nutzen möchten. So auch in der Finanz- und Vorsorgeberatung.

Seite zwei: “Vermittlersterben wird sich fortsetzen”

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