27. August 2020, 11:45
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Gibt Corona Betrügern Auftrieb?  

Branchenschätzungen zufolge entsteht den Versicherern in der Schaden- und Unfallversicherung durch Versicherungsbetrug ein Schaden von rund fünf Milliarden Euro im Jahr. Die Unternehmen gehen davon aus, dass jede zehnte Schadenmeldung dubios ist. Zuge der Coronapandemie gibt es nun erste Anzeichen, dass die Zahl der Betrugsversuche steigen könnte. Die Branche zeigt sich vorbereitet.

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Die deutschen Versicherer befürchten, dass die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu mehr Betrugsversuchen führen. „Es gibt Hinweise darauf, dass betrugsverdächtige Schäden im Zusammenhang mit der Corona-Krise stehen. Die Versicherungsbranche ist darauf vorbereitet“, sagte der Vorsitzende der Kommission Kriminalitätsbekämpfung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Rüdiger Hackhausen, am Donnerstag in Berlin. Sowohl im privaten als auch im gewerblichen Bereich deute sich diese Entwicklung an.

Als Beispiele für betrugsverdächtige Schäden nannte Hackhausen angebliche Einbrüche, bei denen Saisonware wie etwa Sommerbekleidung gestohlen worden sein soll, die offenbar nicht habe verkauft werden können. Ebenfalls beliebt bei Betrügern: Gemeldete  Schäden an neuen elektronischen Geräten wie Fernsehern. Das wiederum deutet dem Experten zufolge häufig darauf hin, dass das Gerät per Kredit finanziert wurde, der Verbraucher die Raten aber nicht mehr bezahlen konnte.

„Aufgrund finanzieller Notlagen könnte es eine Zunahme von ‚Gelegenheitsbetrügern‘ geben“, sagte der Kölner Fachanwalt für Straf- und Arbeitsrecht, Abdou Gabbar, der sich auch mit Betrugsmotiven und Täterprofilen beschäftigt.

Internet stellt Versicherer vor neue Herausforderungen

Die Motive von Betrügern haben sich den Experten zufolge im Laufe der Zeit kaum verändert – ihre Methoden hingegen schon. Internet und Digitalisierung führten zu neuen Betrugsformen und vereinfachten die Informationsbeschaffung für die Täter. Mit wenigen Klicks könne man sich zum Beispiel in Internetforen darüber informieren, wie eine Schadenmeldung so glaubhaft formuliert werden könne, dass der vermeintliche Schaden von einer Versicherung bezahlt werde.

„Die Betrugsabwehr der Versicherer hat darauf reagiert, beispielsweise durch die Weiterentwicklung von Software zur Erkennung von Betrugsindizien oder den Einsatz speziell geschulter Mitarbeiter“, sagte Hackhausen. Die Bildforensik gewinne bei der Betrugsabwehr immer mehr an Bedeutung.

Denn Betrüger könnten mit Bildbearbeitungsprogrammen digitale Fotos manipulieren oder im Internet kursierende Bilder nutzen. Diese würden dann als visueller Schadennachweis vorgelegt. „Die Versicherer können beispielsweise die Metadaten auswerten und erkennen, ob ein Foto manipuliert wurde“, sagte Hackhausen.

Jede zehnte Schadenmeldung ist betrugsverdächtig

Branchenschätzungen zufolge entsteht den Versicherern in der Schaden- und Unfallversicherung durch Versicherungsbetrug ein Schaden von rund fünf Milliarden Euro im Jahr. Die Unternehmen gehen davon aus, dass jede zehnte Schadenmeldung dubios ist. Das bestätigt unter anderem eine aktuelle repräsentative Infas quo-Umfrage zum Versicherungsbetrug im Auftrag des GDV. Danach gaben zehn Prozent der Befragten zu, entweder schon einmal einen Versicherungsbetrug begangen zu haben oder konkret von einem Versicherungsbetrug zu wissen.

Insgesamt ist die Akzeptanz für Versicherungsbetrug laut Umfrage jedoch gering. Nur jeder zehnte Befragte meint, dass es sich um ein Kavaliersdelikt handelt; nur 13 Prozent aller Befragten haben Verständnis dafür, wenn Geld bei einer Versicherung erschlichen wird. Jüngere Befragte bis 29 Jahre haben allerdings laut der aktuellen Umfrage ein anderes Unrechtsbewusstsein: Hier zeigen 20 Prozent Verständnis für erschlichene Leistungen.

Von allen Befragten hält nur jeder Zweite die Aufdeckung von Versicherungsbetrug für wahrscheinlich; bei den Jüngeren sehen dies lediglich 40 Prozent so. Knapp 70 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Versicherungsbetrug vor allem die Kunden selbst und nicht so sehr den Versicherer schädigt. Bei den Jüngeren glaubt dies nur die Hälfte.

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