Wohngebäudeversicherung: Es grünt

„Dies sichert nicht nur den Wert der Immobilie, sondern wirkt sich auch auf den Beitrag zur Gebäudeversicherung aus“, so Ludwig. Der Sinn einer Wohngebäudeversicherung sollte nicht darin bestehen den Versicherungsnehmer von notwendigen altersbedingten Reparaturen zu entbinden, nach der Devise „wir warten auf den nächsten Sturm, dann zahlt die Versicherung das neue Dach“. Auch diese Einstellung hat nach Aussage des Experten zu den Preisentwicklungen und Sanierungen in der Wohngebäude-Sparte geführt.

Bei den meisten Anbietern auf dem deutschen Versicherungsmarkt ist ein spürbarer Trend zur Nachhaltigkeit zu erkennen.

Am 10. März ist die EU-Transparenzverordnung in Kraft getreten. Damit bekommt das Thema Nachhaltigkeit auch in der Wohngebäudeversicherung eine neue Dynamik. „Bei den meisten Anbietern auf dem deutschen Versicherungsmarkt ist ein spürbarer Trend zur Nachhaltigkeit zu erkennen“, bestätigt Morgen & Morgen-Experte Ludwig. So bietet die Domcura in der Wohngebäudeversicherung einen Nachhaltigkeits-Baustein.

„Unsere Kunden erhalten im Schadenfall eine Mehrleistung für nachhaltigen Schadenersatz in Höhen von bis zu 50.000 Euro“, erklärt Vorstand-Schumacher. Damit können nach einem Schadenfall etwa Laminat-Fußböden durch Holz oder zerstörte technische Einrichtungen des Wohngebäudes durch stromsparende Neuinstallationen ersetzt werden. Zudem erstattet die Versicherung Beratungskosten zu nachhaltigen Technologien.

Auch die ostfriesische NV Versicherung setzt in Wohngebäudeversicherung sichtbar auf Nachhaltigkeit und bietet mit Wohnhaus Premium „bessergrün“ und Wohnhaus Max „bessergrün“ zwei nachhaltige Varianten der Standardprodukte an. Bei diesen Tarifen seien dieselben nachhaltigen grünen Merkmale vorhanden, erklärt NV-Mann Herzog.

„Zum einen wird pro Vertrag ein Baum innerhalb Deutschlands gepflanzt. Des Weiteren verpflichtet sich die NV, ihre Kapitalanlage nachhaltig zu gestalten. Die nachhaltigen Kapitalanlagen orientieren sich anhand von festgelegten Positiv-, wie auch Negativlisten. Das soll ein mögliches ,Greenwashing’ verhindern“, erläutert Herzog. Und wie die Domcura bietet die NV dem Kunden nachhaltige Mehrleistungen im Schadensfall.

Bislang war das Segment eher die „Spielwiese“ der arrivierten Gesellschaften. Doch der Wettbewerb durch Vergleichsportale nimmt zu. Mittlerweile mischt mit Neodigital auch ein digitaler Newcomer mit. Newcomer insofern, weil das Unternehmen, dass, noch keine vier Jahre im Markt aktiv ist, nun erstmals eine Wohngebäudeversicherung anbietet.

„Wir starten aktuell mit ZÜRS-1 und 2 und entwickeln uns weiter. Und wir werden uns den Markt und die Mechaniken sehr genau ansehen“, sagt Neodigital Vorstand Stephen Voss. Auch wenn der Markt als gesättigt gilt, ist Voss davon überzeugt, dass eine integrierte voll digitale Lösung in einem wachsenden – für digitale Lösungen sehr affinen Markt – seine Marktanteile bei Verbrauchern finden wird. Auch weil der Markt in punkto Profitabilität ausbaufähig ist.

Viele Versicherer haben trotz des digitalen Schubs durch die Coronapandemie Schwächen.

„Es hat sich im Umfeld viel an den digitalen Front-Ends, also an der Kundenschnittstelle getan. Aber das Produkt besteht nicht nur aus Angebot und Antrag, es sind die Bestandsführung und Schadenabwicklung sowie der Service, die einen großen Anteil an den Kosten haben. Hier sehen wir noch Nachholbedarf im Markt“, sagt Voss.

Stephen Voss, Neodigital

Gleichwohl liegt für die digitalen Wettbewerber die Herausforderung beim Zugang zum Kunden. Und der war bis zur Coronapandemie weitestgehend offline. Zwar hat die Coronapandemie über weite Phasen hinweg die physische Beratung direkt vor Ort nahezu unmöglich gemacht. Und längst ist die Beratung keine Frage der physischen Präsenz. Es gibt Videoberatung sowie innovative Tools, die auch in der Wohngebäudeversicherung ein umfassende Risikobeurteilung im Rahmen der Beratung zulassen.

Und doch haben hier Vermittler trotz Pandemie und Kontaktbeschränkungen nach wie vor einen Vorteil: Die enge, gewachsene Kundenbeziehung. „Den muss der digitale Wettbewerb erst einmal aufbauen“, sagt der Neodigital-Vorstand.

Vergleichsportale und Digitalversicherer bieten jedoch häufig oft nur Lösungen für Standardrisiken. „Vermittler sollten daher einen individuellen Ansatz wählen und ihren Mehrwert in den Fokus rücken. Die Themen Positionierung und Zielgruppenfindung werden für Vermittler immer wichtiger, um sich von der Masse abzuheben. Eine klare Ausrichtung kann hier hilfreich sein“, sagt Schönteich. In den Bereichen Hausrat und Wohngebäude könne sich der Vermittler zum Beispiel mit einer gezielten Risikoanalyse abheben. „Durch die konkrete Bedarfsermittlung kann der Vermittler für den Kunden einen Mehrwert schaffen und so gleichzeitig Cross-Selling-Potenziale erkennen“, so die Vertriebsexpertin.

Christine Schönteich, Fonds Finanz

„Die Herausforderungen liegen meistens darin, dass auf den ersten Blick der Preis sehr günstig wirkt und ein unmittelbarer Abschluss über das Mobile Device oder den PC möglich ist“, ergänzt Jörg Brickwedel von HDI in Hannover. Der Leiter Verkaufsförderung ist überzeugt, dass Vermittler trotz des zunehmenden digitalen Wettbewerbs punkten können: Etwa mit einer direkten Abschlussmöglichkeit über eine eigene Homepage. Denn damit könne in der Regel auch der Direktpreis angeboten werden.

Hinzu komme, dass die Vergleichsportale zwar transparent die durch den Vergleicher aufgeführten Kriterien der Leistungsinhalte aufzeigen. „Aber diese Vergleiche können nicht auf alle individuellen Bedürfnisse und Besonderheiten der Kunden eingehen. Dies kann nur über eine umfassende Analyse erfolgen und hört auch bei einer einzelnen Versicherungslösung nicht auf – es zählt das Gesamtpaket. Je umfassender und größer der Absicherungsbedarf ist, desto individueller wird dieser. Der Vermittler erkennt vor Ort und im persönlichen Gespräch den wirklich notwendigen Versicherungsschutz und kann auf diese Besonderheiten eingehen. Zudem erhält der Kunde einen regionalen Ansprechpartner, der ihm auch im Schadenfall unterstützend zur Seite stehen kann“, sagt Brickwedel.

Der Vermittler könne damit punkten, indem er durch persönliche Beratung vor Ort auf die genauen Bedarfe des Kunden eingeht. „Und notfalls auch Online – also angepasst an den jeweiligen (hybriden) Kundenbedarf“, so Brickwedel.

Ein Beitrag von Jörg Droste (dr), Cash.

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