Anleihen: Frankreich muss Anlegern mehr bieten als Italien

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Frankreich-Anleihen
Bild: KI-generiert
Frankreichs hohe Defizite und politische Unsicherheit treiben die Renditen. Was die Entwicklung für Anleger bedeutet.

Frankreichs Renditen für zehnjährige Staatsanleihen liegen inzwischen über denen Italiens - obwohl Italien deutlich höher verschuldet ist. Für Mathias Beil von der Sutor Bank zählt vor allem die Verlässlichkeit der Haushaltspolitik. Warum Frankreichs Kreditwürdigkeit unter Druck steht.

Frankreich muss Anlegern für zehnjährige Staatsanleihen mehr bieten als Italien. Mitte Oktober lag die Rendite französischer Papiere rund 0,3 Prozentpunkte über der italienischer. Dabei betrug Italiens Schuldenquote Ende März knapp 139 Prozent der Wirtschaftsleistung, die Frankreichs rund 118 Prozent.

In der Euro-Schuldenkrise 2011 und 2012 zahlte Italien noch deutlich höhere Zinsen als Frankreich. Für Mathias Beil, Leiter Private Banking der Sutor Bank, folgt der heutige Rollentausch einem alten Muster: Schon zu Napoleons Zeiten habe am Kapitalmarkt Verlässlichkeit mehr gezählt als Macht. Vom Kauf französischer Staatsanleihen rät Beil derzeit eher ab.

Der Renditeabstand zehnjähriger französischer Staatsanleihen zu deutschen Bundesanleihen lag Mitte Oktober bei gut 1,4 Prozentpunkten. Anfang des Monats hatte er den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren erreicht. Die Rendite französischer Anleihen stieg zeitweise auf rund fünf Prozent. Während sie auch das allgemeine Zinsniveau im Euroraum widerspiegelt, zeigt der Abstand zur Bundesanleihe, welche zusätzliche Prämie Anleger für Frankreich verlangen.


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Frankreichs Haushaltslage belastet die Renditen

„Die alte Einteilung in Kern- und Randländer der Eurozone trägt nicht mehr“, sagt Beil. „Der Markt sortiert heute nach Haushaltsdisziplin, nicht nach Geografie.“ Italien hat sein Defizit nahe an die Drei-Prozent-Grenze der EU gebracht. Die französische Regierung erwartet für dieses Jahr ein Defizit von mehr als fünf Prozent der Wirtschaftsleistung.

Hinzu kommt die politische Unsicherheit. Die Minderheitsregierung von Premierminister Sébastien Lecornu ringt um den Haushalt 2027. Der Finanzausschuss der Nationalversammlung hat dessen Einnahmenteil bereits abgelehnt. Moody’s begründete den negativen Ausblick für Frankreich unter anderem mit der politischen Zersplitterung. Am 23. Oktober will die Ratingagentur ihre Bonitätsnote überprüfen.

Auch ein Blick in die Geschichte zeigt, wie stark die Kreditkosten vom Vertrauen der Geldgeber abhängen. Unter Napoleon I. war Frankreich zwar die führende Macht auf dem Kontinent, günstige Kredite erhielt der Staat jedoch nicht. Eine Untersuchung der Wirtschaftshistoriker Michael Bordo und Eugene White zu den Staatsfinanzen jener Zeit kommt zu dem Ergebnis, dass Frankreichs schwacher Ruf als Schuldner Napoleon zwang, seine Ausgaben vor allem über Steuern zu finanzieren. Großbritannien galt dagegen als verlässlich und konnte sich große Summen zu vergleichsweise niedrigen Zinsen leihen.

Zinslast steigt schrittweise

„Schon zu Napoleons Zeiten entschied nicht Macht über die Kreditkosten, sondern der Ruf als Schuldner“, sagt Beil. „Daran hat sich bis heute nichts geändert.“ Eine akute Gefahr für den Euro sieht er dennoch nicht. Frankreich verschulde sich in Euro an einem großen, liquiden Markt. Zudem gilt die höhere Rendite nur für neu ausgegebene Anleihen. Bestehende Schulden laufen zu ihren bisherigen Konditionen weiter, deshalb steigt die Zinslast schrittweise.

Spürbar ist der Anstieg bereits: Laut Haushaltsentwurf wachsen die Zinsausgaben des französischen Zentralstaats 2027 um rund zehn Milliarden Euro. Auf die Europäische Zentralbank könnten Anleger nach Beils Einschätzung nur bedingt setzen. Ihr Schutzinstrument TPI kann sie gegen Marktbewegungen einsetzen, die nicht durch wirtschaftliche Fundamentaldaten gerechtfertigt sind. Voraussetzung ist zudem eine tragfähige Haushaltspolitik des betroffenen Landes.

Die höhere Rendite französischer Anleihen sei kein Geschenk, sondern eine Risikoprämie, sagt Beil. Er rät derzeit eher vom Kauf ab. Entscheidend bleibe der Renditeabstand zur Bundesanleihe. Kritisch würde es, wenn er sich dauerhaft ausweite und die Unruhe auf andere Staatsanleihen übergreife. „Am Anleihemarkt zählt nicht allein die Höhe der Schulden, sondern wie verlässlich ein Land mit ihnen umgeht“, sagt Beil. „Diese Verlässlichkeit kann nur Frankreich selbst beweisen, nicht die EZB.“

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