Was sind die zentralen Ursachen für den abrupten Preisrückgang von Gold und Silber nach der monatelangen Rekordrallye?
Arndt: Der starke Rückgang ist im Wesentlichen eine Folge einer überhitzten Marktphase. Beide Edelmetalle haben zuvor historische Höchststände erreicht – Gold rund 5.500 US-Dollar, Silber gut 120 US-Dollar – wodurch es zu umfangreichen Gewinnmitnahmen kam. Gleichzeitig sorgten Signale einer vorsichtigeren US‑Geldpolitik – die Ankündigung der Nominierung von Kevin Warsh als Nachfolger von Jerome Powell als Chef der US-Notenbank Fed – und ein dadurch stärkerer US‑Dollar für zusätzlichen Druck. Das Ausmaß des „Debasement Trades“ wird neu – etwas geringer – gepreist. Besonders bei Silber führte die Auflösung spekulativer Positionen zu einem historischen Einbruch von über 30 Prozent innerhalb eines Tages.
Gold und Silber liegen trotz der aktuellen Verluste noch über dem Niveau Ende 2025. Wie sollten Anleger diese Korrektur einordnen?
Arndt: Die aktuelle Korrektur ist kein Bruch des langfristigen Trends, sondern eine gesunde Marktbereinigung nach einer Überhitzung. Beide Edelmetalle notieren weiterhin klar über dem Vorjahresniveau. Edelmetalle können nach starken Anstiegen jederzeit korrigieren, bleiben aber strategisch bedeutsam – insbesondere vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und sinkender Zinsen. Die aktuellen Kurse bieten Anlegern neue strategische oder taktische Kaufmöglichkeiten.
Welche Rolle sehen Sie in diesem Umfeld für Edelmetalle als „sicheren Hafen“ im Portfolio – ändert sich dieses Narrativ angesichts der jüngsten Volatilität?
Arndt: Der Hauptverwendungszweck von Edelmetallen hat sich nicht verändert: Gold behauptet seine Rolle als ultimative, nur gering inflationierbare, Währung. Das wird gestützt durch viel Vertrauen und dadurch hohe Notenbankkäufe, steigende physische Nachfrage in den Schwellenländern sowie eine neu entdeckte Investorennachfrage in der westlichen Welt. Kurzfristige Schwankungen sind bei geopolitischen Veränderungen und Unsicherheiten normal, ändern aber nichts an der Funktion des Edelmetalls als strategische Versicherung im Portfolio. Silber bleibt als Supraleiter in relevanten Schlüsseltechnologien attraktiv, ist allerdings naturgemäß volatiler aufgrund der starken industriellen Komponente.
Wird der Goldpreis in den nächsten Wochen wieder steigen?
Arndt: Solche kurzfristigen Prognosen können wir seriös nicht geben. Eine weitere Korrektur ist nicht auszuschließen, je nachdem wie viele spekulative Positionen noch offen sind. Die fundamentalen Faktoren – geopolitische Risiken, anhaltende Nachfrage, strukturelle Knappheit – sprechen jedoch dafür, dass der jüngste Rücksetzer eher eine Zwischenkorrektur ist. Sollte Gold zunehmend als monetärer Vermögenswert angesehen werden, der beispielsweise Anleihen in institutionellen und privaten Depots verdrängt, sind deutliche Kurszuwächse möglich. Die hohe industrielle Nachfrage nach Silber ist ebenfalls unverändert. Es besteht nach wie vor ein Angebotsdefizit – das nun sechste Jahr in Folge. Wir rechnen nicht damit, dass sich diese Situation in nächster Zeit ändert, da die Planungen im Minenaufbau auf Jahre ausgelegt sind und Silber häufig als Beiprodukt beim Goldabbau anfällt.
Die Fragen stellte Kim Brodtmann, Cash.














