Geopolitik treibt Gold und Silber, Bitcoin reagiert selektiver

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Wie Geopolitik auf Edelmetalle und Kryptos wirkt

Geopolitische Spannungen, Inflationsrisiken und geldpolitische Signale prägen derzeit die Märkte. Während Gold und Silber von der Unsicherheit profitieren, reagiert Bitcoin weniger eindeutig. Ein Marktkommentar von CoinShares zeigt, warum Sachwerte in diesem Umfeld erneut an Bedeutung gewinnen – und wo Unterschiede liegen.

Während das iranische Regime mit zunehmender Repression auf interne Proteste reagiert, verschärfen geopolitische Spannungen weltweit das Risiko strukturell steigender Inflationsraten. Trotz einer momentanen Stabilisierung der US-Preise deuten Anzeichen für eine geldpolitische Kehrtwende der Fed auf eine Schwächung des Dollars hin. In diesem instabilen Umfeld rücken Sachwerte wie Edelmetalle und Bitcoin als krisenfeste Wertaufbewahrungsmittel verstärkt in den Fokus der Anleger.

Repression im Iran verschärft sich

Das iranische Regime verschärft sein hartes Vorgehen angesichts anhaltender, großflächiger Proteste. Seit der US-Operation in Venezuela hat sich der Iran zur wichtigsten alternativen Quelle für schweres Rohöl für China entwickelt, insbesondere für Asphalt, der in Infrastrukturprojekten verwendet wird. Die sich verschlechternden politischen Rahmenbedingungen machen diese Versorgung jedoch zunehmend fragil. Die Vereinigten Staaten wiederum haben einen klaren Anreiz, zwischen Druck und Zurückhaltung abzuwechseln – ein Ansatz, der sich derzeit abzuzeichnen scheint.

Geopolitische Spannungen nehmen zu

Gleichzeitig bleiben die Spannungen rund um Grönland auf hohem Niveau. Der von Marco Iacoviello erstellte Geopolitical Risk (GPR) Index ist stark angestiegen und verharrt seit mehreren Monaten im obersten Quintil. Historisch gesehen tendiert die Inflation dazu, fast linear mit dem GPR zu steigen – von etwa 0,9 % im niedrigsten Quintil auf über 5 % im höchsten. Dies spiegelt wider, wie Konflikte Lieferketten stören und eine Umstellung von „Just-in-Time“- auf „Just-in-Case“-Produktionsmodelle erzwingen, was die Kosten strukturell erhöht.

US-Inflation niedriger als erwartet

Vorerst liegt die US-Inflation jedoch auf dem niedrigsten Stand seit fünf Jahren, was eine gewisse Stabilisierung signalisiert. Ein deutlicher Rückgang der Inflation bei den Wohnkosten (Shelter Inflation) war hierfür ein wesentlicher Faktor. Dieses Umfeld könnte es der Federal Reserve ermöglichen, den Fokus stärker auf die Wachstumsförderung zu legen, insbesondere da sich die Arbeitsmarktdaten weiter abschwächen. In diesem Zusammenhang wird der spätere Nachfolger von Jerome Powell wahrscheinlich eine wachstumsorientiertere Politik bevorzugen.

Metalle legen zu, Kryptowährungen erwachen wieder

Vor diesem Hintergrund – entweder ein Schwenk der Fed in Richtung Wachstum, der die Entwertung des Dollars beschleunigt, oder ein erneuter Inflationsschub durch eskalierende geopolitische Spannungen – erscheinen Wertaufbewahrungsmittel wie Gold und Silber besonders attraktiv. Bitcoin passt in ein ähnliches Narrativ, auch wenn er historisch gesehen empfindlicher auf Liquiditätsbedingungen reagiert und derzeit mit weniger unterstützenden internen Dynamiken konfrontiert ist. Die Entwicklungen im Iran, wo der Rial kollabiert, unterstreichen jedoch, dass die Bitcoin-Nachfrage gerade in solchen Stressszenarien sprunghaft ansteigen kann.

Autor Marc des Ligneris ist Senior Portfolio Manager bei Coinshares.

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