Die Kampfhandlungen im Nahen Osten wirken sich nach Einschätzung von Marktteilnehmern und Wissenschaftlern spürbar auf die Immobilienwirtschaft in Deutschland aus. Im Zentrum stehen steigende Risiken bei Finanzierung, Energie und Lieferketten – Faktoren, die in einem ohnehin angespannten Marktumfeld zusätzliche Belastung erzeugen.
Francesco Fedele, CEO der BF.direkt AG, beschreibt die Lage klar: „Die Eskalation im Nahen Osten ist ein akuter Stressfaktor für die Immobilienwirtschaft, auch in Deutschland. Schlagartig hat sich das Risiko für gestörte Lieferketten, steigende Energiepreise und Inflationsraten erhöht.“
Die Branche treffe das in doppelter Hinsicht. „Die Immobilienbranche trifft das gleich doppelt: über höhere Zinsen bzw. Credit-Spreads in der Finanzierung sowie über steigende Betriebs- und Baukosten. Das bremst die ohnehin fragile Markterholung und verschärft die Selektivität: Cashflow-starke, energieeffiziente Objekte werden relativ robust bleiben, während Capex-intensive Bestände und refinanzierungsanfällige Portfolios stärker unter Druck geraten.“
Auch aus wissenschaftlicher Sicht steht weniger ein unmittelbarer Konjunktureinbruch im Vordergrund als die Reaktion der Kapitalmärkte. Prof. Dr. Steffen Sebastian, Lehrstuhl für Immobilienfinanzierung am IREBS Institut für Immobilienwirtschaft der Universität Regensburg, ordnet ein: „Der Angriff auf den Iran sorgt kurzfristig für erhebliche Verunsicherung an den Finanz- und Rohstoffmärkten – und das trifft auch die Immobilien- und Bauwirtschaft.“
Entscheidend sei „weniger ein unmittelbarer Einbruch der Konjunktur, sondern ein sprunghafter – und vielleicht vorübergehender – Anstieg von Risikoaufschlägen, Energiepreiserwartungen und Finanzierungskosten“. Investoren und Projektentwickler reagierten in solchen Phasen zunächst mit Zurückhaltung.
Sollte der Konflikt zeitlich begrenzt bleiben, erwartet Sebastian vor allem temporäre Effekte. „Sollte der Konflikt auf wenige Wochen begrenzt bleiben, wären die Auswirkungen vor allem temporärer Natur: Transaktionen würden verschoben und Bauprojekte neu kalkuliert, aber nicht aufgegeben. Die Branche bekäme einen Dämpfer über höhere Volatilität und Kostenunsicherheit, jedoch keinen strukturellen Schock. Stabil finanzierte, nutzungsstarke Objekte dürften die Phase gut überstehen, während stark fremdfinanzierte oder margenenge Projekte anfälliger bleiben.“













