„Stundensammeln garantiert keine Qualifikation“

Foto: Maximilian Koenig
Hartmut Petersmann

Cash.-Interview mit Hartmut Petersmann, Gründer und Geschäftsführer des Petersmann Instituts, über Fallstricke bei der Weiterbildung.

Cash.-Interview mit Hartmut Petersmann, Gründer und Geschäftsführer des Petersmann Instituts, über Fallstricke bei der Weiterbildung.

Haben Makler und Vermittler nach Ihrer Wahrnehmung die corona-bedingte Zwangspause ausreichend genutzt, um ihren Weiterbildungsverpflichtungen nachzukommen?

Petersmann: Wir wissen, dass viele Marktteilnehmer zunächst damit beschäftigt waren, mit der Corona-Situation erst einmal selbst fertig zu werden. Recht schnell hat der Großteil verstanden, wie effizient Technik eingesetzt werden kann. Auch in punkto Weiterbildung haben Verbände, Genossenschaften, Versicherer und Dienstleister bereits geplante und organisierte Präsenzveranstaltungen auf die digitale Ebene verlegt. Erfolgreich. Weiterbildung hat also stattgefunden und wurde wie selbstverständlich auch unabhängig von Corona wahrgenommen.

Vermittler sollten darauf achten, nur für die Anrechnung geeignete Weiterbildungsmaßnahmen in Anspruch zu nehmen. Wie können sie das sicherstellen?

Petersmann: Was ist im Sinne der Qualität geeignet und was ist im Sinne des Nachweises geeignet? Ich würde jedem raten, die geeignete Weiterbildung gemäß seines geschäftlichen Schwerpunkts auszuwählen. In aller Regel war das dann auch im Sinne des Nachweises relevant. Eventuelle Diskrepanzen können ja nicht sonderlich groß sein.

Sind sich die Vermittler der drohenden Sanktionen, wenn sie ihren Weiterbildungsverpflichtungen nicht nachkommen, hinreichend bewusst?

Petersmann: Weiterbildung sollte eine Selbstverständlichkeit sein und zum eigenen Anspruch gehören – und das nicht erst seit der gesetzlichen Verpflichtung. Stundensammeln garantiert keine fachliche Qualifikation. Hier trennt sich sicher die Spreu vom Weizen. Wie soll ich einen anspruchsvollen Kunden auf Augenhöhe beraten können, wenn ich selber fachlich hinterherhinke? Die überwiegende Anzahl der Marktteilnehmer krebst ohnehin am Existenzminimum. Da kommt es auf den fehlenden Nachweis dann auch nicht mehr an, wenn man sich aus dem Markt schießen möchte.

Die Fragen stellte Kim Brodtmann, Cash.

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