Warum der AfW bei der Vorsorgereform auf Beratung pocht

Norman Wirth
Foto: Wirth Rechtsanwälte/Bettina Straub
Norman Wirth

Der AfW unterstützt die geplante Reform der privaten Altersvorsorge grundsätzlich. Zugleich warnt der Verband davor, Beratung und Vermittlung regulatorisch zu schwächen.

Der AfW Bundesverband Finanzdienstleistung unterstützt die Stoßrichtung des Altersvorsorgereformgesetzes. Positiv bewertet der Verband vor allem die stärkere Ausrichtung am Kapitalmarkt, die größere Produktvielfalt und die höhere Flexibilität moderner Vorsorgelösungen. In einer ergänzenden Stellungnahme zur Anhörung im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages macht der Verband aber auch auf offene Zielkonflikte aufmerksam.

Aus Sicht des AfW wird der Erfolg der Reform nicht allein von neuen Produkten oder steuerlichen Anreizen abhängen. Entscheidend sei, ob die neuen Vorsorgelösungen tatsächlich große Teile der Bevölkerung erreichen. „Private Altersvorsorge verbreitet sich nicht automatisch – sie verbreitet sich durch Beratung“, erklärt Norman Wirth, geschäftsführender Vorstand des AfW. „Der Erfolg der Reform wird letztlich daran gemessen werden, ob die neuen Vorsorgelösungen tatsächlich bei den Menschen ankommen.“

Der Verband verweist darauf, dass Altersvorsorgeentscheidungen regelmäßig sehr langfristig wirken. „Altersvorsorge ist eine Entscheidung für Jahrzehnte – nicht für ein paar Klicks“, betont Wirth. „Viele Vorsorgeverträge laufen 60 oder sogar 80 Jahre. Solche Entscheidungen sollten nicht ohne qualifizierte Beratung getroffen werden.“


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Kritisch sieht der AfW vor allem Spannungen zwischen dem politischen Ziel einer breiten Verbreitung privater Vorsorge und einzelnen geplanten Regulierungen bei Beratung, Vermittlung und Vergütungsstrukturen. Aus Sicht des Verbandes könnte genau das die praktische Umsetzung der Reform erschweren.

Zugleich weist der Verband die Vorstellung zurück, Beratung stehe einer stärkeren Digitalisierung entgegen. „Beratung ist kein Digitalisierungsproblem – Beratung ist Verbraucherschutz. Digitale Prozesse können Beratung unterstützen, sie können sie aber nicht ersetzen“, so Wirth.

Besonderen Handlungsbedarf sieht der AfW bei Selbständigen. Für viele von ihnen ist die private Altersvorsorge der zentrale oder sogar einzige Baustein der Alterssicherung. „Gerade angesichts zunehmend hybrider Erwerbsbiografien mit Wechseln zwischen Angestelltentätigkeit und Selbständigkeit braucht es flexible und verständliche Vorsorgelösungen. Eine Reform der privaten Altersvorsorge sollte die Situation von Selbständigen deshalb stärker berücksichtigen“, erklärt Wirth.

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