Finanzmarktwächter auf Irrwegen

Doch werden diese Anleger wirklich ein besseres Ergebnis erzielen, wenn sie auf eigene Faust losziehen und die Produktpalette selbst zusammenstellen oder sich ohne jegliche Beratung mit preisgünstigen Onlineversicherungen oder ETF eindecken? Zweifel sind angebracht.

Offen bleibt zudem, ob diese Produkte auch dann noch günstiger sind, wenn Beratung in Anspruch genommen wird und das Beraterhonorar mit eingerechnet wird. Schließlich fallen in diesem Fall die Abschlusskosten – also das Honorar – in voller Höhe zu Beginn an.

Eine weitere Frage beantwortet die Studie ebenfalls nicht: Wer sagt eigentlich, dass Honorarberater die bessere Beratung bieten? Bislang ist das nichts weiter als eine nicht bewiesene Vermutung, was auch daran liegen mag, dass es kaum Honorarberater gibt.

Auch sie haben eigene Interessen. So könnte auch bei Honorarberatern durchaus eine Tendenz zu unnötigen Umschichtungen bestehen. Schließlich werden nur wenige Kunden damit zufrieden sein, wenn sie einige 100 oder gar 1.000 Euro für die Feststellung „alles bestens“ bezahlen.

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12,4 Millionen Euro für den „Finanzmarktwächter“

Auch Honorarberater verdienen zudem dann am meisten, wenn sie ihre Kunden möglichst oft auf (angeblichen?) Handlungsbedarf hinweisen, um entsprechende Aufträge zu erhalten. Der eine oder andere wird vielleicht auch besonders exotische Produkte empfehlen, um seine Expertise zu belegen. Für 08/15-Empfehlungen werden die Kunden das – aus ihrer Sicht sicherlich nicht selten unverschämt hohe – Honorar vielleicht kein zweitens Mal bezahlen. Ob das alles so ist, wissen wir nicht. Aber es könnte sein.

Übrigens: Auch die Verbraucherschützer sind nicht frei von finanziellen Interessen. So tönen sie auf der Website, dass der „Marktwächter Finanzen“ vom Justizministerium bis 2017 mit 12,4 Millionen Euro gefördert wird. Ein erkleckliches Sümmchen.

Es wäre doch auch zu schade, wenn das durch sachgerechte Untersuchungen mit vielleicht weitaus weniger plakativen oder gar positiven Ergebnissen gefährdet würde.

Stefan Löwer ist Chefanalyst von G.U.B. Analyse und beobachtet den Markt der Sachwertanlagen als Cash.-Redakteur und G.U.B.-Analyst insgesamt schon seit mehr als 20 Jahren.

Foto: Anna Mutter

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