Entfernung zur Bankfiliale spielt eine wichtige Rolle

Angesichts der zunehmenden Nutzung von Online- und Mobile-Banking steht die Zukunft der Bankfilialen seit einiger Zeit auf dem Prüfstand. Neben dem allgemeinen Trend können regionale Unterschiede bei der Nachfrage nach Filialdienstleistungen einen wichtigen Einfluss auf das künftige Filialnetz haben.

Der persönliche Service in der Bankfiliale hat für die Kunden immer noch eine große Bedeutung.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Strukturell weniger Kundenbesuche in bestimmten Regionen könnten den Druck erhöhen, Filialen zu schließen. In Deutschland ist die Zahl der Bankfilialen deutlich gesunken – von ungefähr 40.000 im Jahr 2007 auf etwa 28.000 im Jahr 2018.
 
Vor diesem Hintergrund lohnt es sich, Kundenbesuche in Filialen und regionale Unterschiede näher zu betrachten. Wir greifen dazu auf einen eigenen Datensatz zurück, der auch den Anteil der Kunden beinhaltet, die ihre lokale Bankfiliale mindestens einmal jährlich besuchen. Wichtig ist, dass wir einen Besuch nur zählen, wenn der Kunde einen Termin vereinbart hat und mit einem Bankmitarbeiter sprechen will. Reine SB-Aktivitäten wie Abhebungen am Geldautomaten werden nicht berücksichtigt. Zur Lokalisierung der Kunden verwenden wir die ersten zwei Ziffern der Postleitzahl. Damit werden die Daten erheblich aggregiert und die Aussagekraft auf der Mikroebene ist begrenzt.
 
Auf den ersten Blick sind deutliche regionale Unterschiede zu erkennen. In Regionen mit geringerer Bevölkerungsdichte ist die Anzahl der Filialbesuche tendenziell niedriger. In Teilen Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs beispielsweise, wo die Einwohnerzahl pro km2 im deutschland­weiten Vergleich am niedrigsten ist, gibt es im Durchschnitt weniger Filialbesuche (ungefähr 25% der Kunden besuchen eine Filiale). Im Gegensatz dazu liegt die Zahl der Besucher in den dicht besiedelten Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg oder Hessen deutlich höher (bis zu 40% der Kunden). In den größten Städten wie Berlin, Hamburg, München oder Frankfurt besuchen Kunden interessanterweise seltener eine Filiale. Das könnte darauf hinweisen, dass der positive Zusammenhang zwischen Besuchen und Bevölkerungsdichte nicht linear verläuft. Es scheint ein Muster in Form eines umgekehrten U zu geben: Die Anzahl der Besuche steigt mit höherer Bevölkerungsdichte bis zu einem bestimmten Punkt und sinkt danach in Ballungszentren wieder – vermutlich aufgrund der jüngeren und damit eher technologie­affinen Stadtbevölkerung.
 
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