Grunderwerbsteuer: „Share-Deals“ auf dem Prüfstand

Ein weiterer Punkt wird kaum eine Rolle spielen: Die Sicherheit für Verbraucher und die Stabilität des Finanzsystems. Schließlich hat die Bundesregierung angesichts der drohenden Preisblase gerade erst beschlossen, die Finanzaufsicht BaFin zu Einschränkungen der Kreditvergabe beim Immobilienkauf zu ermächtigen.

Kaum diskutiert jedoch wird darüber, dass nicht nur das Preisniveau, sondern auch die hohe Grunderwerbsteuer nicht wenige Finanzierungen enorm wackelig macht. In Bundesländern, die wie Schleswig-Holstein oder Nordrhein-Westfalen 6,5 Prozent kassieren, macht sie schon beim Kauf eines mittleren Einfamilienhauses locker über 30.000 Euro aus.

Mindestens die gleiche Summe geht gegebenenfalls für Makler- und Notargebühren durch den Schornstein. Selbst von einem sechsstelligen Eigenkapital kann da leicht über die Hälfte für Nebenkosten draufgehen. Trotz eines scheinbar soliden Eigenkapitalanteils von zum Beispiel 30 Prozent müssen dann mehr als 85 Prozent des eigentlichen Kaufpreises auf Pump finanziert werden.

Verlockende Milliarden

Die Folge: Muss das Eigenheim irgendwann wieder verkauft werden, ist selbst bei einem stabilen Preisniveau ein Großteil der Erspanisse weg. Richtig übel kann die Sache für den Kunden – und auch für die finanzierende Bank – ausgehen, wenn die Preise sinken und der Immobilienwert die Kreditsumme nicht mehr deckt.

Durch die Abschaffung oder wenigstens eine spürbare Senkung der Grunderwerbsteuer würden die Finanzierungen entsprechend an Stabilität gewinnen können. So würde die Fremdkapitalquote in dem o.g. Beispiel ohne Grunderwerbsteuer unter der wichtigen Schwelle von 80 Prozent des Kaufpreises bleiben.

Auch könnte sich ohne die Steuer ein größerer Teil der Bevölkerung den Erwerb von Wohneigentum überhaupt erst leisten. Sie erhöht zudem die Kosten von Neubauten und erschwert damit auch den Bau bezahlbarer Mietwohnungen. Dass derlei Überlegungen bei den „Lösungsvorschlägen“ der Länder-Finanzminister eine Rolle spielen werden, ist jedoch kaum zu erwarten. Dafür sind die Milliarden wahrscheinlich einfach zu verlockend.

Stefan Löwer ist Chefanalyst von G.U.B. Analyse und betreut das Cash.-Ressort Sachwertanlagen. Er beobachtet den Markt der Sachwert-Emissionen als Cash.-Redakteur und G.U.B.-Analyst insgesamt schon seit mehr als 25 Jahren. G.U.B. Analyse gehört wie Cash. zu der Cash.Medien AG.

Foto: Florian Sonntag

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