Pioneer: Firmenanleihen bleiben gefragt

Obwohl sie ihren Höhepunkt nunmehr hinter sich hat, soll die Rallye im Bereich der Corporate Bonds weitergehen. Davon ist Christoph Schmidt, Portfolio Manager im Fixed-Income-Team der Fondsgesellschaft Pioneer Investments, überzeugt.

„Zwar handelt der Markt noch immer auf historisch weiten Spreadniveaus, doch zahlen die Emittenten anders als noch zu Jahresbeginn mittlerweile keine Liquiditätsprämie mehr“, so der Anleiheexperte. Auch zahlten Investoren nicht mehr für eine mögliche Volatilität auf den Kreditmärkten. Steigende Ausfallraten und eine negative Ratingdrift, also die Herabstufung von Anleihe-Ratings, kämen hinzu.

Anleger stehen Schlange

Dennoch reißt der Strom der Anlegergelder nicht ab. „Allerdings sorgen die mangelnden Alternativen am kurzen Ende der Zinskurve dafür, dass immer noch viele Gelder in den Markt für Firmenanleihen fließen. Derzeit sind viele Neuemissionen überzeichnet“, so Schmidt. Für den Herbst rechnet Schmidt folglich mit einem weiterhin hohen Emissionsniveau: „Die Unternehmen nutzen das niedrige Zinsumfeld, um ihr Fälligkeiten nach hinten zu verschieben und sich etwas unabhängiger von der Bankenfinanzierung zu machen.“ So kämen nun viele Neuemissionen mit siebenjähriger oder längerer Laufzeit auf den Markt. Zu Beginn des Jahres wurden überwiegend Papiere mit drei- bis fünfjährigen Laufzeit emittiert.

Zunehmende Ausfallrisiken erkennt Schmidt vor allem bei Anleihen im Hochzinsbereich. Im Investment-Grade-Sektor drohten Anlegern seiner Einschätzung nach eher Herabstufungen des Kredit-Ratings einzelner Unternehmen. „Das Risiko einer breiten Welle und ein damit verbundenes Abrutschen der Bondkurse halte ich für unwahrscheinlich“, sagt Schmidt. „Derzeit ist die Zahl der Käufer so groß, dass dies einem Preisverfall entgegenwirken würde.“

Als attraktiv stuft Schmidt derzeit Papiere aus dem Investmentgrade-Bereich ein. „Defensive Anleihen von Versorgern oder Telekommunikationsanbietern sind interessant, weil diese Emittenten in der Lage sein dürften, über den gesamten Kreditmarktzyklus Kupon und Fälligkeit ihrer Anleihen zu bedienen“, erklärt der Pioneer-Manager.

Bei zyklischen Werten sei aber Vorsicht geboten. Naben einer möglichen Herabstufung könne auch eine ausbleibende nachhaltige Erholung der Realwirtschaft das Risiko von Spread-Ausweitungen und letztlich Ausfällen deutlich steigen lassen. „Der Entzug von Liquidität durch die Zentralbanken könnte in diesem Segment zusätzlichen Verkaufsdruck durch Profitmitnahmen aufbauen, da Anleihen von Zyklikern – neben nachrangigen Bankenanleihen – in den vergangenen Monaten die größten Gewinne verbuchen konnten“, so Schmidt. (mr)

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