Irland-Krise: „Der Staatsbankrott scheint unausweichlich“

Die zugespitzte Lage im irischen Bankensektor lässt die Euro-Krise wieder aufleben. EU-Ratspräsident Herman van Rompuy sieht die EU im Überlebenskampf. Schroders-Experte David Scammell glaubt sogar, dass der Staatsbankrott in Irland unumgänglich ist.

David Scammell
David Scammell

Gastkommentar: David Scammell, Schroders

Während seines zweitägigen Besuchs in Dublin zitierte EU-Kommissar Olli Rehn unlängst im trockenen Tonfall ein altes finnisches Sprichwort: „Man soll den Teufel nicht an die Wand malen, wenn man ihn hinterher nicht wieder abwaschen kann.” Viele würden ihm beipflichten und die jüngsten Entwicklungen am irischen Anleihenmarkt als etwas übertrieben bezeichnen – schließlich scheint das Stabilitätsprogramm nach Plan zu verlaufen und das Land ist bis Mitte 2011 vollständig finanziert.

Das Problem ist nur, dass man damit auf taube Ohren stößt. Die Kursentwicklung irischer Anleihen ähnelt leider immer mehr dem bereits bekannten Verlauf in Griechenland, weil die Investoren davon ausgehen, dass die Probleme einfach zu groß sind. Bedauerlicherweise teilen wir letztere Auffassung und haben unsere irischen Positionen vor langer Zeit verkauft. Offensichtlich sind wir damit nicht allein, was für Irland besonders problematisch ist, da die Verbindlichkeiten zu 80 bis 85 Prozent auf ausländische Investoren entfallen.

Das Vermächtnis der unbezahlbaren Garantie bewältigen

Irland ist nicht das einzige Land mit einer enormen Staats- und Privatverschuldung, aber die Gewährung einer Pauschalgarantie für alle Bankverbindlichkeiten – nicht nur für Einlagen – war ein Desaster und erweist sich jetzt als untragbar.

Wenn die Banken ihre Problemkredite auf die staatliche ‚Bad Bank’ NAMA (National Asset Management Agency) übertragen, werden die Verluste realisiert und die Banken müssen ihre Kapitalposition entsprechend erhöhen. Die Regierung unterstützt dies, indem sie Kapital in das System pumpt. Dadurch steigt das allgemeine Staatsdefizit, sodass die Verschuldung von etwa 25 Prozent des BIP im Jahr 2007 inzwischen schon auf etwa 95 Prozent angewachsen ist.

Die Regierung versucht daraufhin, das Defizit abzubauen, was ein geringeres Wachstum und eventuell eine Deflation zur Folge hat. Auf ein Jahr hochgerechnet ist die Kerninflation der Verbraucherpreise seit Januar 2010 um 2,6 Prozent gefallen. Ein geringes Wirtschaftswachstum führt zu weiteren Verlusten im Bankensektor. Die Schuldenspirale beschleunigt sich, und am Ende übersteigt die Verpflichtung zur uneingeschränkten Übernahme der Bankverluste sogar die Haushaltskapazitäten des irischen Staates.

Daher sind wir der Meinung, dass die irische Regierung bald nicht mehr in der Lage sein wird, sich zu akzeptablen Konditionen an den Kapitalmärkten zu finanzieren. Auch die irischen Banken werden sich die hohen Zinsen immer weniger leisten können. Sie sind schon jetzt auf die EZB angewiesen, denn elf Prozent des Kapitalbedarfs der Banken wird durch die EZB abgedeckt. Das traurige Fazit: Der Staatsbankrott scheint unausweichlich.

Seite 2: Die Schuldenspirale muss durchbrochen werden

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