5. Oktober 2011, 13:49
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“Chinesische Konsumaktien sind besonders aussichtsreich”

Chinas Volkswirtschaft wächst rasant und prosperiert allen Unkenrufen zum Trotz. Ist die zunehmende Angst der Investoren vor einer harten Landung unberechtigt?

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Gastbeitrag: Leopold Quell, Raiffeisen Capital Management

Qualität und Nachhaltigkeit sind Schlüsselfaktoren für ein gesundes Wachstum in China. Die Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008 hat Chinas Dynamik nichts anhaben können. Zumindest könnte man angesichts eines BIP-Wachstums von 10,3 Prozent im Jahr 2010 zu diesem Schluss kommen. In jüngster Zeit mehrt sich aber die Kritik an unrentablen Infrastrukturmaßnahmen und mangelnder Qualität bei Industrieprodukten und mit jeder negativen internationalen Konjunkturmeldung steigen auch die Befürchtungen vor einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft.

Noch geben die Konjunkturdaten Chinas keinen Hinweis auf eine markante Wachstumsdelle. Die offiziellen Wachstumsziele der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt liegen für 2011 bei konservativen 7,5 Prozent und auch für 2012 (und danach) stapelt man mit sieben Prozent eher tief, weisen doch die Vorlaufindikatoren eher auf reales Wachstum von circa neun Prozent hin. Wir erwarten keine harte Landung, sondern lediglich eine Abschwächung. Auch 2012 sollten acht bis neun Prozent jährliches BIP-Wachstum durchaus erreichbar sein. Problematisch ist jedoch, dass dieses Wachstum sehr stark investitionsgetrieben und somit schlecht ausbalanciert ist.

China muss sich mit steigender Inflation, vor allem aufgrund höherer Nahrungsmittelpreise auseinandersetzen. Wenngleich die Inflationsrate auf Jahresbasis aktuell eine fallende Tendenz zeigt – von 6,5 Prozent im Juli auf 6,2 Prozent im August – besteht in den kommenden Monaten die Gefahr eines neuerlichen Anstiegs. Vor allem steigende Lohn- und Produktionskosten aber auch weitere Preiszuwächse bei Nahrungsmitteln deuteten auf eine erneute Erhöhung der Inflation hin. Zwar möchte die Regierung die Inflationsrate in diesem Jahr bei etwa vier Prozent halten, doch liegt das Land in den ersten acht Monaten mit 5,6 Prozent deutlich über seinen Zielen.

Seit Oktober 2010 hat die Notenbank ihren Leitzins fünfmal angehoben, um so den Preisauftrieb zu mindern. Doch die rigide Geldpolitik könnte auch negative Folgen für das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt mit sich bringen. Daher gehen viele Marktbeobachter davon aus, dass die Notenbank angesichts der Schuldenkrise in Europa und der Rezessionsgefahr in den USA die Zinsen wieder etwas senken könnte. Ein mögliches Quantitative Easing 3 in den USA würde den Handlungsspielraum der chinesischen Notenbank in dieser Hinsicht jedoch massiv einschränken, da die Gefahr von importierter Inflation nicht zu unterschätzen ist.

Rettet China die Euro-Zone?

In jüngster Zeit hat China auch aufgrund seines finanziellen Engagements in der Eurozone und des Angebots von Ministerpräsident Wen Jiabao beim Weltwirtschaftsforum in Dalian (China), bei der Bewältigung der Finanzkrise zu helfen, von sich Reden gemacht. Im Gegensatz zu Europa oder den USA hätte China nicht zuletzt aufgrund der gewaltigen Devisenreserven von mehr als 2,5 Billionen USD die finanziellen Reserven, um als Retter der Euro-Zone zu fungieren.

Als Gegenleistung für die Stabilisierungshilfe würden wohl die Anerkennung als Marktwirtschaft, aber auch politische Zugeständnisse Europas hinsichtlich Taiwans, Tibets und den Auseinandersetzungen mit Vietnam im Südchinesischen Meer winken. Zweifel sind jedoch angebracht, denn China wäre zwar sicher bereit sich an einer supranationalen Aktion zur Stabilisierung der Eurozone zu beteiligen, in einer führenden Rolle ist China dabei aber nur sehr schwer vorstellbar.

Seite 2: Chinas Konjunkturhilfen im eigenen Land.

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