QE3 ist noch nicht vom Tisch

Ben Bernanke sah am Freitag von einem Fingerzeig auf weitere geldpolitische Maßnahmen ab. Er betonte jedoch erneut, dass die US-Notenbank Fed weitere Optionen besitze und diese gegebenenfalls auch einzusetzen wisse. Damit ist eine weitere quantitative Geldmengenlockerung (QE3) längst nicht vom Tisch.

Gastkommentar: Ursina Kubli, Bank Sarasin

Hält der negative Trend in den US-Konjunkturdaten an, so ist die Fed in den nächsten Monaten gezwungen, ein weiteres geldpolitisches Programm anzukündigen. Mit US-Leitzinsen bei null und einer Fiskalpolitik unter Sparzwang ist die quantitative Geldmengenlockerung das letzte verbliebene Mittel im Kampf gegen die Rezession. Was bedeutet das für die Währungen?

In der Vergangenheit hat eine zusätzliche Lockerung der US-Geldpolitik den Dollar gegenüber dem Euro geschwächt. Der Haupttreiber für den Euro-Dollar-Wechselkurs sind die Realzinsdifferenzen zwischen den Regionen. Mit verstärkten geldpolitischen Impulsen aus den USA haben die Realzinsen jeweils zu Gunsten des Euros gedreht. In den sechs Monaten nach Beginn der ersten Runde QE1 im Jahr 2009 ist der Euro gegenüber dem Dollar rund zwölf Prozent gestiegen, nach der zweiten Runde QE2 waren es rund fünf Prozent. Der Euro dürfte auch bei einer dritten Runde QE3 leicht steigen.

Beim Euro-Franken-Wechselkurs liefert die Historie jedoch keine eindeutigen Ergebnisse. In den ersten sechs Monaten nach der ersten Runde QE1 ist der Schweizer Franken gegenüber dem Euro um rund zwei Prozent gesunken. Nach der zweiten Runde QE2 hat der Schweizer Franken jedoch rund acht Prozent aufgewertet. Der Zeitpunkt von QE3 dürfte eine wichtige Determinante sein.

Je früher das Rezessionsrisiko in den USA gebannt werden kann, desto früher beruhigen sich auch die Wachstumsängste in der Eurozone und desto eher erfolgt eine Erholung des Euro-Franken-Wechselkurses. Eine späte Reaktion der Fed dürfte jedoch die Nachfrage nach dem sicheren Hafen Franken weiter anheizen. In diesem Umfeld wird die Schweizerische Nationalbank zu aggressiveren Maßnahmen gezwungen sein, um das Franken-Aufwärtspotenzial zu begrenzen.

Ebenso wie der Franken ist auch der japanische Yen ein sicherer Hafen. QE1 und QE2 zeigen jedoch, dass der Yen gegenüber dem Dollar vier Prozent beziehungsweise zwei Prozent stärker wurde, obwohl der Risikoappetit der Finanzmarktteilnehmer infolge der expansiven US-Geldpolitik gestiegen ist.

Der Aufwertungsdruck auf den Yen dürfte folglich auch nach QE3 anhalten. Hauptgrund ist die geringe Zinsdifferenz zwischen den USA und Japan, womit in Japan eine Währungsabsicherung von Dollar-Anlagen entsprechend günstig wird. Die Bank of Japan wird ihre Deviseninterventionen fortführen müssen, um das Aufwärtspotenzial des Yen zu begrenzen.

Auch Rohstoffländer mit zyklischen Währungen wie Brasilien oder Australien müssen mit einer festeren Valuta rechnen, sofern der geldpolitische US-Stimulus zu einer erneuten Wiederbeschleunigung des globalen Wirtschaftswachstums führt. Der brasilianische Real hat nach QE1 und QE2 rund 21 beziehungsweise sechs Prozent zugelegt, während die Aufwertung des australischen Dollars mit 30 Prozent beziehungsweise acht Prozent sogar noch prägnanter war.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine weitere monetäre Lockerung der Fed den Dollar weiter schwächen wird. Hauptgewinner werden die zyklischen Währungen australischer Dollar, brasilianischer Real und schwedische Krone sein. Doch auch der defensive japanische Yen dürfte auf hohem Niveau verharren. Der Dollar-Franken-Wechselkurs dürfte aufgrund von Maßnahmen der Schweizerischen Nationalbank stabil bleiben.

Die Autorin ist Ökonomin bei der Schweizer Bank Sarasin & Cie AG

Foto: Shutterstock

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