19. Mai 2014, 14:50
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Deutsche Aktien starten durch

Die Underperformance deutscher Börsentitel im europäischen Wettbewerb wird bald enden.

Kolumne von Robert Halver, Baader Bank

 

Halver-Kolumne

Robert Halver, Baader Bank

Wäre Deutschland eine Glühbirne, hätte es wirtschaftlich gesehen die stärkste Leuchtkraft unter allen europäischen Ländern. Im Vergleich leuchten die deutschen Frühindikatoren wie Xenon-Licht.

Neben dem klassischen deutschen Stabilitätsvorsprung honorierte die Aktienbörse diese konjunkturelle Zuversicht schon in den Jahren 2012 und 2013 mit einer massiven Outperformance deutscher Aktien gegenüber der europäischen Konkurrenz.

Aktien in Italien und Portugal – Auferstanden aus Ruinen

In diesem Jahr sieht es allerdings etwas anders aus. Deutsche Aktien sind Underperformer, ja der DAX ist bislang einer der schwächsten Indices in Europa. Während wir uns mit etwa zwei Prozent bislang wenig vom Jahresendstand 2013 entfernen konnten, kommen die Aktienmärkte aus Italien, Portugal oder Spanien – wie von Conchita Wurst besungen – wie der Phönix aus der Asche und legen fast zweistellig zu.

Was ist passiert, dass die Aktienmärkte aus Euro-Süd ihr großes Nachholpotenzial gegenüber deutschen Aktien ausschöpfen können?

Das liegt erstens daran, dass für die Euro-Staatsschuldenkrise gilt: Vom geldpolitischen Winde verweht. Ob Portugal, Spanien oder Italien, die Risikoaufschläge ihrer Staatsanleihen zu deutschen gehen runter wie Öl. Wenn aber zweitens diese Systemkrise nur noch ein zahnloser Tiger ist, gibt es auch keinen Grund mehr, die fundamentalen Aktienperlen zu ignorieren. Ohne Zweifel gibt es in der Euro-Südzone zahlreiche Unternehmen von tadellosem Weltruf, z.B. im Konsumbereich.

Und drittens werden deutsche Aktien, die deutlich stärker am geopolitischen und konjunkturellen Fliegenfänger hängen, etwas kritischer beäugt. Ein Wirtschaftskrieg mit Russland träfe Deutschland geopolitisch und konjunkturell deutlich stärker als die anderen Euro-Länder. Auch die zwischenzeitlich konjunkturell zickenden Schwellenländer mit exportschädlichen Währungsschwächen haben auch schon an den Erträgen vieler deutscher Exportwerte genagt wie der Marder an der Innenverkleidung von Autos.

Kurz gesagt: Bislang litten deutsche Aktien an fundamentaler Luftnot.

Was nun, DAX?

Grundsätzlich glaube ich, dass Aktien in Euro-Süd bis Jahresende durchaus weiter laufen werden. Denn die Euro-Schulden- bzw. -Bankenkrise hat die EZB aus dem Euroraum verbannt. Insofern spricht nichts dagegen, bei Aktienanlagen auch süd-europäisch zu denken.

Dennoch sollte man auch deutsche Aktien unbedingt auf dem Radar haben. Ja, die Euro-Südzone ist zwar den Krisenvirus durch das Breitbandantibiotikum von Gevatter Mario los geworden wie einen lästigen Grippeerreger. Aber ansonsten, in punkto fundamentaler Substanz? Deren infrastrukturelle Defizite bei gleichzeitig umfänglicher Reformverweigerung ist fundamental nicht der ultimative Stoff, aus dem die Aktienträume sind. Deutschland hat es da mit seinen Standortfaktoren schon besser. Die Chinesen singen bereits seit Jahren das hohe Lied auf die deutsche Konjunktur mit der Inbrunst der Fischer-Chöre.

Da es Draghi vor allem um geldpolitische Konjunkturdüngung geht, fällt diese im konjunktursensiblen deutschen Aktienmarkt auf besonders fruchtbaren Boden. Angst vor deutschen Aktien? Hab ich nicht! Die guten deutschen BIP-Zahlen für das I. Quartal waren doch schon einmal ein schöner Anfang.

Wenn einem so viel Gutes wird beschert, das ist schon ein baldiges Ende der Underperformance deutscher Aktien wert.

Immerhin, deutsche Aktien sind schon rekordverdächtig. Bis zur historischen Marke von 10.000 Punkten ist es im Dax rein rechnerisch nicht mehr weit. Allerdings muss der Dax zunächst einmal sein kürzlich erklommenes Allzeithoch nachhaltig nach oben durchbrechen. Dazu scheint den Anlegern aktuell noch der Mut zu fehlen. Die geopolitische Lage ist noch zu unübersichtlich.

Aber im Juni kommt eine gute Gelegenheit. Denn dann wird Herr Draghi nicht nur geldpolitische Verbalerotik betreiben, sondern tatsächlich zins- und liquiditätspolitisch handeln.

Eines ist aber schon heute klar: Die Börsenweisheit „Sell in May and go away“ scheint auch nur eine von vielen Börsenweisheiten zu sein, für die man fünf Euro ins Phrasenschwein stecken sollte.

 

Robert Halver leitet die Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Mit Wertpapieranalyse und Anlagestrategien beschäftigt er sich seit Abschluss seines betriebswirtschaftlichen Studiums 1990. Halver verfügt über langjährige Erfahrung als Kapitalmarkt- und Börsenkommentator und ist durch regelmäßige Medienauftritte bei Fernseh- und Radiostationen, auf Fachveranstaltungen und Anlegermessen sowie durch Fachpublikationen präsent.

 

Foto: Baader Bank

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Carsten Maschmeyer: „Wir wollen, dass der Siegeszug dieser digitalen Erfolgsgeschichte weitergeht“

Der Unternehmer und Ex-AWD-Vorstandsvorsitzender Carsten Maschmeyer ist mit der von ihm gegründeten Venture-Capital-Firma Alstin Capital bei Neodigital eingestiegen. Mit ihm als Partner will sich der digitale Sachversicherer und Dienstleister deutlich breiter aufstellen. Cash.-Redakteur Jörg Droste traf Carsten Maschmeyer und Neodigitalvorstand Stephen Voss und sprach mit ihnen über den Einstieg, ihre Pläne und die Folgen der Coronapandemie für die digitale Transformation und deutschen Versicherungsmarkt.  

mehr ...

Immobilien

Erneuerbare-Energien-Investments statt Immobilien

Die Rendite-Risiko-Schere zwischen Investments in Erneuerbare Energien und Immobilien öffnet sich. „Beide Anlageklassen sind vor allem für institutionelle Investoren eine Alternative zueinander“, sagt Markus W. Voigt, CEO der aream Group. „Während beide ungefähr die gleiche Rendite erwarten lassen, steigt das Risiko bei Immobilien derzeit steil an.“

mehr ...

Investmentfonds

Die Halver-Kolumne: US-Wahl – So viel mehr als nur eine normale Wahl

Der politische Höhepunkt 2020 steht kurz bevor und die Börsen sind nervös. Aufgrund der unterschiedlichen Ausrichtung der US-Präsidentschaftskandidaten kann man getrost von einer Richtungswahl sprechen. Besonders spannend sind die Fragen, ob bzw. wann es einen Sieger gibt, ein knappes Ergebnis überhaupt akzeptiert oder sogar als Wahlbetrug bezeichnet wird. Die Halver-Kolumne

mehr ...

Berater

Alexander Schlichting wird Vorstands-Chef der Project Beteiligungen AG

Der Aufsichtsrat der Project Beteiligungen AG hat Alexander Schlichting (45) mit Wirkung zum 26. Oktober 2020 zum Vorstandsvorsitzenden ernannt. Ottmar Heinen ist “infolge divergierender Ansichten” ausgeschieden. Gleichzeitig verstärkt sich die für den Publikumsvertrieb verantwortliche Project Vermittlungs GmbH mit Christian Grall (34) als weiterem Geschäftsführer.

mehr ...

Sachwertanlagen

Isaria verkauft zwei Wohnanlagen in München an DWS-Spezialfonds

Die Münchner Isaria hat insgesamt 219 Wohnungen für 119,2 Millionen Euro an den Vermögensverwalter DWS für einen institutionellen Spezialfonds veräußert. Das Projekt wird die mittlerweile zur Deutschen Wohnen gehörende Isaria München Projektentwicklungs GmbH im Auftrag der Isaria Wohnbau AG schlüsselfertig erstellen.

mehr ...

Recht

 Pfandkredit: Das schnelle Geld aus dem Pfandleihhaus 

Laut dem Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes (ZdP) werden jährlich über 630 Millionen Euro an Krediten von rund 250 Mitgliedsbetrieben ausbezahlt. Die etwa eine Million Kunden, die diese unbürokratischen Blitz-Kredite nutzen, kommen aus allen Schichten. In Corona-Zeiten boomt das Geschäft mit Pfandkrediten. Für wen sich eine Pfandleihe lohnt?

mehr ...