Börsenfusion auf der Kippe – LSE-Aktionäre stimmen ab

Der geplante Zusammenschluss der Börsen von Frankfurt und London steht nach dem Nein der Briten zur EU auf der Kippe. Dass London wie vorgesehen rechtlicher Hauptsitz der neuen europäischen Superbörse wird, wird immer unwahrscheinlicher.

Der Zusammenschluss der Deutschen Börse und der London Stock Exchange steht auf der Kippe.
Der Zusammenschluss der Deutschen Börse und der London Stock Exchange steht auf der Kippe.

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) wollen ihr Fusionsvorhaben zwar nicht vom Brexit-Votum durchkreuzen lassen. Doch die Hürden sind höher geworden. Als eine der niedrigsten gilt noch die Abstimmung der LSE-Aktionäre bei einer außerordentlichen Hauptversammlung an diesem Montag (4. Juli).

Brexit erschwert möglichen Londoner Hauptsitz

Dass die europäischen Aufsichtsbehörden einen Sitz außerhalb der EU nicht genehmigen werden, sei spätestens mit der klaren Positionierung der deutschen Finanzaufsichtsbehörde Bafin klar, sagen Insider. Deren Chef Felix Hufeld hatte erklärt, der wichtigste Börsenplatz im Euroraum könne nicht von einem Standort außerhalb der EU gesteuert werden. Die Bafin hat bei der Kontrolle des Zusammenschlusses zwar kein direktes Vetorecht, gilt aber als wichtiger Ratgeber.

Die Politik in London müsse nun ihre Forderung aufgeben, dass der rechtliche Hauptsitz des fusionierten Konzerns in der britischen Hauptstadt sein muss, heißt es in Verhandlungskreisen. Andernfalls sei der Deal tot.

Deutsche Börse soll 54 Prozent Anteil an neuer Firma erhalten

Deutsche Börse und LSE hatten sich im März auf den milliardenschweren Zusammenschluss geeinigt. Die Deutsche Börse soll mit gut 54 Prozent die Mehrheit halten. Das Tagesgeschäft soll wie bisher von den beiden Zentralen in Eschborn bei Frankfurt sowie London gesteuert werden.

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Dass die Dachgesellschaft ihren rechtlichen Sitz in London haben soll, war nach Angaben der Deutschen Börse eine ausdrückliche politische Vorgabe der Regierung von Premierminister David Cameron. Dieser hat nach der Niederlage bei der Brexit-Abstimmung seinen Rücktritt für Oktober angekündigt.

Am 23. Juni hatten knapp 52 Prozent der Briten dafür gestimmt, dass Großbritannien als erstes Land überhaupt die Europäische Union verlässt. Die Kritiker eines Börsen-Hauptsitzes in London hoffen nun, dass Frankfurt das Rennen machen wird. (dpa-AFX)

Foto: Shutterstock

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