31. Mai 2017, 07:18
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Digitalisierung erhöht das Risiko von Fehlinvestitionen

Technologischer Wandel beeinflusst die Finanzwelt mehr als man denkt: Es geht nicht nur um die Bloomberg-Terminals, Online-Banking und Fintech-Unternehmen. Es geht auch darum, wie Ideen und Nachrichten in der heutigen Welt verarbeitet und verbreitet werden. Je mehr sich die Gesellschaft in Gruppen segregiert, die nicht mehr mit einander kommunizieren, desto höher ist das Risiko von Herdenverhalten und Fehlinvestitionen. Um dies zu vermeiden – Diversity is Key! Ein Gastkommentar von Karsten Junius, Bank J. Safra Sarasin

JuniusSarasin in Digitalisierung erhöht das Risiko von Fehlinvestitionen

Karsten Junius empfiehlt den regelmäßigen Austausch aller gesellschaftlichen Gruppen, um einen risikoreichen Herdentrieb zu verhindern.

Die heutigen technologischen Fähigkeiten “Big Data” zu sammeln und zu verarbeiten, ermöglicht die Bereitstellung von sehr spezialisierten und personalisierten Dienstleistungen. Einzelhändler können Bücher und Musik nach dem individuellen Geschmack ihrer Kunden anbieten. Medienunternehmen können sich auf bestimmte Zielgruppen spezialisieren und bieten “News-Feeds”, die ihren Lesern gefallen. Die Vorteile sind klar – wer liest schon gerne Nachrichten, die irrelevant oder unerwünscht sind. All dies hat aber einen wichtigen Nachteil: Wir werden so zunehmend hauptsächlich von Gleichgesinnten umgeben, unseren Social-Media-Freunden und Followern, von denen wir lesen und hören, was unsere Überzeugungen bestätigt. Infolgedessen können verschiedene Gesellschaftsgruppen völlig unterschiedliche Nachrichten erhalten und untereinander diskutieren.

Das fehlende Wissen in Bezug auf andere Überzeugungen ist nachteilig

Die persönlichen gesellschaftlichen Überschneidungen, die in der nicht-digitalen Welt üblich waren, werden seltener. So sind beispielsweise in den USA diejenigen, die Fox News anschauen und Breitbart lesen, viel seltener den Nachrichten und Argumenten ausgesetzt, die auf NPR, CNN, dem Wallstreet Journal oder der Washington Post zu finden sind und umgekehrt. Nicht mit anderen Überzeugungen und Informationen konfrontiert zu sein, hat klare Nachteile: 1. Es macht Produktivitätswachstum schwieriger, da in spezialisierten Gruppen lebende und arbeitende Personen weniger von anderen lernen können. 2. Politische Kompromisse werden schwieriger, je weniger unterschiedliche Gruppen im öffentlichen Raum miteinander kommunizieren. 3. Herdenverhalten an den Finanzmärkten wird wahrscheinlicher, wenn die Anleger nur von ähnlich denkenden Kollegen umgeben sind.

Bewertung alternativer Szenarien kann profitabel sein

Ein Beispiel dafür ist, dass die meisten Finanzmarktteilnehmer die Wahrscheinlichkeit von Brexit und Trump kollektiv unterschätzt haben. Viele haben auch später nicht geglaubt, dass die britische Regierung wirklich Artikel 50 auslöst, und Trump die Politik verfolgt, die er im Wahlkampf versprochen hat. Stattdessen dachten viele, dass das Vereinigte Königreich sofort in eine Rezession fallen und die Wahl Trumps zu großen Verlusten an den Finanzmärkten führen würde. Offensichtlich hätte ein besseres Verständnis, wie alternative Szenarien zu bewerten sind, hohe Gewinne ermöglicht.

Wie lässt sich das erreichen? Mit bewusst gelebter Vielfalt. Investoren, die sich auf die Anregungen und die Kritik eines vielfältigeren Arbeitsumfeldes verlassen können, haben auf den Finanzmärkten enorme Vorteile gegenüber denjenigen, die in sehr homogenen Gruppen bleiben. Es lohnt sich daher bei fortschreitender Digitalisierung Teams in Bezug auf Alter, Geschlecht, kulturellem Hintergrund, politischer Überzeugungen und persönliche Erfahrungen möglichst unterschiedlich zusammen zu setzen.

Karsten Junius ist Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin AG.

Foto: Bank J. Safra Sarasin

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Zurich baut nachhaltige Altersvorsorge aus

Zukünftig wird es immer wichtiger, verantwortungsbewusst zu investieren. Umweltsünder und Firmen, die nicht ethisch und sozial korrekt geführt werden, fallen durch das Raster. Zum Wohle der Gesellschaft, aber vor allem auch zum Wohle einer nachhaltigen Altersvorsorge. Die Zurich Gruppe verfolgt schon lange diesen Ansatz und bietet entsprechende Produkte an, die Anfang des Jahres noch einmal mit einem neuen Leistungsmerkmal ausgestattet wurden.

mehr ...

Immobilien

Renovieren: BGH nimmt Vermieter und Mieter in die Pflicht

Langjährige Mieter können ihren Vermieter zum Renovieren verpflichten, müssen sich aber an den Kosten beteiligen. Voraussetzung ist außerdem, dass sich der Zustand der Wohnung seit Einzug deutlich verschlechtert hat.

mehr ...

Investmentfonds

ESG gewinnt durch die Corona-Pandemie

Die Regulierung und Coronakrise rücken ESG-Investments weiter in den Fokus der Anleger. Sind sie die bessere Anlage? Ein Gastbeitrag von Dr. Harald Glander und Daniel Lühmann von der Wirtschaftskanzlei Simmons & Simmons

mehr ...

Berater

Wie lange hält Urlaubsanspruch? Richter wenden sich an EuGH

Um über die Dauer von Urlaubsansprüchen bei Arbeitnehmern mit Langzeitkrankheit urteilen zu können, hat das Bundesarbeitsgericht den Europäischen Gerichtshof um eine Vorabentscheidung gebeten.

mehr ...

Sachwertanlagen

Zweitmarkt: Umsatz gestiegen, Kurse gefallen

Die Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG verzeichnet im Juni bezüglich der Anzahl der Transaktionen und des Nominalumsatzes eine leichte Belebung des Zweitmarkts für geschlossene Fonds. Der Durchschnittskurs sank hingegen zum dritten Mal in Folge.

mehr ...

Recht

Weiterbildung in Zeiten von Covid-19

Die Corona-Pandemie hat das Interesse der Versicherungsvermittler an der Nutzung der Möglichkeiten digitaler Weiterbildung gesteigert, um so sicherzustellen, dass das gesetzliche Pflichtsoll von mindestens 15 Stunden Weiterbildungszeit pro Jahr erfüllt wird. Doch nicht jedes Webinar erfüllt die Voraussetzungen, die für eine Anrechenbarkeit im Rahmen der gesetzlichen Weiterbildungspflicht gefordert sind. Gastbeitrag von Rechtsanwalt Jürgen Evers

mehr ...