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25. Juli 2018, 08:38
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Drohende Wolken am Horizont

Das Gespenst eines Handelskrieges schwebt seit Wochen über den Märkten, ohne sie jedoch ernsthaft aus der Bahn zu werfen. Die Berichtssaison der Unternehmen, die nach den USA nun auch in Europa beginnt, ließ hoffen, dass die Nachrichten aus den Unternehmen zeitweilig die Oberhand über Geopolitik und Makroökonomie gewinnen könnten. Letztlich ist dies aber nicht wirklich der Fall.

Olivier-de-Berranger-Kopie in Drohende Wolken am Horizont

Olivier de Berranger, La Financière de L‘Echiquier: “Geopolitik ist nicht vom Steuerruder der Märkte zu verdrängen.”

Sicherlich haben die Unternehmenszahlen die Aktienmärkte belebt. Dies gilt vor allem für die Schwergewichte aus den USA: Nach ersten durchwachsenen Zahlen aus dem Bankensektor wurden die Ergebnisse von Bank of America, Goldman Sachs und Morgan Stanley positiv aufgenommen. Den gleichen Kontrast gab es im Technologiesektor: Netflix, dessen Abonnentenzahlen erstmals enttäuschten, geriet ebenso wie Ebay, das seine Prognosen nach unten korrigierte, schwer unter Beschuss. Microsoft überraschte dagegen besonders wegen seiner Cloud-Aktivitäten positiv, und auch IBM gab keinen Grund mehr zur Sorge. Insgesamt wurden die Enttäuschungen stärker abgestraft, als die schönen Überraschungen positiv aufgenommen wurden.

Lage in Europa mit jener in den USA vergleichbar

Ähnlich ist die Lage in Europa: Die guten Ergebnisse von SAP und Alstom wurden von den Märkten nicht “abgekauft”, wohingegen Publicis und Stora Enso unter Druck gerieten. Das Phänomen ist bei Small und Mid Caps noch ausgeprägter. Die schlechten Ergebnisse von Husqvarna und Dormakaba sowie die Gewinnwarnung von Wessanen ließen diese Titel um mehr als 15 Prozent einbrechen. Dieser seit einigen Quartalen zu beobachtende Trend an den Märkten scheint sich zu verstärken.

Abwertung des US-Dollar

Die Geopolitik stellt jedoch weiterhin eine Bedrohung dar. Durch seine Kritik an der Geldpolitik der US-Notenbank Fed und seinen Wunsch nach einem schwächeren US-Dollar sorgte US-Präsident Trump für eine Abwertung des Greenback, während die Äußerungen des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell vor dem Parlament noch zu einer Aufwertung geführt hatten. Donald Trump sorgte vor allem gegen Ende der vergangenen Woche mit seinen Aussagen über die möglichen Strafzölle auf chinesische Importe für Aufsehen. Es könnte hier um Waren im Wert von rund 500 Milliarden US-Dollar gehen.

Zu alledem kam auch noch das hektische Umfeld in Asien hinzu: Nach der Veröffentlichung einiger leicht unter den Erwartungen liegender Konjunkturindikatoren zu Beginn der vergangenen Woche setzt China mit jedem weiteren Fixing die Abwertung des Yuan fort.

EU-Freihandelszone mit Japan

Europa sieht dem jedoch nicht tatenlos zu. Während Jean-Claude Juncker im Vorfeld seines Treffens mit Donald Trump an diesem Mittwoch Entschlossenheit zeigt, festigt die Europäische Kommission die
Bande mit ihren anderen Handelspartnern. So wurde offiziell die Errichtung einer riesigen Freihandelszone mit Japan verkündet.

Insgesamt war die vergangene Woche also recht ereignisreich. Auch wenn die Ergebnisse der Unternehmen das Augenmerk der Analysten auf sich zogen, waren sie nicht imstande, die Geopolitik vom Steuerruder der Märkte zu verdrängen.

Olivier de Berranger ist Chief Investment Officer und Enguerrand Artaz, Cross Asset Manager bei La Financière de L‘Echiquier.

Foto: La Financière de L‘Echiquier

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