28. November 2019, 18:13
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2020: Glamour- statt Zombieaktien

James Clunie, Jupiter Asset Management, über die guten Chancen für Glamour-Aktien im kommenden Jahr und den Niedergang von Zombietiteln.

Jupiter AM James Clunie-Kopie in 2020: Glamour- statt Zombieaktien

James Clunie, Jupiter

Der geplatzte Börsengang von WeWork, bei dem der Angebotspreis bis zur endgültigen Einstellung des IPOs stark gesenkt wurde, zeigt die veränderte Sensibilität der Anleger für Bewertungen. Es gab einen großen Unterschied zwischen dem, was der private Markt als Wert für WeWork ansah, und dem, was der öffentliche Markt bereit gewesen wäre zu zahlen. „Ich denke, wir haben einen Wendepunkt hinsichtlich Bewertungen erreicht”, sagte Jay Ritter, Finanzprofessor an der University of Florida. „Es gibt gerade einen Neustart. Der Verstand ist zurückgekehrt.”

Das Debakel um WeWork war schockierend genug, um die Denkweise des Marktes zu ändern. Andere wachstumsstarke, verlustbringende, kapitalfressende Unternehmen wie Uber, Lyft und Wayfair verzeichneten starke Kursverluste. Diese sogenannten „Zombie”-Aktien kommen wahrscheinlich nicht wieder. Ein solcher Wandel könnte Auswirkungen auf den breiteren Markt haben, der sich von Zombies zu Glamouraktien und vielleicht darüber hinaus zu anderen hochbewerteten Vermögenswerten ausdehnt.

Reflationärer Impuls

In den letzten Jahren haben sich deflationäre Ängste in den Köpfen der Anleger breit gemacht. Sogenannte „Bond-Proxy”-Aktien wie McDonalds oder Nestlé haben sich in diesem Umfeld gut entwickelt. Im Gegensatz dazu haben viele Value-Aktien schlecht abgeschnitten, weil sie befürchten, dass eine Deflation Unternehmen mit volatileren Umsätzen schaden würde, was ihr Risiko einer finanziellen Belastung erhöht.

Ein größerer Bedarf an finanzwirksamen Impulsen könnte einen Mentalitätswandel auslösen. So hat beispielsweise Christine Lagarde die Entwicklung eines EU-Finanzministeriums vorgeschlagen, das Geld schaffen könnte, um in großem Umfang grüne Anleihen zu kaufen. In Großbritannien kündigte Finanzminister Sajid Javid das Ende der Sparmaßnahmen an und beide großen Parteien befürworten höhere staatliche Ausgaben für Krankenhäuser, Transport, usw. Sogar die japanische Regierung hat über die Notwendigkeit von finanzwirksamen Impulsen diskutiert. Könnte Trump auch Pläne für die Steuerausgaben vor den Präsidentschaftswahlen 2020 bekannt geben? Eine solche reflationäre Politik könnte ein ausreichender Katalysator sein, um eine Rotation von Growth-Aktien hin zu Value-Titeln anzuregen.

Kontinentaler Vortrieb

Eine Reihe von Strategen und Politikern argumentieren, dass die USA und China in einen Großmachtwettbewerb eingetreten sind. Das ist ein strategischer Zug, der sich von den taktischen Handelskriegsstreitigkeiten des vergangenen Jahres unterscheidet. In solch einem „Kalten Krieg“ würden sich die Lieferketten für Industrieerzeugnisse voraussichtlich verlängern, einige Technologien würden zwangsläufig eingeschränkt, und beiden Seiten müssen sich doppelt so hart anstrengen. Der Informationsaustausch dürfte sich auch verringern. Die Gewinnmargen der Unternehmen würden durch diese Form der De-Globalisierung beeinträchtigt. Ganze Länder könnten schließlich gezwungen sein, sich für eine Seite zu entscheiden – man kann während eines “Kalten Krieges” nicht beiden Seiten gleichermaßen bedienen. Das Gleiche könnte für Unternehmen gelten. Am stärksten betroffen sein dürften diejenigen, die sowohl in China als auch in den USA bekannt und profitabel sind. Das sind oft Unternehmen mit herausragenden Marketingergebnissen – jene, die einen emotionalen Mehrwert für die Kunden darstellen, wie Apple oder Nike.

Ich vermute, dass solche Unternehmen gezwungen sein werden zu reagieren: Repräsentieren sie wirklich ihre tief empfundenen Werte oder wollen sie einfach nur Zugang zu allen Märkten? Ja, die Unternehmen werden sich anpassen und vielleicht eher auf produkttechnisches als auf emotionales Marketing umstellen, aber das ist nicht ihre erste Wahl. Es wird eine Weile dauern, aber einige Unternehmen, die derzeit als globale Gewinner gelten – und an der Börse als solche eingestuft werden – dürften aus Marketingsicht einigen Herausforderungen gegenübersehen.

Autor James Clunie ist Head of Strategy Absolute Return und Fondsmanager des Jupiter Global Absolute Return Sicav bei Jupiter Asset Management.

Foto: Shutterstock

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