11. Juli 2019, 10:45
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ETF: Was passiert, wenn alle gleichzeitig verkaufen?

Angesichts der jüngsten Entwicklungen in der britischen Fondsindustrie macht sich der ein oder andere Anleger wieder vermehrt Sorgen um die Liquiditätslage. Und wie nicht anders zu erwarten wäre, sind dabei auch börsengehandelte Fonds (ETFs) wieder ins Visier der Kritiker gekommen. Wie ETFs Anlegern in turbulenten Zeiten Flexibilität und Markttransparenz bieten können. Ein Kommentar von Jason Xavier, Head of EMEA ETF Capital Markets bei Franklin Templeton. 

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Bei meinen Treffen mit Investoren höre ich häufig Bedenken, dass die Präsenz börsengehandelter Fonds (ETFs) Volatilität an den Märkten verschärfen kann.

Was bereits vergessen ist

Den vorgetragenen Argumenten zufolge lösen ETFs durch die Tatsache, dass sie Anlegern eine bequeme und transparente Möglichkeit bieten, in den Markt einzusteigen oder diesen zu verlassen, eine Abwärtsspirale aus, wenn viele Anleger beschließen, sich gleichzeitig aus dem Markt zurückzuziehen.

Allerdings gibt es ein paar Dinge, die hierbei in Vergessenheit geraten sind. Marktverwerfungen gab es schon lange bevor die ersten ETFs aufgelegt wurden.

So gab es beispielsweise weder beim Wall Street-Crash des Jahres 1929 noch am „Schwarzen Montag“ des Jahres 1987 ETFs. Auch zu Zeiten der globalen Finanzkrise der Jahre 2008-2009 waren noch kaum ETFs vorhanden.

Mehrere Liquiditätsebenen

Die jüngsten weithin beachteten Entwicklungen in der britischen Investmentlandschaft haben neuerliche Fragen über Liquiditätsrisiken aufgeworfen.

Natürlich sind ETFs in Phasen erhöhter Belastungen ähnlichen Marktrisiken ausgesetzt wie andere Vermögenswerte.

Allerdings sorgt die Struktur der ETFs für zusätzliche Liquiditätsebenen, und in Realität sollte es durch sie weniger wahrscheinlich werden, dass Anleger auf Vermögenswerten sitzenbleiben, die sie im Fall von Marktturbulenzen nicht liquidieren können.

Bei einem herkömmlichen Investmentfonds stammt die Liquidität ausschließlich vom Fonds selbst. ETFs hingegen bieten mehrere Liquiditätsebenen über sowohl den Primär- als auch den Sekundärmarkt.

Was, wenn sich kein Käufer findet?

Ganz einfach formuliert: Anleger haben die Option, ihre ETF-Anteile im Rahmen eines sogenannten Sekundärmarktgeschäfts einem anderen Anleger anzubieten.

Aber was, wenn sich kein williger Käufer findet? Genau da macht die Struktur eines ETFs den Unterschied. Wie wir bereits in einem früheren Artikel erläutert hatten, ist eine der zentralen Eigenschaften eines ETFs die Tatsache, dass das Angebot an Anteilen flexibel ist.

Sollten sich also keine bereitwilligen Käufer finden, kann ein ETF-Anleger immer noch die Möglichkeit haben, seine Anteile an einen befugten Teilnehmer zu verkaufen, der im Grunde genommen Primärmarktliquidität bietet.

Demokratisierung der Investmentlandschaft

Unserer Einschätzung nach bewegen fundamentale makroökonomische, geopolitische und idiosynkratische, spezifische Risiken die Märkte sehr viel stärker als ETFs. Dementsprechend spielen sie auch bei Marktverwerfungen eine sehr viel größere Rolle.

Märkte sind irrational und sind schon immer gestiegen und gefallen. Dieses Phänomen wurde nicht erst durch die Ankunft von ETFs verursacht. Während der letzten 100 Jahre haben wir zahlreiche Fälle erlebt, in denen auf überschwängliche Bullenmärkte Kursrückgänge und Bärenmärkte gefolgt sind.

ETFs bieten Transparenz, Freiheit und Zugang 

ETFs haben die Investmentlandschaft verändert, indem sie so gut wie alle Aspekte des Anlageprozesses demokratisiert haben, unter anderem auch den Zugang zu Anlageklassen, die Preisfindung, den Handel, das Market Timing und sogar die Volatilität selbst.

ETFs bieten Endanlegern umsetzbare Transparenz, Freiheit und Zugang, so dass sie auf Grundlage ihrer Überzeugungen handeln können – genau so, wie es professionelle Marktteilnehmer wie Hedgefonds-Manager, Händler, Anlageverwalter oder Börsenmakler schon seit vielen Jahren tun.

Foto: Shutterstock

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