USA: Mehr Volatilität durch sinkende Unternehmensgewinne

Das Handelsabkommen zwischen den USA und China steht auch in dieser Woche im Fokus der Investmentbanker. Eine der Fragen, die derzeit Interesse weckt, lautet: Wie wird der amerikanische Markt reagieren? Dieser Frage geht Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, in seinem Gastbeitrag auf den Grund.

Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management: „China hat den Bogen überspannt.“

Rückläufige Gewinne werden oft als Anzeichen für eine dann folgende Korrektur an den Aktienmärkten gedeutet. Auf den ersten Blick mag das einleuchtend klingen, tatsächlich sind die Zusammenhänge jedoch komplizierter. Denn:

Investoren müssten schon irrational handeln, um nicht aus der Vergangenheit zu lernen. Sinkende Erträge ergeben sich aus höheren Löhnen und höheren Kapitalkosten im Verhältnis zu den Umsätzen.

In einer späteren Phase des Konjunkturzyklus begünstigt eine Wirtschaft, die sich oberhalb der Produktionslücke befindet, tendenziell den Arbeitsmarkt, während die Geldpolitik in einem solchen Fall typischerweise straffer ist.

Ausgereifte Sektoren sind weniger anfällig für vorübergehende Verluste

Die Frage ist vor diesem Hintergrund, ob die US-Notenbank Fed entscheidend zu einer weichen Landung beitragen kann oder ob ein Störfall wie das Platzen einer Blase bevorsteht. Aktien dürften grundsätzlich eine Delle bei den Unternehmensgewinnen durchstehen, da Investoren den größeren Konjunkturzyklus im Blick behalten.

Wachstumsstarke Sektoren reagieren aufgrund des hohen Diskontierungssatzes der Cashflows jedoch sehr empfindlich auf temporäre Ertragsrückgänge. Ausgereifte Sektoren wiederum sind unter denselben Gegebenheiten weniger anfällig für vorübergehende Verluste. Die Frage bleibt also: Ist es rational, dass der Markt eine sanfte Landung der Wirtschaft ab 2020 erwartet? Die Chancen stehen offenbar gut.

Aussagekraft: Begrenzt

Im ersten Quartal 2019 haben wir gesehen, dass die Unternehmensgewinne nicht nur unter Druck geraten, sondern zurückgegangen sind. In der gleichen Zeit waren Aktien stark nachgefragt, da die Fed eine längere Pause einlegte. Dabei ist wichtig zu bedenken: Unternehmensgewinne sind oft rückwärtsgewandt und werden von den Unternehmen gesteuert.

Seite 2: Warum China den Bogen überspannt hat

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