18. Februar 2020, 23:23
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

China: Vom Schwarzen Schwan zum Seeungeheuer?

Wird sich der einfache Schwarze Schwan namens Coronavirus als Seeungeheuer entpuppen, das immer wieder auftaucht und die Volatilität an den Börsen nachhaltig beeinflussen könnte? Ein Gastbeitrg von Olivier de Berranger, Chief Investment Officer, und Enguerrand Artaz, Fondsmanager, La Financière de l‘Échiquier.

China in China: Vom Schwarzen Schwan zum Seeungeheuer?

In Sachen Coronavirus brach am vergangenen Montag eine entscheidende Woche an. Einerseits warf das Ende der wegen der Epidemie verlängerten freien Tage zum chinesischen Neujahrsfest die Frage auf, ob insbesondere in der Industrie die Arbeit wiederaufgenommen würde. Andererseits konnte nach zwei Wochen, also der vermuteten Inkubationszeit des Virus, die Wirksamkeit der Sicherheitsmaßnahmen geprüft werden.

Durchwachsene Bilanz:In den ersten Tagen der vergangenen Woche verlangsamte sich der Anstieg der neuen Infektionsfälle. Damit scheint sich die Zweckmäßigkeit der in China und weltweit getroffenen Kontrollmaßnahmen zu bestätigen. Die Wirtschaft lief zwar wieder an, doch nur sehr schleppend. Davon zeugt nicht zuletzt das geringe Verkehrsaufkommen in den chinesischen Großstädten. Zwar wird durch die massive Nutzung von Telearbeit insbesondere im Dienstleistungsbereich eine deutlichere Erholung ermöglicht, jedoch muss sich der Industriesektornoch gedulden. Foxconn, einer der wichtigsten Zulieferer von Apple, rechnet bis Ende des Monats mit einer Auslastung seinerKapazitäten von bestenfalls 50Prozent und 80Prozentim März.

Trotz dieser spürbaren Dämpfer reichte das Ausbleiben einer echten negativen Überraschung für eine deutliche Erholung an den Märkten für Risikoanlagen. DieKursgewinne sind angesichts der großen Unsicherheit jedoch Ausdruck einer gewissen Selbstgefälligkeit. Zum einen ist da die Unsicherheit im Hinblick auf das Virus selbst. DieWeltgesundheitsorganisation WHO zeigte sich über die Verbreitung des Virus außerhalb Chinas besorgt und fürchtet, dass „nur die Spitze des Eisberges“ zu sehen ist. Zum anderen könnte die Inkubationszeit gemäß einer von chinesischen Staatsmedien zitierten Studie 24 Tage betragen (statt der bisher geschätzten 14 Tage). Vor allem aber ließ die Anwendung einer neuen Testmethode in der Provinz Hubei am Donnerstag die Anzahl der neuen Infektionsfälle um 15.000 in die Höhe schnellen. Dies nährt die Zweifel an den von den chinesischen Behörden seit Beginn der Epidemie veröffentlichten Zahlen, die im Verdacht stehen, zu niedrig angesetzt worden zu sein.

Vortasten der Politik:Während die lokalen Behörden von Peking an den Pranger gestellt und zwei Vertraute von Xi Jinping in Schlüsselpositionen berufen wurden (an die Spitze der Provinz Hubei und in die Parteiführung in der Stadt Wuhan), beklagen die USA überLarry Kudlow, den Wirtschaftsberater des Weißen Hauses,die „mangelnde Transparenz Chinas“. Es kamen sogar Zweifel an der Objektivität derWHO in der Frühphase der Epidemie auf, denn China ist weltweit zweitgrößterBeitragszahler der Institution.

Wirtschaftliche Unsicherheit:Diese Entwicklungen scheinen zwar allseits bekannt, beherrschen jedoch trotz allem den Blick auf die Berichtssaison der Unternehmen. Eine systematische Befragung zum Coronavirus ergab, dass die meisten Unternehmen gewisse Auswirkungen auf ihre Ergebnisse 2020 erwarten, auch wenn sie diese nicht konkret beziffern können. Entsprechend scheinen die soliden Ergebnissedes letzten Quartals 2019 bereits einer fernen Vergangenheit anzugehören, und auch die Ausblicke für 2020 sowie die Ergebnisprognosen wirken wenig stichhaltig und sogar überholt.

Angesichts all dieser Zweifel zeichnet sich ein Umfeld ab, in dem der einfache Schwarze Schwan namens Coronavirus sich als Seeungeheuer entpuppen könnte, das bei der Veröffentlichung von gesamtwirtschaftlichen und Unternehmensdaten immer wieder auftauchen und die Volatilität befeuern wird. Doch dies bringt die Märkte, die nach wievor davon ausgehen, dass die Zentralbanken jede Schwäche ausbügeln werden, offenbar nicht aus der Ruhe.

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Versicherer kommen Kunden in der Krise entgegen

Gegen eine Pandemie sind nur sehr wenige Unternehmen versichert. Privatbürger haben zwar ihre Krankenversicherung, aber keinen Schutz gegen Einkommensverluste. In dieser Lage wollen führende Unternehmen der Branche großzügig sein.

mehr ...

Immobilien

DIC Asset senkt wegen Corona-Krise Gewinnprognose – Dividende bleibt

03Die Immobiliengesellschaft Dic Asset rechnet im laufenden Jahr wegen der Auswirkungen der Corona-Krise nicht mehr mit einer Gewinnsteigerung im Vergleich zu 2019. Die branchenübliche Kennziffer FFO (Funds from Operations) werde 2020 zwischen 94 und 96 Millionen Euro liegen, teilte das Unternehmen am späten Freitagabend in Frankfurt mit. Bisher hatte DIC Asset mit 104 bis 106 Millionen Euro gerechnet. Im Vorjahr waren hier 95,0 Millionen Euro erzielt worden.

mehr ...

Investmentfonds

Corona-Lockdown: Wie der Exit gelingen kann

Die Corona-Krise trifft alle: Um die Verbreitung des Virus zu bremsen, hat Deutschland sich umfassende Beschränkungen auferlegt. Sie tragen dazu bei, dass viele Menschen und Firmen um ihre ökonomische Zukunft fürchten. Die Politik muss deshalb zweierlei schaffen: Einerseits die Gesundheit der Bürger so weit wie möglich schützen und sie andererseits vor noch größeren volkswirtschaftlichen Schäden bewahren, die letztlich zu gesellschaftlichen werden. In diesem Kontext werden Wege aus dem Lockdown debattiert – das IW hat einen entsprechenden Exit-Plan entwickelt. Ein Beitrag von Professor Dr. Michael Hüther, Direktor und Mitglied des Präsidiums, und Dr. Hubertus Bardt, Geschäftsführer und Leiter Wissenschaft.

mehr ...

Berater

DIN-Norm 77230: Prüfungen jetzt online möglich

Wegen der Coronakrise bietet das Defino Institut für Finanznorm Prüfungen für die Zertifizierung zum “Spezialisten für die private Finanzanalyse – DIN 77230” ab sofort auch im Online-Verfahren an.

mehr ...

Sachwertanlagen

BVT schließt institutionellen US-Fonds und investiert erneut in Boston

Die BVT Unternehmensgruppe, München, hat über ihre Kapitalverwaltungsgesellschaft Derigo für den von ihr verwalteten geschlossenen Spezialfonds BVT Residential USA 12 die dritte Investition vorgenommen. Ein Nachfolge-Spezialfonds ist geplant.

mehr ...

Recht

Homeoffice: Der richtige Versicherungsschutz für Laptop und Co.   

Um in der Heimarbeit effektiv und produktiv arbeiten zu können, bedarf es der richtigen Grundausstattung. Hier stehen Arbeitgeber in der Pflicht, ihren Mitarbeitern alle notwendigen Arbeitsmittel zur Verfügung zu stellen. Welcher Mitarbeiter benötigt neben Laptop oder PC noch ein Headset oder gar einen Multifunktionsdrucker? Welche Software wird benötigt, um einen reibungslosen Kommunikationsfluss zu schaffen? Ein Überprüfen der bisherigen Arbeitsprozesse schafft hierbei Klarheit über die bereits vorhandenen Grundvoraussetzungen sowie fehlendes Equipment.

mehr ...