3. Juli 2019, 12:00
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Europäische Aktien: Anzeichen für Erholung rechtfertigen ausgewogene Positionierung

Der europäische Aktienmarkt hat sich im ersten Halbjahr 2019 sehr gut entwickelt, obwohl er durch eskalierende Handelsstreitigkeiten, ein nachlassendes Wirtschaftswachstum, sinkende Gewinnerwartungen und politische Herausforderungen Gegenwind erfuhr. Was können wir für die zweite Jahreshälfte erwarten? Ein Kommentar von Maarten Geerdink, Head of European Equities bei NN Investment Partners.

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Aus Sicht von NN Investment Partners (NN IP) haben die europäischen Unternehmensgewinne ihren Tiefstand erreicht. Das Momentum hat sich stark verbessert, und unsere Gewinnwachstumsprognose für das Gesamtjahr ist von 4,4% Anfang Juni auf aktuell 4,7% gestiegen. Die Aussichten für die Unternehmensmargen sind nach wie vor unsicher:

Ermüdungserscheinungen bei Unternehmensmargen

Sie haben sich zwar gut erholt, zeigen aber Ermüdungserscheinungen. Das Umsatzwachstum ist der wichtigste Treiber dieser Margen, da es steigende Rohstoffpreise und Löhne ausgleicht. In dieser Hinsicht sind ein besserer Makroausblick und eine größere Preismacht der Unternehmen erforderlich.

Erfreulicherweise sind die jüngsten Daten des Einkaufsmanagerindex (EMI) für Europa ermutigend und die Binnenwirtschaft bleibt robust. Europa ist jedoch aufgrund seiner Exportabhängigkeit anfällig gegenüber der Entwicklung des Welthandels.

Geldpolitik und Ertragsstabilisierung sind entscheidend für die Aktienperformance

NN IP behält die Geldpolitik genau im Auge. Im Juni deuteten sowohl die EZB als auch die US-Notenbank auf mögliche Zinssenkungen ab Juli hin. Für europäische Aktien ist dies ein zweischneidiges Schwert, da ein länger anhaltendes Niedrigzinsumfeld dem Finanzsektor, der 18% des Index ausmacht, Gegenwind beschert.

Als „Value“-Markt schneidet Europa am besten ab, wenn sich die globalen Wachstumsaussichten verbessern und die Renditen steigen. Dennoch sind Zinssenkungen notwendig, um die langfristigen Stagnationsängste zu bekämpfen, die Japan seit vielen Jahren beherrschen und die die Risikoprämien von Aktien in die Höhe getrieben haben, nämlich auf 7,6% in Japan im Vergleich zu 6,8% in Europa.

Stabilisierung der Gewinne und lockere Geldpolitik sind Bewertungstreiber

Die Stabilisierung der Gewinne und eine lockere Geldpolitik sind entscheidende Bewertungstreiber. Absolut gesehen notiert der europäische Markt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 15 mit einem Abschlag von 12% gegenüber dem langjährigen Durchschnitt. Im Vergleich zu globalen Aktien liegt dieser Abschlag bei knapp 15%. In den vergangenen 20 Jahren ist ein so hoher Abschlag nur in Rezessionszeiten aufgetreten.

Schwache Daten scheinen also bereits eingepreist zu sein. Die Kombination aus einem besseren Gewinnausblick und gemäßigteren Zentralbanken könnte die Bewertungen nach unten begrenzen oder sogar nach oben treiben. Zu guter Letzt sind die Anleger nicht sonderlich stark in Europa gewichtet, was den Markt im zweiten Halbjahr unterstützen kann.

Innenpolitische Unsicherheit hat Stimmung und Risikobereitschaft belastet

Die durch den Handel und die Innenpolitik hervorgerufene Unsicherheit hat die Stimmung und Risikobereitschaft belastet, wobei sich die Anleger vor allem auf defensive Sektoren konzentrieren und nicht auf wachstumsorientierte zyklische Sektoren. Dies bedeutet, dass in diesen Segmenten, die 62% des Marktes einschließlich Finanzen ausmachen (44% ohne Finanzen), Aufwärtspotenzial besteht, wenn die Konjunktur Fahrt aufnimmt.

Maarten Geerdink, Head of European Equities bei NN Investment Partners: „In unseren europäischen Dividendenstrategien behalten wir derzeit eine ausgewogene Positionierung in Bezug auf zyklische und defensive Titel bei, da wir erst eine Bestätigung für verbesserte wirtschaftlichen Rahmenbedingungen benötigen, bevor wir unsere Ausrichtung auf zyklische Titel erhöhen. Im defensiven Bereich meiden wir die sehr teuren Luxuswerte und langlebigen Konsumgüteraktien sowie anleiheähnliche Papiere (Lebensmittelproduzenten und regulierte Versorger). Statt dessen konzentrieren wir uns auf die preislich attraktiveren defensiven Segmente, wie z.B. gewisse Grundbedarfsgütertitel (z. B. Lebensmitteleinzelhändler Ahold Delhaize ) und Pharmaunternehmen (z. B. Roche und Sanofi). Im zyklischen Bereich sehen wir Chancen in höherwertigen Unternehmen mit Turnaround-Potenzial. Qualitativ hochwertige Unternehmen wie Siemens, Prysmian, Covestro und CRH sollten unserer Meinung nach von besseren Makrobedingungen profitieren. Sie werden aber auch von verbesserten unternehmensspezifischen Faktoren vorangetrieben, die Wertpotenzial freisetzen können.”

Anlegerstimmung ist nicht überschwänglich 

Die allgemeine Anlegerstimmung ist nicht überschwänglich, es bedarf einer größeren Klarheit in Bezug auf die politischen Risiken (Italien und der Brexit könnten noch einige Monate ein Thema sein) und Makrodaten, um die jüngsten zarten Anzeichen für eine Konjunkturerholung zu bestätigen. Sollten diese Anzeichen in den kommenden Monaten deutlicher zutage treten, sehen wir vielversprechende Aussichten in wachstumsorientierten zyklischen Branchen wie Industrie oder Werkstoffe. Weitere fiskalische Impulse in Europa würden als zusätzlicher Katalysator zur Stärkung der Märkte fungieren.

 

Foto: Shutterstock

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