15. Oktober 2019, 10:34
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Man weiß nie, was noch kommt

Das Risiko, was Anleger derzeit am meisten fürchten, ist zweifellos das Risiko einer weltweiten Rezession. Befürchtet wird, dass das Wachstum in einigen Quartalen abrupt zum Stillstand kommen könnte. Ein Kommentar von Olivier de Berranger, Chief Investment Officer, und Clément Inbona, Fondsmanager, La Financière de l‘Echiquier.

AOlivier-de-Berranger HD-Kopie in Man weiß nie, was noch kommt

Olivier de Berranger, Chief Investment Officer und Enguerrand Artaz, Fondsmanager – La Financière de L‘Echiquier

Diese Hypothese kann sich auf zahlreiche besorgniserregende Argumente stützen: Stillstand oder Eskalation im Konflikt zwischen den USA und China, eine Rezession im verarbeitenden Gewerbe, die auf den Dienstleistungssektor übergreifen könnte, eine Verlangsamung des Produktivitätszuwachses trotz einer Welle technologischer Innovationen oder auch ein Platzen der durch die Negativzinsen aufgeblähten Blasen. Man weiß nie, was noch kommt. Wüsste man es, würden die Aktienkurse dies bereits abbilden.

Handelskonflikt nimmt entscheidende Stellung ein

Betrachten wir umgekehrt das Szenario einer Erholung des Wachstums: Statt das Glas als halb leer zu sehen, konzentrieren wir uns auf die erforderlichen Bedingungen für einen raschen Anstieg des weltweiten Wachstums und die Folgen für die großen Asset-Klassen.

Vor allem durch einen günstigen Ausgang des Handelskonflikts zwischen China und den USA könnte auf der Unternehmensseite wieder mehr Vertrauen entstehen. Ein Teilabkommen oder eine umfassendere Einigung könnte beträchtliche Investitionen bewirken, denn die Unternehmen hätten eine größere Klarheit und könnten langfristige Ausgaben planen.

Risikoprämien erscheinen begrüßenwert

Zudem könnten die Zentralbanken mithilfe ihrer Liquiditätsspritzen die Inflation anheizen. Dies würde den Unternehmen mit Preissetzungsmacht die Erhöhung ihrer Preise und somit ihrer Gewinne ermöglichen und zudem ihre Margen konsolidieren.
Falls sich dieses Szenario bewahrheitet, ist davon auszugehen, dass ein Engagement in Aktien gewinnbringend wäre:

Ihre Risikoprämie erschiene im Vergleich zu Anlagen, die gegenüber den Zinssätzen staatlicher Titel empfindlich sind, plötzlich sehr begrüßenswert. Die als am sichersten geltenden Staatsanleihen weisen überdies häufig eine Null- oder sogar Negativrendite auf. In diesem Fall wären konjunktursensible Unternehmen aufgrund der wirtschaftlichen Erholung, aber auch aufgrund ihrer bisher besonders niedrigen relativen Bewertung den Qualitätswerten vorzuziehen.

Trump nicht unterschätzen

Auch wenn dieses Szenario vorerst sehr hypothetisch ist, ist es aufgrund der Unberechenbarkeit des mächtigsten Mannes der Welt, US-Präsident Donald Trump, nicht ganz auszuschließen. Zwar hat Trump den Markt häufig unangenehm überrascht, doch eine jähe Wende in den Beziehungen zu China wird vor dem Hintergrund des Präsidentschaftswahlkampfes und des Amtsenthebungsverfahrens von Tag zu Tag ein wenig wahrscheinlicher.

 

Foto: LFDE

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