2. Juli 2019, 14:00
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Pokerspieler und Feuerlöscher

„Potentielle geopolitische und ökonomische Flächenbrände belasteten immer wieder das Gemüt der Anleger“, fasst Thomas Böckelmann leitender Portfoliomanager der Vermögensmanagement Euroswitch den Juni in seinem Kommentar zusammen.

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Das G20-Treffen letzte Woche in Osaka endete zwar mit einem Waffenstillstand, doch das solle nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der Handelskonflikt zwischen den USA und China zu einem mehrjährigen Poker um die Technologieführerschaft in der Welt auswachse, der nach wie vor für Vertrauensverluste in der Wirtschaft sorge. Die wichtigen Messgrößen für die Stimmung in der Wirtschaft, die Einkaufsmanagerindizes, seien teilweise wieder auf den Stand während der Finanzkrise angekommen.

Fed und EZB wirken als Feuerlöscher

Die Gewinnerwartungen insbesondere vom Welthandel abhängiger Unternehmen sind um bis zu 25 Prozent gefallen und Modelle führender Investmentbanken deuten auf eine gestiegene Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den kommenden ein bis zwei Jahren von 25-30 Prozent, analysiert der Experte.

Als eine Art Feuerwehr der globalisierten Welt äußerten sich sowohl die US-amerikanische Notenbank FED als auch die europäische Notenbank EZB in kurzen Abständen direkt zu den drohenden Flächenbränden und stellten Maßnahmen in Aussicht, die zur deutlichen Aufwärtsbewegung an den Kapitalmärkten führten. So reichten die Interpretationen der Marktteilnehmer von stark sinkenden Zinsen in den USA bis hin zu einer neuen Ära geldpolitischer Experimente in der bereits jetzigen Negativzinsregion Euroland.

Unabhängigkeit der Notenbanken wird durch politische Zwänge gefährdet

Die offiziell unabhängigen Notenbanken würden sich dabei zusehends politischen Zwängen ergeben, die aus der mangelnden Problemlösungsfähigkeit der politischen Akteure resultiere „Seit der Finanzkrise 2008/2009 sind die Staatsschulden der G20-Länder um 72 Prozent gestiegen, die Wirtschaftsleistung hingegen nur um 31 Prozent. Die ersehnten positiven Effekte der Verschuldung verpuffen, gleichzeitig leeren sich die Munitionslager für den Fall einer tatsächlichen Krise in Form einer Rezession“, so Böckelmann.

Diese scheine immer wahrscheinlicher, solange nicht die wichtigsten Fragen einer globalisierten Welt beantwortet werden – neue Technologien und die Rentensysteme.

Der Trend bei den technologischen Entwicklungen gehe eindeutig Richtung selbstlernender Systeme, die Menschen tatsächlich ersetzen könnten und die es in den Laboren mehrheitlich in den USA und China bereits jetzt schon gebe. Es gehe damit um Fragen der Rechtssicherheit und vor allem die Arbeits- und Absatzmärkte.

Beruhigung der Märkte ist eingetreten

„Europa scheint hier unverändert verschlafen und mit sich selbst beschäftigt – Personalquerelen, Brexit und die Verhängung gegenseitiger Handelsverbote von Wertpapieren in der Konfrontation mit der Schweiz sollten als Beispiele genügen. Man muss sich fragen, ob die Prioritäten in der europäischen Politik richtig gesetzt sind“, sagt Böckelmann. Die Feuerlöscher der Notenbanken müssten also richten, wozu die Politik noch nicht in der Lage sei.

Die Feuerlöscher-Maßnahmen der Notenbanken hätten zu einer Beruhigung der Märkte geführt und somit den meisten Anlageklassen positive Ergebnisse beschert. Insbesondere Aktien konnten deutlich zulegen. Einerseits würden die wieder gesunkenen Zinsen die Alternativlosigkeit der Aktie verstärken, andererseits könnten sich die bislang erfahrenen Vertrauensverluste in der Wirtschaft in einer negativeren Berichterstattung der Unternehmen für das letzte Quartal ausdrücken.

Abwarten, was weiter passiert

„Wir werden mit Argusaugen die kommenden Unternehmensdaten und -ausblicke beobachten und analysieren. Selektion ist hier mehr denn je der Schlüssel zum Anlageerfolg. Eine pauschale Beurteilung von Märkten verbietet sich in einer Zeit, in der es zu grundsätzlichen Veränderungen der Geschäftsmodelle und Rahmenbedingungen kommt“, erläutert Böckelmann. Nicht ohne Grund seien bereits heute mehr als die Hälfte der Fortune Top 500 Unternehmen in der Welt seit 2000 verschwunden.

 

Foto: Shutterstock

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