4. Dezember 2017, 10:56
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

BGH-Urteil: Am Ende zählt (fast) nur der Vertrag

Bei Wölbern Invest zum Beispiel benötigten die Anleger schon gerichtliche Hilfe, um an dem zu Wölbern gehörenden Treuhänder vorbei überhaupt an Informationen zu gelangen und Gesellschafterversammlungen anzuberaumen. Der einst führende Initiator wehrte sich dagegen mit Haken und Ösen, und der Griff in die Fondskassen blieb auch wegen der vertraglichen Freiheiten erst lange unbemerkt und war dann nur schwer zu stoppen.

Auch in früheren Fällen wie Rosche Finanz, Falk Capital, Fundus oder Bankgesellschaft Berlin versuchten ursprünglich angesehene Initiatoren, die vertraglichen Regelungen – mehr oder weniger erfolgreich – zu ihren Gunsten zu nutzen, als es eng wurde. Manche Schiffsfonds-Manager haben sich in der Krise, nicht selten gezwungenermaßen, ebenfalls auf die Verträge zurückgezogen und sie gegen die Anleger verwendet, von Insolvenzverwaltern oder schon von vornherein zweifelhaften Anbietern ganz zu schweigen.

Zugegeben: Das alles sind Beispiele aus der fernen Vergangenheit und der unregulierten Ära. Bei den heutigen Fonds ist vieles anders und Vertragsverstöße sind kaum noch möglich. Doch weiterhin kann in manchen Fällen ein anderes Risiko bestehen: Vertragstreue.

Was tun bei Vertragstreue?

Denn was werden und was können BaFin und Verwahrstellen überhaupt unternehmen, solange die Akteure sich an die Verträge halten? Wenn also die Anlagebedingungen zum Beispiel „bis zu“ vier Prozent KVG-Vergütung vorsehen und dies dann – gegebenenfalls weit über der Prognose – auch so abgerechnet wird? Oder wenn ein von der KVG abhängiger Treuhänder tatsächlich das vertraglich eingeräumte Stimmrecht zu Gunsten des Managements ausnutzt und mit den Stimmen der passiven Gesellschafter die aktiven Anleger überstimmt?

Diese Fragen sind noch nicht zu beantworten, und das aktuelle BGH-Urteil erinnert daran, dass zumindest zivilrechtlich am Ende (fast) nur der Vertrag zählt. Es gibt keinerlei Anlass anzunehmen, dass die Regulierung daran etwas geändert hat und die Verträge heute weniger wichtig wären als früher.

Wie gesagt: Bei den allermeisten Fonds wird das keine Rolle spielen. Aber leider lässt sich nie sicher prognostizieren, bei welchem der anfangs seriösen Anbieter die Feinheiten der Klauseln eines Tages vielleicht doch relevant werden könnten.

Stefan Löwer ist Chefanalyst von G.U.B. Analyse und betreut das Cash.-Ressort Sachwertanlagen. Er beobachtet den Markt der Sachwert-Emissionen als Cash.-Redakteur und G.U.B.-Analyst insgesamt schon seit mehr als 25 Jahren. G.U.B. Analyse gehört wie Cash. zu der Cash.Medien AG.

Foto: Florian Sonntag

Weiter lesen: 1 2 3

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Oliver Bäte, Allianz: “Wollen die Führungsstrukturen immer effizienter machen”

Bei Europas größtem Versicherer Allianz muss sich das Management größere Sorgen um Arbeitsplätze machen als das Fußvolk. Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte will eher beim Management als bei den einfachen Mitarbeitern einsparen.

mehr ...

Immobilien

Inflationsschub dank selbstgenutztem Wohneigentum?

Steigende Löhne im Dienstleistungssektor dürften die Inflation der Eurozone etwas beflügeln. Könnten die Kosten für selbstgenutztes Wohneigentum diesen Trend verstärken?

mehr ...

Investmentfonds

Gold als Safe Haven gegen den drohenden Wirtschafts-Kollaps?

Einige glauben, dass das weltweite Finanzsystem in absehbarer Zeit zusammenbrechen könnte. Auch ohne dieses Horrorszenario macht Gold Sinn, meint Jörg Schulte von der Swiss Ressource Capital AG.

mehr ...

Berater

Händler-Plattform Shopify macht bei Facebook-Währung Libra mit

Die bei Facebook entwickelte Digitalwährung Libra kann nach einer Serie prominenter Abgänge einen Neuzugang vermelden. Die kanadische Firma Shopify, die eine E-Commerce-Software entwickelt, trat am Freitag der Libra Association bei, von der das Projekt verwaltet wird.

mehr ...

Sachwertanlagen

INP bestückt ihre offenen Spezialfonds mit weiteren Pflegeheimen

Die INP-Gruppe hat durch den Erwerb von vier Pflegeeinrichtungen und Pflegewohnanlagen an verschiedenen deutschen Standorten das Immobilienportfolio ihrer offenen Spezial-AIF für institutionelle Investoren in den vergangenen sechs Monaten weiter ausgebaut.

mehr ...

Recht

Wie Sie Haftungsrisiken mit einer Betriebsaufspaltung verringern

Wer sein Vermögen in den eigenen Betrieb steckt, möchte es vor Haftungsrisiken schützen. Mit einer Betriebsaufspaltung ist das möglich. Doch es lauern auch Fallstricke.

mehr ...