2. November 2009, 20:45
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Kfz-Versicherung: Eine Branche am Limit

Im Gegenteil sind dieses Jahr sogar mehr Autofahrer wechselwillig als vor Jahresfrist: 13 Prozent der Fahrzeughalter wollen den Tarif, 17 Prozent zudem auch den Anbieter wechseln, wie eine Umfrage der VHV zeigt. Im Vorjahr lag der Anteil bei sieben beziehungsweise elf Prozent. Um im verschärften Wettbewerb um die Kundengunst zu bestehen, haben sich einige Gesellschaften – allen voran Branchenprimus Allianz und die Ergo-Gruppe – einen besonderen Coup ausgedacht: Sie wollen den traditionell einheitlichen Stichtag für den Wechsel der Autoversicherung abschaffen und auf flexible Regel-Termine umschwenken.

Ergo und Allianz wollen Jahresendgeschäft entzerren

„Der 1. Januar ist für viele, die ihre Autoprämie auf einen Schlag zahlen, kein günstiger Termin für die Hauptfälligkeit der Kfz-Versicherung, weil sich zum Jahresanfang allerlei andere Zahlungen bündeln“, erklärt Ergo-Vorstand Frank Sievers. Von der flexiblen Regelung soll neben den Kunden auch der vertriebliche Außendienst profitieren, der sich im letzten Quartal bislang fast ausschließlich der K-Sparte widmet. Die Ergo rechnet damit, dass die Hauptfälligkeiten in vier bis sechs Jahren gleichmäßig übers Jahr verteilt sein werden. Bei der Huk sorgen diese Pläne für Unmut. In Coburg hat man ein klares Bekenntnis für den 1. Januar als Regel-Stichtag abgegeben: Nur die klassische Regelung gewährleiste, dass der Autofahrer zum frühestmöglichen Zeitpunkt in die nächsthöhere Schadensfreiheitsklasse aufrückt. Gegen diesen Einwand spricht allerdings, dass es Versicherten auch bei freier Terminwahl unbenommen bliebe, am 1. Januar festzuhalten. Auf Cash.-Nachfrage erklärt das Unternehmen Wettbewerbstransparenz zum Hauptargument: Der Kunde sei mittlerweile so vertraut mit dem gängigen Wechsel-Turnus, dass Verträge zum Jahresende gewohnheitsgemäß auf den Prüfstand gestellt werden. Eine Praxis, die von Medien durch detaillierte Tarifvergleiche unterstützt werde, was wiederum dem Verbraucher nütze, so die Huk.

Aufschluss in der Diskussion liefert indes die Frage, wer vom Status quo profitiert. Das ist mitunter die im Jahresendgeschäft traditionell starke Huk. Insofern ist es wenig verwunderlich, dass dort wenig Interesse an einer Abkehr von den Standards besteht.

Huk bekennt sich zum klassischen Hauptfälligkeitstermin

Eine Einschätzung, die auch Dr. Dirk Schmidt-Gallas, Partner und Global Head of Insurance der Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners, teilt. Der Versicherungsexperte sieht in der Entkopplung der alljährlichen Vertriebs-Rush-Hour eine Chance, dem ruinösen Preiskrieg Einhalt zu gebieten: „Flexible Termine können dazu führen, dass in der K-Sparte endlich wieder Geld verdient werden kann. Das Jahresendgeschäft wird vor allem über die Preise geführt, sodass Wechsel in billigere Tarife zur Routine geworden sind und die Qualität des Neugeschäfts zunehmend gesunken ist.“ Wenn sich künftig nicht mehr alle Anbieter gleichzeitig um die Kunden reißen würden, könne der Wettbewerb auf ein für die Branche verträgliches Maß zurückgeführt werden, so Schmidt-Gallas weiter. Zudem hätte der Vertrieb wieder Luft, sich gewinnbringenden Tätigkeiten zu widmen. Nicht zuletzt wäre es auch im Sinne der Beratungsqualität, die Wechselperiode über das Gesamtjahr zu strecken.

Dass die Hauptfälligkeit überhaupt thematisiert wird, zeigt, dass die Lage angespannt ist. Die großen Gesellschaften müssen das Kfz-Geschäft als Türöffner zum Kunden zum Teil teuer quersubventionieren und suchen nach Auswegen. Die Branche kann sich den Preiskampf nicht ewig leisten. Zuletzt wurden schon vereinzelt Prämien angehoben. Die Trendwende scheint unausweichlich. Denn der „Geiz-ist-geil-Klientel“ weiterhin mit Dumping-Tarifen nachzulaufen, ist ein Fass ohne Boden.

Foto: Shutterstock

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