Pflegende sind weniger berufstätig

Pflegen über 50-Jährige ihre Eltern, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie gleichzeitig berufstätig sind. Das haben Wissenschaftler des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung durch Auswertung europaweiter Daten herausgefunden. Unterdessen hat der Deutsche Städte- und Gemeindebund vor dem CDU-Wahlversprechen gewarnt, für Kinder pflegebedürftiger Eltern die Kostenbeteiligung zu senken.

Berufstätige Frauen, die ihre Eltern pflegen, verringern außerdem ihre Arbeitszeit um durchschnittlich 12,4 Prozent.
Berufstätige Frauen, die ihre Eltern pflegen, verringern ihre Arbeitszeit um durchschnittlich 12,4 Prozent.

Im Durchschnitt sind 69 Prozent der Menschen im Alter über 50 Jahren berufstätig. Von denen, die sich um pflegebedürftige Eltern kümmern, gehen jedoch deutlich weniger auch einem Beruf nach: bei Frauen sind es knapp 62 Prozent, bei Männer nur rund 57 Prozent. Berufstätige Frauen, die ihre Eltern pflegen, verringern außerdem ihre Arbeitszeit um durchschnittlich 12,4 Prozent, wie es in der Untersuchung weiter heißt.

Dass sich die Pflege der Eltern für Männer stärker auf die Beschäftigungschance auswirkt, erklärte die Mitautorin der Studie Dörte Heger so: „Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit und schaffen nach einer Pflegephase dort leichter wieder den Einstieg“.

Möglichkeiten für „Pflege-Auszeiten“

Um die bessere Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Pflege zu ermöglichen und die negativen Folgen für Pflegende abzumildern, sind der Untersuchung zufolge in zahlreichen Ländern bereits Möglichkeiten für „Pflege-Auszeiten“ geschaffen worden – in Deutschland zum Beispiel für zehn Tage. Wie sich das auf die Beschäftigungssituation von Pflegenden auswirkt, sei aber noch nicht untersucht worden.

Unterdessen hat der Deutsche Städte- und Gemeindebund vor dem CDU-Wahlversprechen gewarnt, für Kinder pflegebedürftiger Eltern die Kostenbeteiligung zu senken. Im CDU-Wahlprogramm heißt es zur Beteiligung an den Pflegekosten: „Ein Rückgriff auf Kinder soll erst ab einem Einkommen von 100.000 Euro erfolgen.“

Gröhe verteidigt das Vorhaben

Der Hauptgeschäftsführer des Kommunalverbands, Gerd Landsberg, hält es aber für grundsätzlich zumutbar, „dass Kinder für ihre Eltern einzustehen haben“, wie er der „Rhein-Neckar-Zeitung“ sagte. „Die derzeitigen Regelungen sind nach unserer Einschätzung praktikabel und vernünftig, eine entsprechende Neuregelung würde dazu führen, dass nur noch sehr wenige Kinder für ihre Eltern einstehen müssen.“

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) verteidigte dagegen das Vorhaben. Es gehe darum, „dass wir Kinder pflegebedürftiger Eltern vor finanzieller Überforderung schützen und damit dazu beitragen, sie noch besser zu entlasten“. (dpa-AFX)

Foto: Shutterstock

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