Digitalisierung: R+V testet Smart-Home und autonomes Fahren

Die Digitalisierung verändert die Versicherungsbranche – grundlegend, umfassend. Aktuell vergeht kaum eine Woche, in der nicht neue Studien zu möglichen Auswirkungen auf die Branche präsentiert werden. Nun testet die R+V Versicherung die digitalen Neuerungen gleich in zwei großen Pilotprojekten.

Das vernetzte Haus: Die R+V testet zusammen mit IBM und den Maltesern Smart-Home-Anwendungen. Ein Teilnehmer des Pilotprojekts im Gespräch mit einem Mitarbeiter des Malteser Hilfsdienstes.

So startet der Wiesbadener Versicherer ein Smart-Home-Projekt zusammen mit dem Malteser Hilfsdienst und IBM. In Kooperation mit beiden hat der Versicherer 25 Wohnungen von Menschen, die größtenteils allein leben, mit hochempfindlichen Sensoren und modernster Sicherheitstechnik ausgestattet.

So messen Temperatur- und Rauchsensoren die Luft im Raum, ein Wasserwächter meldet einen Überlauf am Waschbecken oder der Badewanne. Türkontakte und Bewegungsmelder schlagen an, falls sich etwas Verdächtiges anbahnt. Außerdem kann die Bettbelegung erfasst werden, um etwa ungewöhnlich langes Liegen zu erkennen.

Selbstlernende Systeme

Das Assistenzsystem „Malteser Care“ erkennt – unterstützt von der IBM Watson Internet of Things-Plattform – Notsituationen und schlage sofort Alarm. Das System ist laut R+V selbstlernend und passt sich den Routinen und Tagesabläufen des Bewohners an. Unstimmigkeiten lösen Alarmketten aus.

Für das Pilotprojekt konnten sich zunächst R+V-Mitarbeiter mit älteren Verwandten melden. Das Gros der Testwohnungen befindet sich in der Region Mainz und Wiesbaden auch auch in Frankfurt und Limburg. Die jüngste Teilnehmerin ist eine 37-jährige mit einer schweren chronischen Erkrankung, die älteste Teilnehmerin ist eine 92 Jahre alte Frau.

Zum Start des Modellprojektes sagt der R+V Vorstandsvorsitzende Norbert Rollinger: „Smart Home ist ein interessanter Zukunftsmarkt, auch für Versicherer. Deshalb ist es besonders wichtig, für künftige Produkte und Serviceleistungen entsprechende Erkenntnisse zu gewinnen.“ Der Feldversuch läuft seit Mai. Bis Ende 2019 will der Versicherer Erkenntnisse sammeln und dann entscheiden, ob das Angebot ausgeweitet wird. Denkbar seinen neue Assistance-Leistungen oder neue Versicherungsbausteine in der Pflege-, Kranken- oder Unfallversicherung.

Autonom fahrender Kleinbus: Zulassung zum Testbetrieb

Zeitgleich hat die R+V auch den Testbetrieb für einen autonom fahrenden Kleinbus aufgenommen. Der Versicherer hat als erstes Privatunternehmen in Deutschland die behördliche Zulassung für den öffentlichen Straßenverkehr erhalten.

In diversen großangelegten Testfeldern soll nun das zur R+V gehörende Innovation Lab „MO 14“ das selbstfahrende Fahrzeug in möglichst vielen unterschiedlichen Verkehrssituationen erproben. „Das wir unser Fahrzeug jetzt unter ganz realen Verkehrsbedingungen an unserem Standort in Wiesbaden testen dürfen, ist ein Meilenstein für unser Forschungsprojekt zum autonomen Fahren“, sagt Jan Dirk Dallmer, Direktor Kraftfahrt-Betrieb bei der R+V.

Mobilität der Zukunft verändert Risikomanagement

Ziel sei es zudem, die Herausforderungen an die Mobilität der Zukunft im Bereich Risikomanagement und -schutz zu erforschen, teilte das Unternehmen mit. Darüber hinaus soll geklärt werden, wie sich die Risikobeurteilung von Versicherungen verändere, wenn Fahrzeuge in Zukunft permanent Live-Daten liefern.

Daneben stehen aber auch technische Fragen im Raum: Etwa wie autonom fahrende Fahrzeuge mit der Umwelt interagieren, die Stärken und Schwächen aktueller Sensortechnik sowie Vor- und Nachteile der alternativen elektrischen Antriebstechnik. Zudem soll erforscht werden, wie es um die Akzeptanz der Bevölkerung auf die neue Technik bestellt ist. (dr)

Foto: Lucian Tudorica/R+V

 

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