Allianz Deutschland mit durchwachsener Halbjahresbilanz

Foto: Allianz
Klaus-Peter Röhler, Vorstandsmitglied bei der Allianz

Die Allianz Deutschland hat in Deutschland mit den Auswirkungen der Coronapandemie und des Niedrigzinsumfeldes zu kämpfen. So sank der Umsatz im ersten Halbjahr 2021 um 8,5 Prozent. Insbesondere das Lebengeschäft schwächelt. Dagegen verbuchte Deutschlands größte Versicherungsgesellschaft im PKV-Neugeschäft einen Rekord. Tief "Bernd" verursachte nach vorläufigen Prognosen Schäden von über 500 Millionen Euro.

Die Allianz blickt auf eine durchwachsenes erstes Halbjahr 2021 zurück. So sank der Umsatz um insgesamt 8,5 Prozent auf 20,5 (Vorjahreshalbjahr: 22,4) Milliarden Euro. Dagegen lag das operative Ergebnis über alle Sparten hinweg in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 7,8 Prozent über dem Vorjahreszeitraum.

Der Rückgang zeigte sich insbesondere in der Lebensversicherung. Dort hatte die Allianz, angesichts des Niedrigzinsumfelds, unter anderem die Konditionen bei bestimmten Einmalbeitragsprodukten angepasst. „Erfreulich ist, dass wir wieder mehr laufende Beiträge im Neugeschäft verzeichnen – insbesondere bei den kapitalmarktnahen Produkten InvestFlex und Komfort Dynamik“, betont Klaus-Peter Röhler, Vorstandsvorsitzender der Allianz Deutschland-AG. „Dies ist ein Vertrauensbeweis unserer Kundinnen und Kunden, die wieder vermehrt langfristig in unsere Lösungen investieren.“

Bemerkenswert: Während der Pandemie lag die Vertriebsleistung im Agentur- und Bankenvertrieb in den ersten sechs Monaten sogar über der ersten Hälfte des Rekordjahrs 2019.

Sachversicherung mit konstantem Ergebnis

Starkregen und Unwetter haben in den vergangenen Wochen zu verheerendem Hochwasser in zahlreichen Regionen in Deutschland geführt und dabei eine unvorstellbare Verwüstung hinterlassen.

Das Unternehmen geht nach derzeitiger Prognose für das Juli-Unwetter mit Tief „Bernd“ von insgesamt mehr als 30.000 Schadenmeldungen zu beschädigten Häusern und Hausrat sowie von über 5.000 Fahrzeugschäden aus, mit einem Schadenvolumen vor Rückversicherung in Höhe von mehr als 500 Millionen Euro. Die Allianz hat von den bisher gemeldeten 14.500 Sachschäden durch „Bernd“ (Gebäude und Hausrat) bereits 4.700 Schadenfälle vollständig mit den Kunden abgerechnet. Bis heute wurden schon über 58 Millionen Euro an die Kunden ausbezahlt.

In der Schaden- und Unfallversicherung ist in den ersten sechs Monaten des Jahres der Umsatz mit –0,3 Prozent nahezu konstant geblieben und erreichte 6,7 (6,7) Milliarden Euro. Aufgrund einer Corona-bedingt geringeren Fahrleistung vieler unserer Kfz-Kundinnen und -Kunden kam es zu Beitragsrückerstattungen in Höhe von 19,6 (12,5) Millionen Euro.

Sehr positiv ist mit steigenden Umsätzen die Entwicklung im privaten Sachgeschäft durch den Privatschutz, ein Versicherungspaket aus Haftpflicht-, Wohngebäude-, Hausrat-, Rechtsschutz-, Unfall- und Tierkrankenversicherung. Seit Einführung wurden insgesamt 1,25 Millionen Verträge verkauft. Im zweiten Quartal 2021 ist die
Sachversicherung insgesamt bereits wieder um 3,8 Prozent gewachsen.

Lebensversicherung: Fokus auf zeitgemäße Vorsorge

Die Allianz Leben hat 2021 zahlreiche Neuerungen in der privaten und betrieblichen Vorsorge auf den Weg gebracht. Bereits seit Januar 2021 fokussiert sich Allianz Leben im Produktangebot der Altersvorsorge auf Lösungen mit zeitgemäßen Garantien, die je nach Kundenwunsch am Ende der Ansparphase auf einem Niveau von mindestens 90, 80 oder 60 Prozent der gezahlten Beiträge liegen.

In der betrieblichen Altersversorgung richtet sich der Fokus noch stärker auf die Zusageart der beitragsorientierten Leistungszusage, die flexibel verschiedene Garantieniveaus ermöglicht und so die Freiheitsgrade in der Kapitalanlage und damit die Renditechancen erhöht.

In der privaten Altersvorsorge bietet Allianz Leben die Riester-Rente weiterhin an, ab dem Jahr 2022 ausschließlich auf Basis des sicherheitsorientierten Vorsorgekonzepts Perspektive. Den Anteil von kapitalmarktnahen Produkten und Risikoprodukten am Neugeschäft beziffert Röhler auf nunmehr 50 Prozent.

Auch der Anteil kapitalmarktnaher Produkte im Einmalbeitragsgeschäft wächst. In anderen Teilen des Einmalbeitragsgeschäfts wurde, bedingt durch die anhaltende Niedrigzinsphase, bewusst auf Mittelzuflüsse verzichtet. Insgesamt sanken hierdurch die Beitragseinnahmen um 14,2 Prozent auf 11,8 (13,8) Milliarden Euro.

Krankenversicherung mit Rekord-Halbjahr

Für die Allianz Private Krankenversicherung (APKV) war das erste Halbjahr 2021 ein Rekord mit dem stärksten Neugeschäft-Halbjahresergebnis in ihrer Geschichte.

Röhler führt das gute Ergebnis auch darauf zurück, dass das Thema Gesundheit durch die Pandemie sehr viel stärker in den Vordergrund gerückt ist: „Das Thema Gesundheit und eine gute Absicherung sind vielen Menschen in den vergangenen eineinhalb Jahren noch wichtiger geworden.“ Entsprechend stiegen auch die Beitragseinnahmen der APKV gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,1 Prozent auf 1,9 (1,9) Milliarden Euro.

In der Vollversicherung legte das Neugeschäft nach Monatsbeiträgen im ersten Halbjahr mehr als sieben Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu, in der Zusatzversicherung um vier Prozent. Besonders nachgefragt: Dentaltarife und die Pflegezusatzversicherung. Nach neuesten Marktzahlen gingen in den ersten drei Monaten 2021 rund 40 Prozent der Neuabschlüsse in der Pflegezusatzversicherung an die APKV.

Operatives Ergebnis steigt

Das operative Ergebnis lag über alle Sparten hinweg in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 7,8 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Diese Steigerung konnte trotz hoher Aufwendungen für Elementarschäden von netto 345 Millionen Euro (im ersten Halbjahr 2021) erreicht werden, die zu einem rückläufigen operativen Ergebnis der Sachversicherung führten.

Die Unwetter im Juli zeigen sich erst im dritten Quartal in den Zahlen. Die Lebens- und die Krankenversicherung profitierten von der Erholung an den Kapitalmärkten. Das Nettoergebnis verbesserte sich um 54,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, der stark belastet war durch hohe Abschreibungen auf Aktien.

Die Abschreibungen hatten sich in der Schaden- und Unfallversicherung erst im Nettoergebnis niedergeschlagen. Zudem wirkte sich der Anstieg des operativen Ergebnisses in der Lebens- und Krankenversicherung positiv aus. Das Kapitalanlageergebnis stieg über alle Sparten hinweg um 33,5 Prozent auf 5,9 (4,5) Milliarden Euro.

Strategische Weiterentwicklung

„Unsere Kundinnen und Kunden stellen neue Anforderungen an uns: Sie wollen Einfachheit, Schnelligkeit und das perfekte Kundenerlebnis“, sagt Röhler. Mit dem Allianz Kundenmodell vereinfacht das Unternehmen konsequent Produkte und Prozesse. Gleichzeitig werden Produkte und Services kostengünstiger, weil die neuen modularen Produktbausteine auch von anderen Allianz Gesellschaften genutzt werden können.

Zu den Beispielen zählt das Vorsorgekonzept Perspektive, das von Allianz Leben entwickelt wurde und inzwischen auch in Italien und Spanien angeboten wird. Der in Deutschland erfolgreich eingeführte Privatschutz dient ebenfalls als globale Blaupause.

Auch die Neuaufstellung der Allianz in Deutschland ist Grundlage für die
konsequente Umsetzung des Allianz Kundenmodells und die wichtige Rolle der deutschen Spartengesellschaften bei der Internationalisierung. Dafür werden folgende Veränderungen vorgenommen:

1. Die Stärkung der Produktgeber und ihres Beitrags zur
Internationalisierung. Dazu werden den Spartengesellschaften neben der
Produktentwicklung weitere Operations- und Zentralfunktionen
zugeordnet.

Eine vollständige Sicht der Spartengesellschaften nicht nur
auf die Produkte, sondern auch auf die Prozesse. Der ganzheitliche Ansatz soll, so die Allianz, die „Kundenerlebnisse deutlich
verbessern“, die Markteinführungszeiten verkürzen und die Effizienz
erhöhen.

2. Die Weiterentwicklung der konsistenten Kundenerlebnisse und die
deutschlandweit gemeinsame Kunden- und Marktsteuerung erfolgen
durch die neue Markteinheit „Allianz Kunde und Markt GmbH“. Diese wird
organisatorisch als Tochterunternehmen der Allianz SE geführt werden.

3. Die Schaffung effektiverer Zentralfunktionen mit Nähe zum deutschen
Geschäft und zugleich Größenvorteilen durch deren regionale oder
globale Aufstellung. Dafür wird die „Allianz ONE – Business Solutions
GmbH“ gegründet. In diese Gesellschaft werden übergreifende Einheiten
aus verschiedenen Bereichen der Allianz Deutschland überführt.

„Mit diesem wichtigen Schritt für unsere Zukunft können wir erhebliche
Wachstumschancen für die deutschen Allianz Gesellschaften schaffen und den Erfolg und die Wachstumsgeschichte der Allianz in Deutschland fortschreiben“, sagt Röhler.

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