Kreditversicherungsmakler: Wie riskant ist das Geschäft mit den Briten?

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Corona und Brexit machen den Export in das Vereinigte Königreich zu einem riskanten Unterfangen. Die deutschen Kreditversicherungsmakler klären auf, worin die Risiken bestehen und wie man sich dagegen absichern kann.

Zoll-Wirrwarr und Brexit-Papierkram an den Grenzen – die Motivation, mit britischen Unternehmen Geschäfte zu machen, hat sich durch solche Komplikationen seit dem Brexit nicht gerade erhöht. Wie gefährlich ist es nun aber tatsächlich, Handel mit britischen Firmen zu treiben – und kann man sich dagegen versichern?

Besonders intensiv haben sich mit diesen Fragen die deutschen Kreditversicherungsmakler befasst. Sie helfen Lieferanten dabei, die passenden Warenkreditversicherungen abzuschließen. Petra Fuchs, Vorständin des Internationalen Verbands der Kreditversicherungsmakler BARDO, beantwortet die wichtigsten Fragen.

Petra Fuchs, Euroassekuranz

Ist es riskanter geworden mit britischen Unternehmen Geschäfte zu machen und kann man sich dagegen absichern?

Fuchs: Es ist in der Tat riskanter geworden und wir raten Unternehmen, sich gegen mögliche Zahlungsausfälle abzusichern. Die Kombination Brexit und Corona macht es noch schwieriger, künftige Entwicklungen mit britischen Unternehmen vorauszusehen. Die Briten befinden sich ja bereits im dritten Lockdown binnen zwölf Monaten. Man sollte die Bonität der britischen Abnehmer genau im Blick behalten. Am stärksten sind unserer Beobachtung nach die Firmen betroffen, die mit Mineral- und Metallprodukten handeln, sowie die Branchen Automotive, Maschinenbau, Chemie und Textil. 

Deutschland muss mit circa zwei Milliarden Euro an Exportverlusten aufgrund des Brexit rechnen. Die EU-Einbußen wurden ursprünglich mit 18 Milliarden Euro beziffert, dürften sich aber tatsächlich auf ca. 10 Milliarden Euro belaufen[1]. Sie sind nicht so hoch wie anfänglich befürchtet, da durch den Lockdown auch der Konsum und die Nachfrage rückläufig waren. Zudem stellt sich auch im Vereinigten Königreich die Frage, ob und in welchem Ausmaß überhaupt eine Insolvenzwelle kommen mag und wie stark diese die Wirtschaft belasten wird. Die Auswirkungen könnten durch die Kombination Brexit und Corona schwerwiegender sein, als bei uns. 

Wie schwierig ist es derzeit, Tochtergesellschaften in Großbritannien in einem deutschen Kreditversicherungsvertrag mitzuversichern?

Fuchs: Bisher war die Lage so: Hatte ein deutsches Unternehmen beispielsweise eine Tochtergesellschaft in Großbritannien, konnte diese im deutschen Kreditversicherungsvertrag mitversichert werden. Seitdem das Vereinigte Königreich die EU am 31. Januar 2020 verlassen hat und die Übergangsfrist seit dem 01. Januar 2021 beendet ist, gilt nun die UK als Drittland. Ein Drittland ist ein Nicht-EWR-/EU-Land. Damit müssen künftig andere Möglichkeiten zur Vertragsgestaltung ins Auge gefasst werden, mit folgenden Möglichkeiten:

Option 1: Man sichert diese Risiken in den deutschen Verträgen über eine sogenannte Financial-Interest-Clause (FINC-Klausel) ab. Diese erweitert den Versicherungsschutz gegen finanzielle Verluste durch Wertminderungen von Beteiligungen des deutschen Mutterkonzerns an Risiken bzw. Unternehmen in Großbritannien. 

Option 2: Überführung der UK-Risiken in lokale Verträge. 

Welche Option sich für ein Unternehmen inhaltlich wie preislich am besten eignet, hängt von verschiedenen Kriterien ab. 

Insgesamt lohnt es sich, bei der Wahl des Versicherers und der Vertragsgestaltung die Expertenhilfe von spezialisierten Kreditversicherungsmaklern in Anspruch zu nehmen, denn falsche Entscheidungen können teuer werden. So kann es im Rahmen einer Gesetzesänderung zur Besteuerung mitversicherter Unternehmen in sogenannten Drittländern auch zu einer Doppelbesteuerung für UK-Risiken in einem deutschen Kreditversicherungsvertrag kommen. Zusätzlich zur lokalen UK-Steuer wird dann auch noch die deutsche Versicherungssteuer erhoben. 

Ist es teurer geworden, den Warenverkehr nach Großbritannien zu versichern?

Fuchs: Mit Sicherheit werden Forderungsausfallversicherungen aufgrund der Pandemie und der Ungewissheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung teurer werden. Einige Anbieter haben bereits reagiert und ihre Prämien angehoben. Allerdings gibt es Unterschiede von Anbieter zu Anbieter und ein Marktvergleich lohnt sich allemal. Die Versicherer unterscheiden sich sehr in der Gestaltung ihrer Konditionen und im Wording. Spezialisierte Kreditversicherungsmakler haben einen guten Marktüberblick und können so für das jeweilige Unternehmen den passenden Vertrag abschließen.

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