Morgen & Morgen: Beiträge in der PKV steigen um 2,53 Prozent

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Das Hofheimer Analysehaus Morgen & Morgen hat im Rahmen des M&M Rating PKV-Beitragsstabilität die Tarife der Privaten Krankenvollversicherung untersucht. Das aktuelle Ergebnis zeigt, dass die Beiträge im Neugeschäft mit im Schnitt 2,53 Prozent weiter leicht zulegten. In 2020 lagen die Beitragsanpassungen (BAP) im Neugeschäft noch durchschnittlich bei 1,77 Prozent.

2019 lagen die Beitragsanpassungen (BAP) bei 1,68 Prozent und im ersten Ratingjahrgang nach Einführung der Unisex-Tarife bei nur 1,44 Prozent. „Insgesamt ist eine steigende Tendenz der BAP im Neugeschäft zu erkennen, die sich mit den langsam alternden Beständen der Unisex-Tarifgeneration begründen lässt. Das Niveau der Bisex-Tarife mit fünfprozentiger BAP ist dabei aber noch lange nicht erreicht,“ schlussfolgert Thorsten Bohrmann, Senior Versicherungsanalyst bei Morgen & Morgen.

Thorsten Bormann, Morgen & Morgen

Die starke Entspannung der Beitragsentwicklung im PKV-Neugeschäft der vergangenen Jahre, sei vor allem dem „Beitrags-Reset“ durch die neue Unisex-Tarifgeneration in 2012 zu verdanken.

Nun komme die junge Tarifgeneration langsam in die Jahre und mit zunehmendem Alter der Tarife fiele die BAP naturgemäß höher aus. Die diesjährigen Beitragsanpassungen lägen – wie bereits in der Vergangenheit auch – hauptsächlich am medizinischen Fortschritt und an der Alterung des Bestands, so die weitere Schlussfolgerung des Analysehauses.

Zur Ermittlung der BAP verglichen die Analysten Neugeschäftsbeiträge und Beitragsanpassungen der PKV-Tarife marktweit und aggregieren sie zu einer Bewertung pro Tarifkombination. Bewertet wurden nur Tarife, die bereits seit mindestens fünf Jahren auf dem Markt sind.

Weniger Höchstbewertungen

Die Entwicklung schlägt sich auch in der Ratingbewertung nieder. Die Anzahl der Fünf-Sterne-Tarife, die nur eine sehr geringe Anpassung der Beiträge vornehmen, sinkt laut Morgen & Morgen. Im Ergebnis zeigt sich, wie bereits in den Vorjahren, eine leichte Verschiebung in der Sterneverteilung weg von den Höchstwertungen. Mit 317 vier- und fünf-Sterne Tarifen von insgesamt 808 Tarifen zeigt sich aber nach wie vor ein großer Teil sehr stabil.

„Das Ratingergebnis erfüllt weiterhin seinen Auftrag und spiegelt die aktuelle Marktsituation sowie die Marktentwicklung. Daher haben wir die in 2018 großzügig angesetzten Benchmarks im Ratingverfahren 2021 beibehalten“, erläutert Bohrmann und verdeutlicht „das erste Unisex-Ratingergebnis war in 2018 eher überdurchschnittlich gut und wir nähern uns aktuell dem guten bis normalen BAP-Niveau“. Eine Anpassung Benchmarking wird nach Aussage des Experten erst erforderlich, wenn das Ergebnis einen verzerrten Marktblick zeigen würde.

Folgen der Corona-Pandemie

Einen direkten Zusammenhang mit der Corona-Pandemie konnten die Versicherer nicht ausmachen, in Summe waren die Leistungsausgaben stabil. Pandemiebedingt höheren Ausgaben im Bereich von Prävention, Hygienemaßnahmen oder Tests standen verminderte Ausgaben, etwa aufgrund aufgeschobener Behandlungen, gegenüber.

Insgesamt wurden weniger Gesundheitsleistungen in Anspruch genommen. Die PKV rechnet allerdings mit einem verzögerten Anstieg der Leistungsausgaben in den kommenden Jahren. Aufgeschobene Behandlungen, in diesem Zusammenhang unerkannte Krankheiten, Langezeitfolgen von Covid-19-Erkrankungen und eine zeitlich verzögerte Belegeinreichung, etwa aus der dritten Welle der Pandemie, können die zukünftigen Leistungsausgaben erhöhen, die PKV-Versicherer haben diesbezüglich mit der Bildung von Schadenrückstellungen reagiert.

„Die Herausforderungen für die PKV-Versicherer werden in den nächsten Jahren vor allem in der Alterung ihrer Bestände, in erhöhten Leistungsausgaben aufgrund verzögerter Pandemie-Auswirkungen, in erhöhten Kosten im Rahmen des medizinischen Fortschritts, sowie in der anhaltenden Niedrigzinsphase liegen“, stellt Bohrmann klar. Der Versicherungsanalyst ewartet in Teilen anhaltende Beitragsanpassungen in der PKV.

BAP: Herausforderung für die Beratung

Das Thema Beitragsanpassung ist laut Morgen & Morgen eine der größten Herausforderungen in der PKV-Beratung. Oft bestehe bei Versicherungsnehmern die Sorge, im Alter aufgrund des Wegfallens des Arbeitgeberanteils zu hohe Beiträge zahlen zu müssen.

Die Versicherer bieten daher sogenannte Beitragsentlastungstarife an, die den Gesamtbeitrag um einen individuell wählbaren prozentualen Anteil im Rentenalter entlastet. Oft werden genau die 50 Prozent Arbeitgeberanteil damit entlastet. Die Morgen & Morgen Point of Sale Beobachtung zeigt, dass im Rahmen der Berechnung von Beitragsentlastungstarifen am häufigsten eine prozentuale Entlastung des Gesamtbeitrags von über 45 bis 50 Prozent gewünscht ist.

50 Prozent Entlastung gewünscht

An zweiter und dritter Stelle folgen die Ranges von über 25 bis 30 Prozent sowie über 15 bis 20 Prozent Entlastung. An vierter Stelle steht eine gewünschte Entlastung von über 95 bis 100 Prozent. Werde eine eine 50-prozentige Beitragsentlastung im Rentenalter gewünscht, liegt laut Morgen & Morgen ein Entlastungstarif preislich bei rund 47 Euro für eine PKV-Vollversicherung mit einem Gesamtbeitrag von 609 Euro. 

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